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20 Jahre Johannes-Rau-Stipendiatenprogramm

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Eine Broschüre des Pädagogischen Austauschdienstes. Kostenlos erhältlich im Webshop www.kmk-pad.org/shop

2000

2000 Spannungen auf bauen wollten. Wir hatten das Gefühl, dass sie als dritte Generation keine Schuld tragen. Natürlich waren der Naziterror und Holocaust ein Teil des offiziellen Programms. Aber mit den deutschen Jugendlichen von 16, 17 Jahren redeten wir auch über andere Dinge, die uns damals interessierten. Wir gingen aus, machten Partys und teilten das Gefühl, dass wir alle gleich sind. Haben Sie als israelischer Jude in Deutschland Vorurteile erfahren? Ich erinnere mich an einen Vorfall in der Schule meines Gastgebers. Ein Schüler sagte etwas, was ich nicht verstand, vielleicht eine rassistische Bemerkung. Er wurde ins Büro des Direktors zitiert und die Klasse entschuldigte sich für ihn. Ich war schockiert, dass jemand wegen mir bestraft wurde. Aber die meisten Leute begegneten mir mit Respekt und Neugier. Wie meine Gastfamilie, die sehr nett und aufgeschlossen war. Welche prägenden Erinnerungen haben Sie von Ihrer Reise mitgenommen? Ich habe allen berichtet, wie schön es war, und gehofft, dass ich mit meinen positiven Erfahrungen ihren Blick auf Deutschland beeinf lussen könnte. Zumindest meiner Mutter mag es geholfen haben, endlich Deutschland zu besuchen. Ich glaube, dass das Stipendium belastbare Brücken zwischen unseren Ländern schlagen kann. Wie hat das Stipendium Ihr weiteres Leben beeinf lusst, Ihre Haltung zu den deutsch-israelischen Beziehungen und zu Israel? Dass ich als Teenager eine neue Kultur erlebt habe, zudem eine mit so viel »schlechter Geschichte«, hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Ich habe Verständnis für Deutschland entwickelt, bin offener und unterscheide zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ich glaube, dass meine Ansichten toleranter und ausgewogener geworden sind. Selbst wenn ich unsere regionalen Herausforderungen betrachte, vertrete ich einen friedlicheren Ansatz. Wenn Deutsche und Israelis miteinander auskommen können, warum sollte uns das nicht auch mit unseren Nachbarn gelingen? Which influence did the grant have on your further life concerning the German-Israeli relations and your approach to Israel? As a teenager experiencing a new culture, especially one with so much »bad history«, has helped me shape into the person I am today. I developed understanding for the country, more open-mindedness, to distinguish between the past and presence. I believe I am generally more tolerable and balanced in my views. Even looking at our local regional challenges I have taken up a more peaceful approach. If Germans and Israelis can get along, why can’t we with our neighbors? 22

20 03 23 Ein Kaktus für Johannes Rau A cactus for Johannes Rau Bevor die Stipendiatinnen und Stipendiaten nach Deutschland kommen, werden Gastfamilien für sie ausgewählt. Die Entscheidung, wer zu wem passt, verlangt Fingerspitzengefühl und erfordert etwas Glück. Bei Shir Meir Lador und Yamina Veloso Kittel kam beides zusammen.Before the scholarship holders come to Germany, host families are selected for them. Deciding about who fits whom requires sure instinct as well as a bit of good luck. In the case of Shir Meir Lador and Yamina Veloso Kittel, both came together.

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