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20 Jahre Johannes-Rau-Stipendiatenprogramm

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Eine Broschüre des Pädagogischen Austauschdienstes. Kostenlos erhältlich im Webshop www.kmk-pad.org/shop

20 12

20 12 Jugendaustausch als Chance Youth exchange as an opportunity Apart from personal encounters, the multi-faceted programme of the Johannes-Rau-Scholarship also of fers exciting insights into the German-Israeli relations. For Lina Eisenberg this was the trigger for far-reaching research. Das vielseitige Programm des Johannes-Rau-Stipendiums vermittelt neben persönlichen Begegnungen auch spannende Einblicke in die deutsch-israelischen Beziehungen. Für Lina Eisenberg war das der Anstoß zu einer weitreichenden Recherche. 38

Als am 12. Mai 1965 die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel besiegelt wurden, war dies ein historisches Ereignis. Ein denkwürdiges Datum ist es auch für Lina Eisenberg. Als Schülerin recherchierte die Gymnasiastin für eine Seminarfacharbeit zwei Jahre lang über das besondere deutsch-israelische Verhältnis. Bef lügelt wurde ihr Engagement durch das Johannes-Rau-Stipendium. »Mich hat fasziniert, dass es uns Nachfahren von Holocaust-Überlebenden und Nazideutschen gelingt, unbeschwert miteinander umzugehen«, meint Lina Eisenberg. Aussöhnung der Jugend Bei ihrer Recherche stellte sie überrascht fest, dass es bereits 1955, also zehn Jahre vor der Akkreditierung von Botschaftern, einen deutsch-israelischen Jugendaustausch gab. »Er hatte eine große Bedeutung für die diplomatische Annäherung«, ist sie überzeugt. Als 15-Jährige bewarb sie sich deshalb für das Stipendium, obwohl dies eigentlich erst mit 16 Jahren möglich war. Ermutigt durch ihre Lehrerin und ihren Vater, der Mitglied in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) ist, wagte sie es dennoch. Sie bestand und freute sich über eine doppelte Premiere, war doch in diesem Jahr ausnahmsweise auch ein Gegenbesuch in Israel vorgesehen. Bei ihrer Gastgeberin Lian aus Modi’in fühlte sie sich herzlich aufgenommen und legte eine große Sorge ab: »Dass man mich mit der deutsch-jüdischen Geschichte konfrontiert. Ich hatte Angst, dass ich damit nicht umgehen könnte«, erinnert sie sich. »Doch es war kein Thema, wir hatten eine wunderbare Zeit und haben viel gelacht. Trotzdem war es gut, dass ich mich mit der Frage beschäftigt habe.« W hen, on May 12th, 1965, the diplomatic relations between Germany and Israel were sealed, this was a historic event. It is a remarkable event also for Lina Eisenberg. When being at Secondary Level II, for a seminar paper this young grammar school student researched the German-Israeli relations in the course of a two-years research. Her commitment was inspired by the Johannes-Rau-Scholarship. ‘I was fascinated by the fact that we, being the descendants of the Holocaust survivors, and Nazi- Germans succeed with getting along with other light-heartedly’, says Lina Eisenberg. Reconciliation among the young people During her research she was surprised to find out that as early as in 1955, that is ten years before the accrediting of ambassadors, there existed a German-Israeli youth exchange. She is convinced that ‘this was very important for the diplomatic rapprochement’. As a consequence, at the age of 15 she applied for the Scholarship, although usually this is only possible at the age of 16. Encouraged by her teacher and her father, a member of Deutsch-Israelische Gesellschaf t (DIG), she dared nevertheless. She was accepted and was happy about being first in two respects, as precisely in that year a return visit to Israel was intended as an exception. »Ohne zu wissen, wie sich dieses Stipendium auf meine Zukunft auswirken würde, besuchte ich Israel zum ersten Mal im Mai 2012 ...« ‘Without any idea of how this scholarship might af fect my future, I came to Israel for the first time in May, 2012 …’ She felt much welcome at her host, Lian from Modiín, and was relieved of a great worry: ‘That I might be confronted with the German-Jewish history. I was afraid of not being able to cope with this’, she remembers. ‘But it was of f the cards, we had a wonderful time and laughed much. Yet still, it was a good thing to have been dealing with the issue.’ Historische Verantwortung Lina Eisenberg nahm im selben Jahr eine Stipendiatin und einen Stipendiaten auf, Noa und Or. Gemeinsam besuchten sie das ehemalige KZ Buchenwald unweit ihrer Heimatstadt Weimar. Der Nobelpreisträger Elie Wiesel, Überlebender des Lagers, verfasste den denkwürdigen Satz: »Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit.« Diese Erkenntnis passt zu Lina Eisenbergs Geschichtsbewusstsein, dem zufolge aus dem historisch begründeten, besonderen Verhältnis zu Israel eine Verantwortung erwächst. »Unsere Länder sind eng miteinander verbunden und werden auch in Zukunft aufeinander angewiesen sein. Dabei hat der Jugendaustausch einen hohen Stellenwert«, sagt sie. Historical responsibility In that same year Lina Eisenberg accommodated two scholarship holders, a boy and a girl, Noa and Or. Together they went to the former Buchenwald concentration camp, which is not far from her home city of Weimar. Nobel laureate Elie Wiesel coined the memorable sentence: ‘The opposite of love is not hate, it's indif ference.’ This insight fits well to Lina Eisenberg's awareness of history, according to which from the historically founded special relationship to Israel there 39

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