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20 Jahre Johannes-Rau-Stipendiatenprogramm

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Eine Broschüre des Pädagogischen Austauschdienstes. Kostenlos erhältlich im Webshop www.kmk-pad.org/shop

»Sich ein eigenes Bild

»Sich ein eigenes Bild machen« ‘Getting one's own impression’ Das Stipendiatenprogramm geht auf eine Anregung des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau während seines Staatsbesuchs in Israel im Februar 2000 zurück. Seitdem werden jedes Jahr 20 israelische Schülerinnen und Schüler für etwa zwei Wochen nach Deutschland eingeladen. Qualifiziert haben sie sich durch einen Aufsatzwettbewerb und ein Auswahlgespräch, das die Deutsche Botschaft Tel Aviv organisiert. In den vergangenen 20 Jahren hatten so rund 400 Jugendliche die Gelegenheit, sich ein aktuelles Bild von Deutschland zu verschaffen – und mit jungen Deutschen ins Gespräch zu kommen. The scholarship programme goes back to a suggestion by then Federal President Johannes Rau during his state visit to Israel in February, 2000. Since then, every year 20 Israeli students are invited to Germany. They qualify by way of an essay contest and a personal interview organised by the German Embassy in Tel Aviv. This way, over the past 20 years about 400 young people have been given the opportunity to get their own impression of Germany today – and to get talking to young Germans. 8

Deutschland und Israel stehen mitten in einem Generationenwechsel: Noch leben Zeitzeugen des Holocaust; bald werden ihre Enkel das politische Geschehen und Denken prägen. Das Wissen über die Vergangenheit von Generation zu Generation weiterzugeben, ist deshalb so wichtig. Dazu gehört vor allem, dass sich die jungen Menschen unserer beiden Länder kennenlernen, sich gemeinsam mit der Vergangenheit auseinandersetzen und gemeinsam Zukunf t suchen. Das gilt zunächst für die jungen Deutschen, die jedes Jahr zu Tausenden Israel besuchen – als Touristen oder als Volontäre im humanitären Einsatz. Gerade diesen jungen Menschen, von denen heute einige in diesem Hohen Hause zu Gast sind, möchte ich meine Anerkennung aussprechen: Sie sind wahrhaf tige Botschaf ter unseres Landes. Das gilt aber auch für junge Israelis, die sich – verständlicherweise – viel weniger zu einer Reise nach Deutschland gedrängt fühlen. Ich wünschte mir, dass sich israelische Jugendliche stärker als bisher ein eigenes Bild von Deutschland machten. Wenn ich von einer jungen Israelin höre, die ihre jährlichen Besuche bei ihrem nach Deutschland zurückgekehrten Großvater lange zu Hause verheimlicht hat, weil sie sich schämte, dann schmerzt mich das. Ich kann das Zögern, sich Deutschland zu nähern, gut verstehen. Aber ohne den Umgang unter den Jugendlichen unserer beiden Länder werden wir die Zukunf t unserer einzigartigen Beziehung nicht so gedeihlich entwickeln können, wie wir uns das wünschen. Das Lernen und Üben des Umgangs miteinander wird zwischen den Menschen in Deutschland und Israel nie auf hören. Ich möchte Sie bitten, mit mir alles zu tun, um dieses Lernen zu fördern. Wir werden in diesen Tagen eine Vereinbarung über ein deutsch-israelisches Jugendforum unterzeichnen, das diesem Zweck dient. Wir werden ein Stipendienprogramm schaf fen, das helfen soll, junge Israelis mit dem heutigen Deutschland vertraut zu machen.« Germany and Israel are in the midst of a change of generations. Still, some witnesses of the Holocaust are alive; soon their grandchildren are going to decide about politics and thinking. Precisely because of that it is so important to pass on the knowledge of the past from generation to generation. To this there belongs most of all that the young people from our two countries are going to meet, to discuss the past with each other, and to seek a common future. At first this holds for those thousands of young Germans visiting Israel every year – as tourists or as volunteers in the context of humanitarian missions. I would like to express my appreciation particularly to these young people, some of whom are guests of this Parliament today: they are true ambassadors of our country. However, just as well this holds for young people from Israel who – understandably – feel much less urged to visit Germany. I would like young people from Israel to get their own idea of Germany much more than it is currently the case. When I hear of a young Israeli lady, who for a long time hid her yearly visits to her grandfather, who had gone back to Germany, from her family, because she felt ashamed, my heart is aching. I am full of understanding for the fact that Israeli people hesitate coming to Germany. However, without the young people of our countries meeting each other, we will not be able to shape the future of our unique relationship in the fruitful way we all want. Among the people from Germany and Israel, learning and practicing how to deal with each other will never come to an end. I would like to ask you to do everything, together with me, to support this kind of learning. In the coming days we are going to sign an agreement on a German-Israeli Youth Forum which will serve this purpose. We are going to create a scholarship programme which is meant to help making young people from Israel familiar with Germany.’ Johannes Rau in seiner Ansprache am 16. Februar 2000 vor der Knesset. Johannes Rau in his address to the Knesset, February 16th, 2000. Zum vollständigen Wortlaut der Rede Find the full text of the speech www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Johannes-Rau/Reden /2000/02/20000216_Rede.html 9

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