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Austausch bildet Dezember 2016

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Das Magazin stellt Projekte vor, die durch europäischen Austausch einen wichtigen Beitrag zur Bildungsintegration leisten. Studienaufenthalte von Schülern als "Migrationsexperiment", Sport und Spiel als Integrationserleichterung oder die Förderung von Elternteilhabe stehen beispielhaft für das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, die sich für Vielfalt an Schulen einsetzen. Weitere Beiträge widmen sich der Aktion "Europa macht Schule", stellen engagierte Deutschlerner aus Afrika vor und berichten über Austauscherfahrungen in ihrer Bedeutung für den eigenen Berufs- und Lebensweg. Neuigkeiten zu aktuellen Förderprogrammen, mit denen der PAD internationalen Austausch unterstützt, runden das Heft ab. Als Beilage zum Heft gibt es den Jahresplaner 2017 des PAD – solange der Vorrat reicht.

Schwerpunkt »Migration

Schwerpunkt »Migration – Integration« 15 austausch bildet 14 »Wir geben ihnen eine zweite Heimat« Internationale Vorbereitungsklassen, Integration in den Schulalltag und europäische Lehrerfortbildung zur Vorbereitung auf die neuen Herausforderungen: Das Schiller-Gymnasium Köln, eine von zwei Schwerpunktschulen der Stadt für geflüchtete Kinder und Jugendliche aus Krisenregionen, befindet sich im Wandel. » von andrea lummert, pad F ür die Kinder, die hierhin kamen, war das ein riesiger Schock. Viele von ihnen konnten fünf Jahre lang nicht zur Schule gehen«, erläutert Janina Hoffmann, Lehrerin am Schiller-Gymnasium, die Ausgangssituation im Winter 2016. Die Schule im Kölner Stadtteil Sülz ist eine der beiden Schwerpunktschulen der Stadt, die aus Krisengebieten geflüchtete Kinder und Jugendliche auf die Integration in das deutsche Schulsystem vorbereiten. Sechs Monate später können bereits 14 Schülerinnen und Schüler am regulären Unterricht teilnehmen. Bis es für die anderen 76 Kinder und Jugendlichen so weit ist, werden sie in fünf Vorbereitungsklassen sprachlich gefördert. »Die Atmosphäre ist ruhiger geworden. Wir können jetzt besser einschätzen, was erforderlich ist und was die Kinder brauchen«, stellt die didaktische Leiterin Isabell Seifert zu Beginn des neuen Schuljahres fest. Die Schülerinnen und Schüler sind zwischen 10 und 17 Jahren alt. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Etwa 65 Prozent sind Jungen. Einige von ihnen kamen ohne ihre Familien nach Deutschland. Was die jungen Menschen in ihrem Land erlebt haben, erzählen sie erst nach und nach, manche reden gar nicht über ihre Erfahrungen im Krieg und auf der Flucht. erasmus+ schulbildung Drei Säulen der Integrationsarbeit Die Lehrkräfte wollen, dass sich die Jugendlichen in der Schule sicher und wohlfühlen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die enge Bindung zum Klassenlehrer, der als Deutschlehrer mindestens 15 Wochenstunden unterrichtet und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen kann. Grundlage des Unterrichts in den ungewohnt heterogenen Lerngruppen ist das Drei-Säulen-Modell von Stefan Brömel, der in der Dannewerkschule in Schleswig Pionierarbeit in der Beschulung von Flüchtlingskindern geleistet hat. Die schulische Arbeit ist dreigeteilt in Arbeitsplanarbeit, Kommunikation und Integration. Die Arbeitspläne bestehen aus Aufgaben mit Lese-, Schreib-, Hör- und Sprechübungen, die sich die Schüler/-innen dem eigenen Leistungsstand gemäß aussuchen und von der Lehrkraft dann abzeichnen lassen. Diese Phasen werden durch themenzentrierte und grammatische Bausteine aufgearbeitet und ergänzt. In den Kommunikationsstunden werden durch Spiele, gemeinsames Singen und Bilder unterschiedlichste Sprechanlässe geschaffen. Aktivitäten zur Integration stellen die dritte Säule der schulischen Arbeit dar. Die Kölner Schule fördert Patenschaften zwischen Flüchtlingskindern und Regelschülerinnen und -schülern. Gemeinsamer Sportunterricht, Spielfeste und Ausflüge unterstützen diese Begegnungen, aus denen sich auch Freundschaften entwickelt haben. Ein Netzwerk aus (Paten-)Schülern, Eltern, Studierenden aus benachbarten Hochschulen und Firmen unterstützt diese Bemühungen. Illustrationen: Faber14/shutterstock.com »Was uns stark macht, ist die Freude der Kinder. Die Schule sehen sie als ihr zweites Zuhause, sie pflegen ihren Klassenraum und fühlen sich hier wohl.« Isabell Seifert, Didaktische Leiterin Kraftakt für gesellschaftliche Integration Das Schiller-Gymnasium formuliert als Ziel der Integration die »freiheitlich orientierte Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung«. Für manche der Jugendlichen, die aus anderen Staats- und Erziehungssystemen kommen, ist das nicht einfach. Es sei deshalb wichtig, den jungen Menschen zu zeigen, wie man durch sein eigenes Sozialverhalten seinen Beitrag zu einer gut funktionierenden demokratischen Gesellschaft leisten könne, stellt Isabell Seifert fest. Damit Lernprozesse zur gesellschaftlichen Integration führen, ist nicht nur ein professioneller Umgang mit den Schülerinnen und Schülern erforderlich, sondern auch ein großes Maß an Empathie. »Wir haben mit viel Herz und Verstand nicht nur den schulischen Erfolg jedes Einzelnen im Blick, sondern auch ihre soziale und berufliche Integration in unsere Gesellschaft«, so Isabell Seifert. Für die Lehrkräfte, die bei ihrer Arbeit weit über ihre Belastungsgrenzen hinausgehen, sind die sichtbare Freude der Kinder und deren Lernfortschritte Motivation und Lohn zugleich. Ohne eine weitere Stärkung der Ressourcen sei die Integrationsarbeit auf Dauer jedoch nicht zu leisten. Heimat Anforderungen an Lehrkräfte und Fortbildungswünsche Die Heterogenität der Lerngruppen stellt für die Lehrkräfte eine besondere Herausforderung dar. »Wir verstehen noch zu wenig, warum es in manchen Situationen zu Konflikten kommt und müssten mehr historisches und soziologisches Wissen über die Herkunftskulturen haben, um für die Situation der Kinder sensibilisiert zu sein«, stellt Isabell Seifert fest. »Gut wäre, wenn mehr Lehrkräfte ein Verständnis für das Lernen von Deutsch als Zweitsprache erhalten. Was es bedeutet, in eine Gesellschaft zu kommen, in der man die Sprache und die Kultur nicht versteht, können doch die wenigsten nachvollziehen«. Auch deshalb stellte das Schiller-Gymnasium im Herbst 2016 einen Antrag, um im Rahmen der Leitaktion 1 von Erasmus+ Schulbildung Fortbildungen durchführen zu können. Die Lehrkräfte suchen den Austausch mit Kollegen und Kolleginnen in Europa, die Erfahrungen haben im Umgang mit heterogenen Gruppen und im Umgang mit Flüchtlingskindern. So plant die Schule eine Fortbildung in Amsterdam, um dort an Schulen im Unterricht zu hospitieren. Die Schulleiterin des Schiller-Gymnasiums erwartet, dass ihre Kolleginnen und Kollegen von diesen Erfahrungen und innovativen Ansätzen bei der Arbeit in vielfältig gestalteten Lerngruppen profitieren können, was die Unterrichts- und Schulentwicklung positiv beeinflusst. Die Integrationsarbeit des Schiller- Gymnasiums zum Anschauen: www.kmk-pad.org/schiller

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