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Austausch bildet Dezember 2016

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Das Magazin stellt Projekte vor, die durch europäischen Austausch einen wichtigen Beitrag zur Bildungsintegration leisten. Studienaufenthalte von Schülern als "Migrationsexperiment", Sport und Spiel als Integrationserleichterung oder die Förderung von Elternteilhabe stehen beispielhaft für das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, die sich für Vielfalt an Schulen einsetzen. Weitere Beiträge widmen sich der Aktion "Europa macht Schule", stellen engagierte Deutschlerner aus Afrika vor und berichten über Austauscherfahrungen in ihrer Bedeutung für den eigenen Berufs- und Lebensweg. Neuigkeiten zu aktuellen Förderprogrammen, mit denen der PAD internationalen Austausch unterstützt, runden das Heft ab. Als Beilage zum Heft gibt es den Jahresplaner 2017 des PAD – solange der Vorrat reicht.

Schwerpunkt »Migration

Schwerpunkt »Migration – Integration« 9 Spitzbogen und Speisegabel austausch bildet 8 erasmus+ schulbildung Migration – Teil der Menschheitsgeschichte Was haben »Zucker«, gotischer Spitzbogen und Speisegabel gemeinsam? Mit dieser Frage lässt sich zugespitzt das Thema einer Erasmus+ Schulpartnerschaft beschreiben. Die Projektidee: Migration in Europa als Kennzeichen einer gemeinsamen europäischen Kulturgeschichte zu begreifen. Die Ergebnisse: Ein europäisches Schulbuch, ein Dokumentarfilm zu Lebensgeschichten von Menschen mit Migrationshintergrund und Studienaufenthalte als »Migrationsexperiment«. von thomas stolz, rottmayr-gymnasium laufen A ls sich im März 2015 die Kolleginnen und Kollegen aus Italien, Frankreich, Schweden und Dänemark zum Vorbereitungstreffen für das neue Erasmus+ Projekt am Rottmayr-Gymnasium im oberbayerischen Laufen trafen, war die Idee für ein neues Schulprojekt zum Thema »Migration in Europa« schon in vielen Vorgesprächen und Mail-Kontakten entworfen. Jetzt ging es »nur» noch darum, Projektgedanken und organisatorische Details in den 64 Seiten starken Antrag zu übertragen. Fest stand, dass die Arbeit nach zwei COMENIUS-Projekten zu den Themen »Nachhaltigkeit« und »Generationengerechtigkeit« zu einem ebenso aktuellen wie grundsätzlichen Thema mit den bewährten Partnern und einem Newcomer fortgeführt werden sollte. In den Monaten zwischen der Einsendung des Antrags und seiner Bewilligung erhielt das Thema durch die Flüchtlingskrise im Frühsommer 2015 ungeahnte Brisanz. Allen Beteiligten war klar, dass die neue Situation im Projekt ihren Niederschlag finden müsse. Zum Projektstart trafen sich deshalb die verantwortlichen Lehrkräfte Ende September im italienischen Valdobbiadene, um für die zweijährige Zusammenarbeit Absprachen zu treffen und einen Arbeitsplan festzulegen. Von Anfang an war vorgesehen, Projektaktivitäten möglichst breit aufzustellen, um Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Interessen und Fähigkeiten zur Mitarbeit gewinnen zu können. Das Schulbuch zur europäischen Kultur- und Migrationsgeschichte bearbeiten deshalb diejenigen, die sich für Geschichte, Sprachen, Kunst, Literatur, Alltagskultur und Gesellschaftliches interessieren und Freude an Recherche, Schreiben und Layout haben. Journalistisch und technisch Interessierte planen den Dokumentarfilm, der Menschen mit Migrationsbiographien ihre Geschichte in ihrem neuen Lebensumfeld erzählen lässt. Schülerinnen und Schüler des Laufener Rottmayr-Gymnasiums etwa besuchten einen griechischen Gastwirt, der seine Taverne in einem alten bayerischen Dorfwirtshaus betreibt, und einen Friseur aus Russland, aber auch neu angekommene, junge afghanische Männer, die in einer Wohngemeinschaft leben und bereits ins Arbeitsleben integriert werden. Am Ende werden die Beiträge der fünf Länder zu einer Magazinsendung zusammengeschnitten. Außerdem entstehen fünf nationale Langversionen, jeweils mit englischen Untertiteln. Zu sehen ist das alles ab Mai 2017 an den jeweiligen Schulen und auf der Website des Projekts. Migrationsexperiment auf Zeit Die erste Mobilität mit Schülerbeteiligung führte die Partner im Oktober 2015 nach Dänemark. In dieser Woche entwarfen die Schülerinnen und Schüler bereits erste Kapitel für das Schulbuch. Im Wikinger- Museum in Roskilde erhielten sie einen anschaulichen Eindruck von der Bedeutung dieses Seefahrervolkes für die kulturelle Entwicklung Skandinaviens. In Kopenhagen suchten die Projektpartner nach alltäglichen Spuren von Migration und hielten ihre Eindrücke in Fotocollagen und Videoclips fest. Zwischen Januar bis Juni 2016 erlebten einige ausgewählte Schülerinnen und Schüler durch eine Langzeitmobilität an einer Partnerschule ein »Migrationsexperiment auf Zeit«. Bei der Projektplanung hatten sich die Schulen bewusst dafür entschieden, diese Möglichkeit in Verbindung mit dem Thema zu nutzen. Das Ziel an jeder Partnerschule ist es, mit breit gefächerten Aktivitäten die Gäste, welche die Landessprache nicht sprechen, möglichst gut zu integrieren. Die aufnehmenden Klassen planen und unternehmen somit ein zweimonatiges Integrationsprojekt. In dieser Zeit schreiben die Longterm stayers wöchentlich Blogeinträge und verarbeiten ihre Eindrücke in Kurzvideos, die auf der Website www.migration-in.eu/long-term-stay-2016-1 zu sehen sind. Die Erfahrungen der Gastfamilien, aufnehmenden Klassen und Schülerinnen und Schüler werden in einer Evaluation erfasst. Die Ergebnisse fließen in Empfehlungen für Schulen ein, die Langzeitstudienaufenthalte planen. Programm Erasmus+ Schulbildung Projekttitel Migration in Europa Koordinierende Einrichtugen Rottmayr-Gymnasium Laufen (Bayern) Während des zweiten Projekttreffens in Schweden im März 2016 ging es um das Thema Migration in Film, Kunst und Literatur. In einem Workshop zur Sprachgeschichte wurde beispielhaft gezeigt, dass »Zucker« – sucre, sugar, zucchero, azucar, cukier oder caxap – ein Begriff aus dem Altindischen ist, der über das Persische und Arabische in die europäischen Sprachen entlehnt wurde. In einem weiteren Workshop wurde an Beispielen aufgezeigt, wie in literarischen Werken Migration als Motiv eine Rolle spielt. Bereits Ende September 2016 trafen sich alle Projektpartner dann wieder im oberbayerischen Laufen. Für das Schulbuch ging es hier um das Kapitel, in dem Einflüsse von Migration auf Architektur, Städtebau und Kulturlandschaften dargestellt werden. Das Rottmayr-Gymnasium arbeitet hier mit zwei externen Partnern zusammen – dem Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Und siehe da: Ist der gotische Spitzbogen, so typisch für viele europäische Bauwerke, etwa auch orientalischen Ursprungs? Bleibt noch die Speisegabel. Bei einer weiteren Mobilität nach Venedig wollen die Schülerinnen und Schüler den Einfluss von Migrationsbewegungen in der Geschichte der Lagunenstadt untersuchen, die immer schon eine Brücke zwischen dem Abendland und dem Orient bildete. Sie beschäftigen sich mit typischen kulturellen Codes in Europa. Sollte die Spur der Speisegabel etwa auch nach Osten weisen? Einmal mehr wird zu zeigen sein: Migration ist Teil der Menschheitsgeschichte. Sie war und ist maßgeblich für kulturelle Identität und gesellschaftlichen Fortschritt in Europa. — Der Autor ist Erasmus+ Koordinator am Rottmayr-Gymnasium Laufen. Weitere Informationen: Partner Gladsaxe Gymnasium, Søborg (Dänemark), Lycée Pilote Innovant International, Jaunay-Clan (Frankreich), Istituto Statale di Istruzione Secondaria Superiore »Giuseppe Verdi«, Valdobbiadene (Italien), Falkenbergs Gymnasieskola, Falkenberg (Schweden), Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege www.migration-in.eu Laufzeit September 2015 bis August 2017 EU-Zuschuss 26.925 € für die deutsche Schule Kontakt Thomas Stolz stolz@rottmayr-gymnasium.de Weitere Informationen www.migration-in.eu

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