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Austausch bildet Dezember 2017

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Ob COMENIUS, Erasmus+ Schulbildung oder eTwinning, die europäische Projektarbeit ist an vielen Schulen fest verankert. Zum 30. Erasmus-Jubiläum stellt das Magazin engagierte Schulen und beispielhafte Projekte vor. Weitere Beiträge lassen Menschen zu Wort kommen, die sich zum Beispiel als "kulturweit"-Freiwillige, als "Young voices" der Initiative "UK-German Connection" oder in verschiedenen anderen Austauschprogrammen engagiert haben.

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Erfahrungen 37 german american partnership program Geschmackssache austausch bildet Ob deutscher Spargel oder amerikanischer Burger: Was Schülerinnen und Schüler während eines Austauschs im Gastland als typische Spezialität serviert bekommen, trifft nicht immer sofort ihren Geschmack. Für Stephanie Hausotter aus New Mexico und Christoph Lehner aus Bayern war das jedoch kein Grund, nicht wieder zurückzukehren. Inzwischen leben und arbeiten sie in dem Land, das sie während eines Schüleraustauschs kennengelernt haben. von iris ollech Es war ausgerechnet der Deutschen liebstes Gemüse, das Stephanie Hausotter am guten Geschmack ihrer Gastgeber zweifeln ließ – damals im Juni 1999, mitten in der Spargelzeit, als die junge Amerikanerin aus Las Cruces, New Mexico, für einen Monat ins niedersächsische Nienburg kam. Die edlen Stangen gedeihen auf den leichten Geestböden entlang der Weser besonders gut, und die Bewohner des Landkreises sind stolz auf ihre Spezialität. Kein Wunder also, dass die Gasteltern der damals 15-jährigen Stephanie ihr diesen Genuss nicht vorenthalten wollten. »Es war ein großes Event«, erinnert sie sich. »Die ganze Woche wurde darüber geredet, am Samstag sind wir gemeinsam auf den Markt gegangen, haben den Spargel ausgesucht, und dann kam endlich das lang ersehnte Mittagessen.« Kulinarische Missverständnisse Erwartungsvoll schauten ihre Gastschwester Anja und deren Familie sie an, gespannt darauf, wie ihr die Delikatesse munden würde. »Ich habe nur gekaut und gekaut und kaum etwas runter gekriegt, und irgendwann konnte ich nicht mehr«, erzählt Stephanie Hausotter lachend. »Essen auf dem Teller liegen zu lassen ist ja ein großes No-Go in Deutschland, zumal wenn es sich um den geschätzten Spargel handelt.« Erst Jahre später habe sie verstanden, dass er damals wohl nicht richtig geschält worden war und ihr deshalb keine Freude bereitete. Das kulinarische Missverständnis hat ihre Zuneigung zu Deutschland aber keinesfalls geschmälert. »Inzwischen esse ich sogar sehr gerne Spargel«, sagt sie. Und den kauft sie auf dem Wochenmarkt in ihrem Berliner Kiez Prenzlauer Berg, wo sie mit ihrem deutschen Mann und ihrem kleinen Sohn wohnt. »Jetzt lebe ich schon seit zwölf Jahren in Deutschland, und ohne den GAPP-Austausch wäre ich sicher nicht hier«, erzählt die 34-Jährige in beinahe akzentfreiem Deutsch. Auch Christoph Lehner kommt Kulinarisches in den Sinn, wenn er sich an seinen ersten Aufenthalt in den USA erinnert. Als 16-Jähriger verbrachte der Bayer aus Dingolfing drei Wochen in der Metropole Cincinnati im Bundesstaat Ohio. Es dauerte nicht lange, da wünschte er sich, die pappigen Burger gegen rösche Brezen eintauschen zu können. »Die haben Illustration: Carla Böwering mir wirklich sehr gefehlt«, seufzt der 33-Jährige mit niederbayerischem Zungenschlag. Wenngleich er das Essen als gewöhnungsbedürftig empfand, erlebte er doch vieles als herausfordernd und aufregend. Seine gleichaltrigen amerikanischen Mitschüler fuhren im eigenen Wagen vor der Highschool vor, während er zu Hause, wo es den Führerschein erst ab 18 gab, mit dem Fahrrad zur Schule strampelte. »Alles erschien mir eine Nummer größer, nicht nur die Entfernungen, auch die Häuser, die in den Himmel wachsen. Die amerikanische Architektur hat mich schon damals beeindruckt, und ich finde sie heute noch imposant«, erzählt Lehner. Auch für ihn war der Schüleraustausch der Beginn einer langjährigen Freundschaft – mit seinem Gastbruder Benjamin und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nach seinem ersten Besuch im Jahr 2000 kam er immer wieder – erst zusammen mit Freunden, mit denen er die USA auf ausgedehnten Roadtrips erkundete, dann als Physikstudent. Vor sieben Jahren schließlich, nach erfolgreicher Promotion, packte er die Umzugskisten und zog von Bayern nach Babylon. Rückkehr ins Gastland Das beschauliche Örtchen auf Long Island liegt nur eine gute Autostunde vom quirligen New Yorker Times Square entfernt. Christoph Lehner lebt hier mit seiner deutschen Frau und den drei kleinen Söhnen. Zu seinem Arbeitsplatz, dem Brookhaven National Laboratory, hat er es nicht weit. Die Einrichtung gehört zu den renommiertesten naturwissenschaftlichen Forschungsstätten des Landes. Ihr Motto »A Passion for Discovery« passt perfekt zu dem deutschen Wissenschaftler, der sich dort mit Leidenschaft seinem Fachgebiet, der Hochenergiephysik, widmet. Über die Arbeitsbedingungen in seinem Gastland gerät er dabei ins Schwärmen: »Die Offenheit für neue Ideen begeistert mich, der Pioniergeist, der immer noch spürbar ist. Das hat mich schon bei meinem allerersten Besuch als Schüler beeindruckt.« Für Stephanie Rhinehart, wie sie mit Mädchennamen hieß, war Germany absolutes Neuland. Trotz ihrer deutschen Vorfahren, die vor Generationen in die USA ausgewandert waren, sprachen weder ihre Großeltern noch ihre Eltern Deutsch. Sie selbst lernte die Sprache erst in der Highschool. Dabei wäre in New Mexico Spanisch naheliegender gewesen, wegen der vielen Einwanderer aus dem Nachbarland. Dass Stephanie sich anders entschied, lag an Ingrid Luchini, ihrer Deutschlehrerin. Sie engagierte sich begeistert für den GAPP-Austausch mit der Partnerschule in Nienburg. »Ich dachte mir, es wäre spannend, dort einmal hinzureisen«, erinnert sich Stephanie Hausotter. »Und das war der Grund, warum ich mich für die Sprache entschieden habe.« Zwei Jahre später begann das Abenteuer Deutschland, das sie als »Kulturschock« erlebt hat: »Alles war anders: die Häuser, das Kopfsteinpflaster auf den Straßen, dass man mit dem Fahrrad fährt und wenig Zeit im Auto verbringt, das Wetter, das Essen«, erzählt sie. Mit der Verständigung klappte es gut, ihre Deutschlehrerin hatte ganze Arbeit geleistet. »Sie gab uns Austauschschülern im Jahr vor der Reise zusätzliche Stunden. Deshalb kam ich in Nienburg auch gut zurecht. Aber es ist trotzdem etwas anderes, wenn man im Unterricht spricht, als wenn man mit einer deutschen Familie am Tisch sitzt und sich unterhält«, meint Stephanie Hausotter. Sie wollte unbedingt wiederkommen und paukte nach ihrer Rückkehr fleißig weiter Vokabeln und Grammatik. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Nach der Highschool begann sie ein Germanistikstudium, erhielt ein Fulbright-Stipendium, wurde für ein Masterprogramm in Berlin ausgewählt, lernte dort ihren späteren Mann kennen und arbeitet jetzt am deutsch-amerikanischen Bard College Berlin, wo sie Studenten aus über 60 Ländern berät. »Einige fragen mich, wie ich nach Deutschland gekommen bin. Dann erzähle ich ihnen, dass GAPP daran schuld war«, sagt sie lachend. »Und dass es sich lohnt, eine Fremdsprache perfekt zu beherrschen, wenn man beruflich im Ausland Fuß fassen möchte.« > 36

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