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Austausch bildet – Dezember 2019

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. Schwerpunkt der Dezember-Ausgabe ist das EU-Bildungsprogramm Erasmus+. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Forum Forum 23 austausch

Forum Forum 23 austausch bildet Politische Europabildung Ziele, Herausforderungen, Perspektiven Eine europaorientierte politische Bildung in Schule und Unterricht sollte die europäische Integration nicht nur im Fachunterricht, sondern zusätzlich als themenübergreifendes Unterrichtsprinzip behandeln. Realisieren lässt sich das unter anderem auch mit Mobilitätsmaßnahmen und Projektpartnerschaften des Programms Erasmus+, erläutert Professorin Monika Oberle in ihrem Beitrag. von professorin monika oberle, universität göttingen E uropa ist mehr als die Europäische Union (EU). Doch der EU kommt in der polerweile weitreichende Kompetenzen. Offenbar erfor- Europäischen Parlaments, aber auch um dessen mittlitischen Europabildung ein besonderer dert die Europäische Integration in besonderer Weise Stellenwert zu. Sie ist der am weitesten gezielte Maßnahmen politischer Bildung. entwickelte transnationale politische Die Curricula der Sekundarstufen allgemeinbildender Schulen sehen heute entsprechend in allen Zusammenschluss Europas (und weltweit) und hat einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Bürgerinnen Bundesländern die Behandlung der EU insbesondere und Bürger. Mehr als ein Viertel der auf Bundesebene im politischen Fachunterricht vor. In Anlehnung an getroffenen legislativen Entscheidungen gingen in politikdidaktische Kompetenzmodelle zielt die politische EU-Bildung auf die Förderung der politischen den letzten Jahren auf einen »europäischen Impuls« zurück. Politik in Deutschland lässt sich ohne Einbeziehung der europäischen Ebene nicht angemessen elles Wissen zur Europapolitik in ihren Dimensionen Urteils- und Handlungsfähigkeit. Sie will konzeptu- begreifen; zugleich lässt sich europäische Politik nicht polity (Form), politics (Prozess) und policy (Inhalt) alleine über Mitbestimmung auf nationaler Ebene sowie europapolitische Motivationen und Einstellungen vermitteln. Die Kultusministerkonferenz un- beeinflussen, sondern beispielsweise über die Europawahlen oder die Europäische Bürgerinitiative. Es fehlt terstreicht in ihrer 2008 aktualisierten Empfehlung nicht an Informationsmaterial über die Europäische »Europabildung in der Schule« die Bedeutung der Integration. Dennoch mangelt es an grundlegenden europäischen Dimension schulischer Bildung und Kenntnissen beispielsweise um die Direktwahl des fordert unter anderem »die Vorbereitung der jungen Menschen darauf, ihre Aufgaben als Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union aktiv wahrzunehmen«. Auch sollen die Lernenden ein »Bewusstsein europäischer Zusammengehörigkeit« beziehungsweise eine »europäische Identität« entwickeln. Europabildung mit Wertebezug Angesichts zentraler Grundprinzipien politischer Bildung wie dem Überwältigungsverbot und Kontroversitätsgebot (zum »Beutelsbacher Konsens« siehe www.lpb-bw.de/beutelsbacher-konsens.html) stellt sich die Frage, inwiefern proeuropäische beziehungsweise positive EU-Einstellungen sowie eine europäische Identität legitime Bildungsziele sein können. Eine »emphatisch-gesinnungsethische Prägung« (Massing) der Europabildung beziehungsweise eine »EU-Propaganda« werden in der Politikdidaktik deutlich kritisiert. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass politische Bildung und schulische Bildung generell nicht wertneutral sind, sondern einen klaren Werte- und Grundgesetzbezug haben, wie die Kultusministerkonferenz beispielsweise in ihrer Erklärung zur Demokratiebildung unterstreicht. Die im Grundgesetz in Artikel 23 verankerte Europa- Offenheit rechtfertigt eine grundsätzlich positive Bewertung der europäischen Integrationsbestrebungen in Schule und Unterricht. Jedoch muss sich Europabildung auch mit Kritikpunkten am europäischen Einigungsprozess sowie mit alternativen Entwicklungsszenarien, institutionellen Designs und policies auseinandersetzen. Bezüglich der Identitätsbildung ist kritisch zu reflektieren, dass Identifikation stets auch Ab- und Ausgrenzung beinhalten kann (Stichwort: »Festung Europa«), dass heute aber von hybriden beziehungsweise multiplen Identitäten ausgegangen wird. Eine europäische Identität kann damit zum Beispiel mit einer lokalen, nationalen und globalen Zugehörigkeit einhergehen, die je nach Situation unterschiedlich aktiviert werden. Selbstverständlich dürfen politische Einstellungen nicht Gegenstand schulischer Benotung sein. Besondere Herausforderungen der politischen Europabildung bestehen in der großen Komplexität des europäischen Mehrebenensystems und hohen Dynamik der Europäischen Integration. EU-Wissen kann schnell veralten, Gleiches gilt für Unterrichtsmaterialien wie Schulbücher. Unterrichtsmaterialien der EU wiederum sind teilweise zu einseitig im Sinne einer Werbung für die EU. Lehrkräfte sind damit gefordert, sich im Sinne lebenslangen Lernens permanent eigenaktiv fortzubilden. Weitere Probleme sind eine vielfach empfundene Bürgerferne und ein (scheinbar) mangelnder Lebensweltbezug der EU sowie fehlende Vorkenntnisse und Vorurteile seitens der Lernenden. Es gibt zahlreiche didaktische Ansätze, um diesen Herausforderungen zu begegnen. So lässt sich an Beispielen aus dem Schüleralltag wie Mobilität (zum Beispiel Reduktion von Grenzkontrollen und Roaming-Gebühren, Fahrgastrechte, Euro) und Konsum (zum Beispiel Lebensmittelsicherheit, Tierversuchsfreiheit von Kosmetika, Gewährleistungsgarantie), aber auch anhand von Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten der Lebensweltbezug von Errungenschaften der EU veranschaulichen. Die Auseinandersetzung mit politischen Streitfragen der EU-Politik von Asylpolitik über Datenschutz bis Klimapolitik fördert die politische Urteilsbildung, methodische Settings wie Pro-Kontra-Debatten und Fishbowls trainieren darüber hinaus die kommunikative Handlungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Politische Exkursionen, aber auch die (analoge oder digitale) Begegnung mit politischen Akteuren im Klassenzimmer können Europapolitik greifbar machen und der EU »ein Gesicht geben«. Planspiele schließlich ermöglichen es den Lernenden, europäische Institutionen und politische Prozesse »von innen« zu verstehen, fördern spielerisch ihre Kenntnisse, Urteilsfähigkeit, Handlungsfähigkeiten wie Argumentieren, Verhandeln und Entscheiden sowie ihre politische Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Europabildung als Schulprinzip Im Sinne einer »europaorientierten« politischen Bildung sollte Politikunterricht die Europäische Integration nicht nur in einem speziellen Block mit EU-Fokus, sondern zusätzlich als themenübergreifendes Unterrichtsprinzip behandeln, zum Beispiel wenn es um Kommunalpolitik, Umweltpolitik oder politische Wahlen geht. Über den politischen Fachunterricht hinaus ist Europabildung als Schulprinzip zum Beispiel über Mobilitätsmaßnahmen und Projektpartner- > 22

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