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Austausch bildet Juni 2016

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In dieser Ausgabe lesen Sie im Schwerpunkt mehr zu den Erfahrungen, die Schüler/-innen, Lehrkräfte und Studierende in deutsch-amerikanischen Austauschprogrammen des PAD machen konnten. Weitere Themen sind u. a. eine Lehrerfortbildung in Yad Vashem, europäische Projektarbeit gegen Schulabbruch und ein neues Forum zur Integration junger Flüchtlinge.

diversity in u.s.

diversity in u.s. education Schwerpunkt »Austausch mit den USA« 19 Aus dem Wald in die Vielfalt austausch bildet Optimismus braucht, wer in vielfältig zusammengesetzten Klassen lehrt – so wie Reinhard Westhues, früher Förster, heute Lehrer in einer bayerischen Mittelschule. Eine Fortbildung in San Antonio in den USA hat ihn darin bestärkt: Lehrer sollten alle Kinder wie rohe Diamanten behandeln. von arnd zickgraf D er Mann aus dem bayerischen Forst, der heute unterrichtet, hat einen Hang zur Vielfalt: »Ein Klassenzimmer ähnelt einem Waldbestand: Es gibt Schüler, die wachsen wollen, einige wollen noch nicht wachsen, andere wiederum brauchen länger, um groß zu werden«, sagt Reinhard Westhues. Schon seit seiner Kindheit war Förster sein Traumberuf. Er hatte einen Hund, war ständig im Grünen und arbeitete nach seinem Studium 15 Jahre als Forstingenieur. Viele Bäume hat er in dieser Zeit gepflanzt, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. »Förster zu sein ist praktizierender Optimismus, man denkt dabei unentwegt an die Zukunft«, sagt er. Als allerdings eine Reform der Forstverwaltung seine berufliche Zukunft veränderte, nahm er das Angebot an, in den Schuldienst zu wechseln. So kam es, dass Reinhard Westhues 2007 als Seiteneinsteiger in die Johannes-Kern-Schule in Schwabach eintrat, eine Mittelschule in Bayern. Der Begriff »Zukunft« hat seitdem für ihn eine ganz andere Bedeutung. Denn heute führt der Lehrer Jugendliche nicht mehr wie zu seiner Zeit als Förster durch den Wald, sondern erfolgreich zur mittleren Reife. Die Johannes-Kern-Schule, in der er unterrichtet, zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte aus. 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler seiner letzten Klasse hatten einen Migrationshintergrund, sind also im Ausland geboren, besitzen einen ausländischen Pass oder sind einer anderen Muttersprache mächtig. »Wie im Wald haben alle Schüler verschiedene Charaktere, verschiedene Stärken und Schwächen und verschiedene Erwartungen«, so der Pädagoge – eine Herausforderung für jede Unterrichtsstunde. »Ein reiner Kiefernwald gedeiht nicht« Reinhard Westhues sieht in der Verschiedenheit im Klassenzimmer allerdings auch eine Stärke. Ein reiner Kiefernwald würde schließlich auf Dauer auch nicht gut gedeihen. So war es konsequent, dass er sich für die Fortbildung »Diversity in U.S. Education« beworben hat, die von der Fulbright-Kommission organisiert wird. Das Internationale hat ihn schon immer beeinflusst. Zur Reiselust kam der Wunsch nach Anerkennung in einem aufreibenden Beruf hinzu: »Als Lehrer klopft einem nicht jeder auf die Schulter. Da tut es gut, mal unter den Auserwählten zu sein«, so Reinhard Westhues. Der Erfolg seiner Bewerbung für die Diversity-Fortbildung und die Eindrücke von der Reise in die USA waren das »absolute Highlight« seiner bisherigen Laufbahn als Lehrer. San Antonio liegt im Süden des Bundesstaates Texas, rund 250 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt. Die Stadt zeichnet sich eine lange lateinamerikanische Tradition aus und ist durch und durch multikulturell: Ivy Ruth Taylor ist derzeit die erste afroamerikanische Bürgermeistern von San Antonio. »Der typische Texaner ist nicht weiß, männlich, trägt eine Waffe und einen Cowboyhut – sondern ist hispanischen Ursprungs«, hat Reinhard Westhues in einer Vorlesung an der Trinity University in San Antonio erfahren. Die hispanisch geprägte Bevölkerung, die heute in San Antonio zu beobachten sei, werde in 40 Jahren die Bevölkerungsstruktur weiter Teil Amerikas widerspiegeln. Zur Person Reinhard Westhues (Mitte) ist diplomierter Forstingenieur. Seit 2007 unterrichtet er an der Johanes-Kern-Schule in Schwabach (Bayern). Gleiche Hoffnungen, Ziele und Herausforderungen Neben den Vorlesungen an der Hochschule gehörten Besuche verschiedener Schulen zum zweiwöchigen Studienprogramm. Ob Grundschule oder weiterführende Schule, ob privat geführt oder staatlich finanziert – ins Auge gefallen sind Reinhard Westhues dort stets die modernen Sportanlagen, die digitale Ausstattung und die professionell geführten Bibliotheken. All das schafft gute Voraussetzungen für Schule und Unterricht, in der die soziale Herkunft nicht über den Bildungserfolg entscheidet. An der Lee High School etwa kommen über 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Verhältnissen. Dennoch behandeln die Lehrkräfte »alle Kinder wie rohe Diamanten«, hält Reinhard Westhues seinen Eindruck fest. Die Kolleginnen und Kollegen, die er in San Antonio kennengelernt hat, teilten nicht nur die gleichen Hoffnungen und die gleichen Ziele. Sie seien mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert und arbeiteten ebenso hart wie hierzulande – das zu wissen, stimmt den ehemaligen Förster zuversichtlich. Ähnlich wie in den USA ist auch in Deutschland die kulturelle Vielfalt in vielen Klassenzimmern längst angekommen. Über »Diversity in U.S. Education Die zweiwöchige Fortbildung »Diversity in U.S. Education« wird von der Fulbright-Kommission finanziert. Sie richtet sich an Lehrkräfte der Sekundarstufe I und/oder II, die an Schulen mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund unterrichten. Bewerber/-innen müssen seit mindestens drei Jahren im Schuldienst tätig sein und über gute Englischkenntnisse verfügen. Besonders angesprochen sind Lehrkräfte mit eigenem Migrationshintergrund. Das Programm umfasst Vorträge und Diskussionen sowie Hospitationen im Unterricht. Wie eindrucksvoll auch die Methode des »Think- Pair-Share« im Mathematikunterricht bei 13- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern funktioniert, konnte Reinhard Westhues an der Jackson Middle School in Texas beobachtet. Bei dieser Lehrmethode lösen Schüler zuerst alleine Aufgaben in einer bestimmten Zeit, um danach die Ergebnisse mit einem Partner zu vergleichen und anschließend die unterschiedlichen Lösungen in der ganzen Klasse zu besprechen. Das Beispiel aus San Antonio hat Reinhard Westhues ermutigt, in seinem Mathematikunterricht öfter als bislang das »Seating Arrangement«, also die Sitzordnung, zu ändern. Das bedeutet, schwächere mit starken Schülerinnen und Schülern an einen Tisch zu bringen. Das klappt sogar, wenn er Tandems zusammenstellt, die sich aneinander reiben könnten, etwa Albaner und Serben. »So wie die Fußballnationalmannschaft sind auch die Klassenzimmer in deutschen Schulen ein Spiegelbild der Gesellschaft und des Zeitgeistes: Vielfalt in Reinkultur«, so Reinhard Westhues. Und er ist mittendrin. — Der Autor ist Bildungsfachjournalist in Bonn. 18

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