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Austausch bildet Juni 2017

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Die Zeitschrift "Austausch bildet" erscheint zwei Mal jährlich (Mai und November) und berichtet über den europäischen und internationalen Austausch im Schulbereich. Schwerpunkte vertiefen einzelne Programme oder Themen. Der Bezug der Zeitschrift ist kostenlos.

21 erasmus+ schulbildung

21 erasmus+ schulbildung Halbzeit Was läuft gut bei Erasmus+ und wo sind dringend Änderungen notwendig? Welchen Verbesserungsbedarf gibt es insbesondere im Schulbereich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Zwischenevaluation der Mitgliedstaaten zur Halbzeit des Programms. austausch bildet Einfacher und nutzerfreundlicher Der Programmleitfaden der EU-Kommission mit mehr als 300 Seiten ist nicht nutzerfreundlich und stellt insbesondere für Erstantragsteller eine große Hürde dar. Die Informationen sind zudem schlecht aufbereitet und unübersichtlich dargestellt. Daher haben wir darauf verwiesen, dass das Ziel einer einfacheren, benutzerfreundlicheren und flexibleren Umsetzung bislang noch nicht erreicht wurde. Nach wie vor sind mangelnde Klarheit, ein uneinheitlicher Detaillierungsgrad und eine allgemeine Benutzerunfreundlichkeit des Leitfadens festzustellen, sowie viel zu komplizierte Antragsformulare. Neben Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung prangerte der Bericht an, dass grundsätzlich ungleiche Mobilitätschancen bestehen. Wir müssen immer im Blick behalten, dass die Lage der Jugend in vielen Mitgliedsstaaten nicht ganz so rosig ist, wie in Deutschland. Weiterhin wirkt sich die Krise in Europa stark auf die Lebenschancen junger Europäerinnen und Europäer aus. Und das, obwohl diese Generation besser ausgebildet ist als irgendeine zuvor. Der Anteil früher Schulabgänger ist europaweit rückläufig und auch die Zahl der Hochschulabsolventen ist auf einem historischen Höchststand – jedoch gibt es immer noch erhebliche nationale Unterschiede. Viele junge Menschen in Süd- und Osteuropa haben Schwierigkeiten, trotz hochwertiger Ausbildung entsprechende Arbeitsplätze zu finden, und bei denjenigen, die von Anfang an weniger Chancen haben, wie junge Menschen mit Migrationshintergrund, mit niedrigem Bildungsniveau oder gesundheitlichen Problemen, akkumulieren sich die Nachteile. Die scharfen Gegensätze gefährden das soziale Gefüge in Europa und unterminieren das Vertrauen in Gesellschaft und Politik. Doch auch in Deutschland bleibt sozial faire Mobilität bisher Zukunftsmusik. Noch sind viele Mobilitätsprojekte nicht vollumfänglich aus den europäischen Töpfen bezahlbar und selbst wenn die Förderung teilweise recht üppig ausfällt: Jeder, der schon einmal seinen Lebensmittelpunkt zeitweise ins Ausland verlegt hat, weiß, dass dies mit unerwarteten Unkosten verbunden ist. Diese Kosten sind auch in Deutschland bei weitem nicht für jede und jeden zu stemmen, insbesondere nicht für Jugendliche beziehungsweise Schülerinnen und Schüler, die aus ökonomisch und sozial schwierigen Verhältnissen kommen. Mobilität darf kein Privileg von wenigen bleiben. Die Teilnahme sollte weder durch die sozioökonomische Lage eingeschränkt werden noch durch schlechtere Leistungen in Schule und Ausbildung. Wir dürfen die europäischen Mobilitätsprogramme daher nicht als Einbahnstraße für hoch qualifizierte Menschen aus ökonomisch gut situierten Verhältnissen sehen, sondern müssen an fairen Zugangsmöglichkeiten für alle arbeiten. Es gibt deshalb noch viel zu tun, damit Erasmus+ diesen Anforderungen gerecht werden kann. Die Einrichtung eines Mobilitätsprogramms ist keineswegs ein einmaliger Kraftakt, sondern ein stetiger Prozess, in dem immer wieder nachjustiert und ausgebaut werden muss. Dabei geht es nicht nur darum, bestehende Defizite abzubauen, sondern auch neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Dabei muss immer klar sein: Ein Mobilitätsprogramm kann zwar einen wichtigen Beitrag leisten, aber nicht alle Probleme in Europa lösen. Dennoch ist es mein Ziel, dass zukünftig jeder Jugendliche bis zu seinem 25. Lebensjahr einmal die Möglichkeit gehabt haben muss, vom Erasmus+-Programm zu profitieren – sei es während der Schulzeit, im Studium oder in der Ausbildung, im Freiwilligendienst oder im Bereich des Jugendaustauschs eines Jugendverbandes. Dafür brauchen wir einen deutlichen finanziellen Ausbau des Programms in Form einer Verdoppelung der Mittel in der nächsten Programmperiode – das wäre eine echte Investition in die Jugend und damit in die Zukunft Europas. zusammengefasst von thomas spielkamp, pad D ie Verordnung des Europäischen Parlaments und Rates für Erasmus+ sieht vor, dass alle Mitgliedstaaten der EU-Kommission bis zum 30. Juni 2017 einen Zwischenbericht über die Durchführung des Programms vorlegen müssen. Die nationalen Berichte der 33 Programmländer ergänzen eine im Auftrag der EU-Kommission durchgeführte externe Zwischenevaluierung. In Deutschland stimmen sich wegen der unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Bildungssektoren die zuständigen Bundesministerien und die Kultusministerkonferenz über den einzureichenden Gesamtbericht ab. Für den Schulbereich steht im Rahmen dieser Zwischenevaluierung fest: Aufgrund der mit Programmbeginn stark eingebrochenen Anzahl beteiligter Einrichtungen kann die Verwirklichung der Programmziele nur punktuell festgestellt werden. Trotz einer Reihe von sehr guten Projekten kann Erasmus+ im Schulbereich aufgrund der geringen Anzahl geförderter Einrichtungen keine systemische Wirkung erreichen. Aufwendige Verwaltungsverfahren Mit Erasmus+ wurden für den Schulbereich zahlreiche Neuerungen eingeführt, die vor allem im Bereich der Leitaktion 2, den Strategischen Partnerschaften, die Situation für antragstellende Einrichtungen verschlechtert haben. Bei Mobilitätsprojekten der Leitaktion 1 sind die Änderungen wie die Einführung eines institutionellen Ansatzes, die Einführung von Stückkostensätzen und die Möglichkeit der Konsortialantragstellung hingegen zu begrüßen. Die seit 2014 geltenden Antrags-, Förder- und Berichtsverfahren lassen jedoch deutlich erkennen, dass der Schwerpunkt von Erasmus+ im Hochschulbereich liegt. Dies führt dazu, dass Einrichtungen aus dem Vorschul- und Schulbereich dieselben Verwaltungsverfahren durchlaufen müssen wie Universitäten. Um die Wirkung von Erasmus+ im Schulbereich in Deutschland zu verbessern, sind hier deutliche Korrekturen im Nachfolgeprogramm angezeigt. Notwendig ist auch, dass das Programmbudget ausgeweitet wird – nicht nur in Hinblick auf das Gesamtbudget. Gerade im Schulbereich sollte der Mittelansatz deutlich erhöht werden, damit die wichtigen Aufgaben im Prozess der europäischen Integration auf der Basis gemeinsamer Werte, mit denen sich die heranwachsenden Generationen maßgeblich im Schulbereich auseinandersetzen und die in fragilen politischen Zeiten nötiger sind denn je, durch die Förderung einer kritischen Masse von Einrichtungen im Schulbereich umgesetzt werden können. Eine Steigerung der Mittel muss deshalb damit einhergehen, die Antrags-, Abrechnungs-, Berichtsund Prüfpflichten für die beteiligten Einrichtungen zu vereinfachen. Nur wenn die Gesamtattraktivität von Erasmus+ im Schulbereich gesteigert werden kann, werden sich kleine und bisher in der europäischen Bildungskooperation unerfahrene Einrichtungen als neue Antragsteller an dem Programm beteiligen. Die EU-Kommission hat bereits erkannt, dass für den Schulbereich Verbesserungen noch in der laufenden Programmgeneration erfolgen müssen. Es bestehen somit gute Chancen, dass die Anregungen aus dem deutschen Zwischenbericht in Brüssel auch Gehör finden. 20

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