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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Schwerpunkt

Schwerpunkt »Epochenwechsel in Europa« 11 austausch bildet erasmus+ schulbildung Mauern mit Gänsehaut-Effekt Das Berliner Thomas-Mann-Gymnasium erkundet mit seinen Partnerschulen in Frankreich, Spanien und Ungarn, welche Erinnerungen und Visionen sich mit historischen Objekten verbinden können. von janna degener-storr E ine riesige mit Stacheldraht gesicherte Mauer ist an die Wand im Foyer des Schulgebäudes gemalt geschmückt mit unzähligen Puzzleteilen im A2-Format. Sie zeigen Berliner Pfannkuchen, französische Macarons, die deutsche Nationalmannschaft und weitere Menschen und Gegenstände, die für Europas kulturelle Vielfalt stehen. Auf der Rückseite befinden sich QR-Codes, die zu Audiodateien, Videos, Websites und Blogs mit weiteren Informationen führen. Schülerinnen und Schüler aus Ungarn, Spanien, Frankreich und Deutschland haben die Puzzleteile vorbereitet, die jetzt zu einem Weg des europäischen Kulturerbes zusammengefügt werden. Diese Szene, die sich im Dezember 2019 im Thomas-Mann-Gymnasium abspielte, bringt die Symbolik des Erasmus+ Schulprojekts »We Always« auf den Punkt: Walls, Ways and We stehen hier im Zentrum, also Mauern, Wege und Wir. »Wir möchten die Mauern überwinden, die die Länder voneinander abgrenzen«, erläutert die Zehntklässlerin Tansila die dahinterstehende Idee. »So können wir mehr miteinander kommunizieren und ein besseres Miteinander schaffen.« Vier Partnerschulen sind an dem europäischen Projekt beteiligt. Jede von ihnen legt den Fokus auf ein Objekt in der Heimat, das europäisches Kulturerbe ist oder sein könnte. Das Kulturerbe der spanischen Region Alicante wird ebenso in den Blick genommen wie der Hafen von Marseille. Die ungarischen Schülerinnen und Schüler widmen sich vor allem den Hinterlassenschaften der kommunistischen Epoche. Und die deutsche Schule beschäftigt sich mit einem Stück der Berliner Mauer, das 2018 in Schönholz ganz in der Nähe des Gymnasiums entdeckt wurde. »Uns interessiert, was die Berliner Mauer als Zeichen der Teilung für die Menschen bedeutet hat. Gleichzeitig Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler setzen wir diesem Zeichen etwas entgegen, indem wir uns mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern treffen, gemeinsam an einem Projekt arbeiten und unsere Ideen in ganz Europa verbreiten«, erläutert Laura, die ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist. Interviews mit Zeitzeugen Wo haben die Berlinerinnen und Berliner den Mauerbau oder Mauerfall erlebt? Wie fühlt es sich an, von Verwandten getrennt zu werden oder eine Flucht zu erleben? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, haben die deutschen Jugendlichen für einen You- Tube-Kanal des Projekts Interviews mit Zeitzeugen geführt und dabei unterschiedliche Sichtweisen kennengelernt. »Manche der Zeitzeugen haben mit der Geschichte abgeschlossen und tragen sie als Erinnerung mit sich. Anderen fällt es schwer, über das Thema zu sprechen. Für uns ist wichtig, dass die Erfahrungen nicht in Vergessenheit geraten, damit wir davon lernen können«, sagt Tansila. Laura sieht es ähnlich: »Einige Zeitzeugen schildern sehr emotional, wie berührend es für sie war, als endlich keine Grenze mehr da war und sie ihre Freiheit wiederhatten. Obwohl die Zeitzeugen unterschiedliche Meinungen vertraten, sind wir uns alle einig, dass so eine Mauer nicht noch einmal existieren soll.« Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums möchten nun rund um das Mauerstück in Schönholz einen Ort schaffen, der auch anderen Menschen diesen Teil der Geschichte begreifbar macht. Die Mauer in ihrem Schulgebäude soll als lebensgroßes Modell dafür dienen. Das Konzept für ein solches Erinnerungsdenkmal haben sie in einem Design- Thinking-Workshop ausgearbeitet. In der Brainstorming-Phase waren sich die Jugendlichen schnell einig geworden, dass der Ort barrierefrei und nachhaltig gestaltet sein sollte, erinnert sich Laura: »Damit es so etwas wie die Berliner Mauer nie wieder geben wird, möchten wir jeden Menschen erreichen. Deshalb haben wir bei unseren Entwürfen die Bedürfnisse verschiedener Personen mitgedacht Menschen, die sehbehindert sind oder im Rollstuhl sitzen, Eltern, die mit Kinderwagen unterwegs sind, Schüler, die etwas richtig Cooles erleben möchten, und Lehrer, denen es um die Vermittlung von historischem Wissen geht.« Das Modell sieht deshalb beispielsweise einen markierten Weg vor, der an den Überresten der Mauer entlangführt. Daneben sind verschiedene Informationstafeln aufgestellt. Hier finden die Besucherinnen und Besucher nicht nur Texte und Bilder, sondern auch QR- Codes zum Einscannen, die zu Onlinematerialien führen unter anderem zu den Zeitzeugeninterviews und zu einem Vlog, in dem Laura und Tansila die Alltagserfahrungen eines West- und eines Ostberliner Mädchens zur Zeit der Teilung nachspielen. Die Gedanken wurden erst auf dem Papier festgehalten, dann in verschiedenen Prototypen mit Lego-Steinen, Knete, Holzfiguren und Stecknadeln in 3D dargestellt und schließlich mithilfe von Augmented-Reality-Technologien zum Leben erweckt. »Das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut hat uns kostenlos einen Workshop in einer Gaming-Software gegeben, woraufhin zwei Schüler eine eigene Simulation unseres Mauer-Konzepts erstellten«, schwärmt die koordinierende Lehrerin Maike Deimel. Besuch aus dem Kanzleramt Und dann kam im April 2019 der EU-Projekttag an Schulen, der Abgeordneten und Ministern in ganz Deutschland die Möglichkeit gab, mit Schülerinnen und Schülern über Gegenwart und Zukunft Europas zu diskutieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte den Tag, um sich am Thomas-Mann-Gymnasium ein Bild von dem Erasmus+ Projekt zu verschaffen. Schon die Vorbereitung des Besuchs war aufregend. Der Auftritt und die Präsentation wurden mehrfach geprobt und die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, mithilfe von Videoaufnahmen und professioneller Unterstützung durch einen Coach an ihrem Auftreten zu feilen. »Das war eine ungewohnte Präsentationssituation für uns. Im Unterricht steht > 10

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