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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Schwerpunkt

Schwerpunkt »Epochenwechsel in Europa« 19 freiwilligendienst »kulturweit« Am östlichen Tellerrand als »kulturweit«-Freiwilliger leben sollte, viel näher an seiner Heimatstadt Tuttlingen lag, als beispielsweise Berlin. Anfangs sei er nicht wirklich überzeugt gewesen von seinem Einsatzland, erinnert sich der 18-Jährige. »Aber das änderte sich mit jedem Klick im Internet, um mehr über Slowenien zu erfahren.« Für Ulrich Meier aus Niedersachsen war dagegen schon von Beginn an klar, wohin es gehen sollte: ein Jahr nach Rumänien. Mit einer Umweltorganisation hatte er bereits als Jugendlicher zwei Wochen in Siebenbürgen verbracht und war im darauffolgenden Jahr erneut zurückgekehrt, diesmal mit seinen Eltern für einen Urlaub. Umso mehr freute er sich, als er ab September 2019 für zwölf Monate mit »kulturweit« nach Braşov gehen konnte. »Ich kann gar nicht genau sagen, warum. Aber es hatte mir einfach super dort gefallen. Mein Rumänisch war anfangs zwar ziemlich bruchstückhaft, aber mittlerweile kann ich mich auf der Straße, dem Markt oder beim Friseur ganz gut verständigen.« Sprachkurs zur Verständigung Auch Jan-Daniel hat den Sprachkurs, den alle Freiwilligen zu Beginn ihres Auslandsaufenthaltes absolvieren müssen, genutzt. Da er selbst zweisprachig mit Deutsch und Spanisch aufgewachsen ist, stellte das rollende »R« im Slowenischen kein großes Hindernis für ihn dar. »Diese Sprache fasziniert mich. Es gibt ziemlich viele Fälle und verrückte Wörter, die fast nur aus Konsonanten bestehen.« Am Gymnasium > Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Braşov Seitenwechsel austausch bildet von maria birkmeir, pad » D ie Deutschen Mittel- und Osteuropa abseits von organisiertem Tourismus entdecken? Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs wurden viele Staaten nur als weiße Flecken auf der Landkarte wahrgenommen. Dank dem Freiwilligendienst »kulturweit« können junge Menschen diesen Teil Europas heute aus anderer Perspektive kennenlernen. Ulrich und Jan-Daniel nutzen die Chance. Komfortzone endet am Tellerrand« lautet seit zehn Jahren das Motto des Freiwilligendienstes »kulturweit« der UNESCO-Kommission, der jungen Erwachsenen ein ganzes oder halbes Jahr an einer Schule im Ausland ermöglicht. Aber wo endet der Tellerrand? Und wie weit muss jemand reisen, um an die eigenen Grenzen zu stoßen? Als Jan-Daniel nach dem Auswahlgespräch beim PAD seinen Stellenvorschlag bekam, war er überrascht: Slowenien damit hatte er nicht gerechnet. »Ich hatte mich eigentlich für Asien beworben, über Slowenien wusste ich so gut wie nichts«, erinnert er sich. »Es gab auch niemanden, der mir sagte: Ach toll, da war ich schon mal.« Erst beim Blick auf die Landkarte wurde Jan-Daniel bewusst, dass die slowenische Stadt Novo Mesto, in der er für sechs Monate Foto: Shutterstock/MaraZe jan-daniel Freiwilliger mit »kulturweit« in Slowenien » » Eine Lehrerin hat mir erzählt, wie rasant sich Slowenien nach dem Zerfall Jugoslawiens verändert hat, zumal es auch vorher schon als die ›Schweiz Jugoslawiens‹ galt. So vielfältig Slowenien ist, vor allem durch seine Dialekte und die Flora und Fauna, so klar und einheitlich ist es auch. In Slowenien gibt es nur ein Schulsystem und eine große Stadt, Ljubljana. Oft hat man das Gefühl, als kennen sich alle Slowenen untereinander, was bei nur zwei Millionen Einwohnern nicht ganz abwegig ist. Das bewirkt, dass man sich wie ein Teil eines großen Ganzen fühlt, dass man Teil einer geschlossenen, in sich aber diversen Einheit ist. Dieses Gefühl fehlt mir teilweise in dem Land, das jedes Jahr am 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit feiert. ulrich Freiwilliger mit »kulturweit« in Rumänien ›La multi ani, România!‹, wortwörtlich ›Auf viele Jahre, Rumänien!‹ Diesen Glückwunsch habe ich am 1. Dezember häufig gelesen und gehört, denn es wurde nicht nur der Weihnachtsmarkt eröffnet, sondern in ganz Rumänien auch der Nationalfeiertag gefeiert. Neben den üblichen Flaggen an öffentlichen Gebäuden gab es auch welche an allen Hauptverkehrsstraßen der Stadt, an manchen Privathäusern und natürlich an den Bürgern selbst, die alle möglichen blau-gelb-roten Accessoires trugen. Am Abend konnte ich eher aus Zufall noch einen Fackelzug von Militär, Polizei und Feuerwehr sehen, der in einem pompösen Feuerwerk endete. Insgesamt ein erinnerungswürdiger Tag, der mir einmal mehr vor Augen geführt hat, wie sehr Nationalstolz und damit auch die Bedeutung nationaler Feiertage von Land zu Land variieren können. 18

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