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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Forum Forum 23 austausch

Forum Forum 23 austausch bildet Demokratie bilden Austauschprojekte, die Menschen ins Gespräch bringen und Begegnungen ermöglichen, entfalten auch demokratiebildende Wirkungen. Dem PAD ist daran gelegen, Schulen bei dieser Aufgabe und Zielsetzung zu unterstützen. Von gernot stiwitz, leiter des pad D ie deutsche Wiedervereinigung jährt sich am 3. Oktober dieses Jahres zum 30. Mal. Damals ist die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland beigetreten. Ein Jahr später wurde die UdSSR aufgelöst. Wer in diesen Jahren alt genug war, die Vorgänge zu erfassen, war sich bewusst, Zeuge einer historischen Zeit zu sein. Nach meiner subjektiven Erinnerung waren die Entwicklungen dieser Jahre zwar auch von politischen Kontroversen in der Öffentlichkeit wie im privaten Umfeld geprägt, aber nach meiner Wahrnehmung war die Atmosphäre vor allem durch Optimismus und Freude gekennzeichnet. Ich erinnere mich, dass selbst Leute wie ich, für die die Existenz zweier deutscher Staaten eine unverrückbare Realität war und für die deren Überwindung kein politisches Ziel darstellte, davon erfasst wurden. Irgendwann im Verlauf des Sommers 1990 mit Freunden auf dem Weg zu einem Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle haben wir noch jeden Trabi, der uns begegnete, euphorisch angehupt und uns über die Begegnung gefreut. Für die friedliche Revolution hätten wir jeden Menschen, der aus der DDR kam, gerne persönlich beglückwünscht. Für uns im Westen lebende Deutsche hatte die Demokratie, in der wir seit 1949 das Privileg hatten zu leben, »gesiegt«, die Deutschen im Osten mussten für die Demokratie auf die Straße gehen und haben sie für sich errungen. Die Demokratie war »oben auf«. Das Gefühl des Sieges der Demokratie als Staatsform war über Gesellschaft und Politik bis in die Wissenschaft vorgedrungen. So hat der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992 den Begriff vom »Ende der Geschichte« geprägt. Er vertrat, verkürzt dargestellt, die These, dass sich mit dem Ende der UdSSR die liberale Demokratie durchgesetzt habe und letztlich überall und endgültig durchsetzen werde. Heute, rund 30 Jahre später, wissen wir, dass dem mitnichten so ist. Die Demokratie steht politisch wie gesellschaftlich unter Druck. Selbst im Westen, dem selbst ernannten Hort der Demokratie, ist ein klares Bekenntnis zur Demokratie nicht überall erkennbar. Einzelne Staaten, einige Politikerinnen und Politiker und deren Parteien wie Teile der Gesellschaft stellen die Demokratie als Staats- und als Lebensform infrage. Wie konnte es in so kurzer Zeit so weit kommen? Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit Diese Frage eindimensional oder einseitig beantworten zu wollen, wäre vermessen oder schlicht falsch. Dafür ist das Thema bei Weitem zu komplex und zu sensibel. Neben gesellschaftspolitischen, ökologologischen, ökonomischen und digitalen Entwicklungen erscheint mir ein wesentlicher Punkt der zu sein, dass es der Demokratie respektive dem Bekenntnis zur Demokratie abträglich war und ist, sie als gegeben oder selbstverständlich zu erachten. Gleiches gilt für die Freiheit oder den Frieden. Ich finde es zunächst einmal normal, dass junge Menschen, die heute in Deutschland heranwachsen, Demokratie, Frieden und Freiheit nachgerade als naturgegeben oder als selbstverständlich betrachten. Das ist nicht negativ, es ist vielmehr ein Beleg dafür, dass die sogenannte und segensreiche Völkerverständigung der letzten Jahrzehnte zumindest in weiten Teilen Europas erfolgreich war. Zudem kann man nicht erwarten, dass junge Menschen der Gegenwart den gleichen europäischen oder internationalen Impetus aufbringen, den die Nachkriegsgeneration aus leidvoller Erfahrung in sich trug. Allerdings birgt diese Selbstverständlichkeit Gefahren, weil diese Errungenschaften erhalten oder gar verteidigt werden müssen. Ich bin überzeugt, dass heutige Jugendliche und letztlich die gesamte Gesellschaft hier Unterstützung brauchen. Schulischer Austausch kann nach meiner Überzeugung unterstützend wirken und ein geeignetes Instrument für Demokratiebildung sein. Der PAD, aber auch Schule insgesamt, können jungen Menschen im Sinne der internationalen Verständigung Austauscherfahrungen ermöglichen, indem wir viele junge Leute für Schulpartnerschaften, Schülerbegegnungen oder internationale Projekte begeistern und damit für die Notwendigkeit internationaler Verständigung gewinnen. Anders als in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg, als sich Menschen über Partnerschaften und Partnerschaftsprogramme überhaupt erst einmal (friedlich) begegneten, sich kennenlernten und Freundschaften schlossen, brauchen wir heute neue Formate der Begegnung. Solche Formate sollten niedrigschwellig und projektorientiert sein. Im besten Fall sind die Jugendlichen an den Austauschprojekten, an der Themenfindung, Konzeptionierung und Umsetzung aktiv beteiligt. Wichtig erscheint mir zuvorderst, dass Austauschprojekte Menschen ins Gespräch bringen und echte Begegnungen stattfinden. Nur so kann Austausch demokratiebildende Wirkungen entfalten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Menschen, die gute Austauscherfahrungen gemacht haben, dem Thema »Internationales« erhalten bleiben und Freiheit, Frieden und Demokratie als wichtig und dringend erhaltenswert erachten. Deshalb ist uns sehr daran gelegen, Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen und in Schulen und darüber hinaus für die Relevanz des internationalen Austauschs zu werben. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler aller Schulformen und aller Gesellschaftsschichten Möglichkeiten zu einem europäischen und internationalen Austausch erhalten. Daran können Kinder und Jugendliche durch das Gefühl der Selbstwirksamkeit wachsen. Wir müssen gerade den Schülerinnen und Schülern, die im Bereich des Austauschs weniger zum Zuge kommen, eine internationale Perspektive eröffnen, sie damit in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen neue Chancen zur Teilhabe geben. Es ist für alle jungen Menschen von großer Bedeutung, das Andere oder den/die Andere(n) kennenzulernen, zu erfahren, dass Anderssein normal ist, Vorurteile abzubauen und den Horizont zu weiten. Wir sind davon überzeugt, dass Austausch Haltungen verändern kann. Austausch wirkt aus sich heraus Wir arbeiten im Austausch nach den Grundprinzipien des »Beutelsbacher Konsenses« mit seinen drei zentralen didaktischen Leitgedanken Überwältigungsverbot, Kontroversität und Schülerorientierung und wollen Austausch nicht dazu nutzen, Kinder und Jugendliche in eine bestimmte Richtung zu drängen oder Haltungen zu erwirken. Wir sind überzeugt, dass Austausch, der als Bildungsmobilität durchgeführt wird, aus sich heraus wirkt. Sie sollen im Sinne Humboldts 1 die Welt anschauen und feststellen, dass sie nicht mit einfachen Wahrheiten zu beschreiben ist oder dass einfache Zuschreibungen, was andere Länder und andere Menschen angeht, immer falsch sind. Austausch wirkt, indem er junge Leute zu kritisch-konstruktiver Sichtweise auf das Andere und den oder die Anderen befähigt. Insofern profitieren nicht nur die Kinder und Jugendlichen von Austausch. Austausch kann auch auf die Gesellschaft einwirken, weil er auf diese Art und Weise der Gesellschaft neugierige, interessierte, begeisterungsfähige, kritische und demokratische Bürgerinnen und Bürger beschert. Wenn schulischer Austausch diese Wirkung haben kann, dann muss er sozial inklusiv gestaltet > 1 Alexander von Humboldt wird der Satz, »Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben«, zugeschrieben. 22

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