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Demokratie mit eTwinning lernen und praktizieren

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Im eTwinning-Buch zum Jahresschwerpunkt "Demokratiebildung" wird eine Auswahl ausgezeichneter eTwinning-Projekte und -Aktivitäten vorgestellt, die politische Teilhabe, Menschenrechte, kritisches Denken und die Entwicklung einer demokratischen Kultur im Unterricht und an der Schule fördern. Die Beispiele bieten vielfältige Anregungen für den Unterricht. Das Buch kann im PAD-Webshop kostenlos bestellt werden: https://www.kmk-pad.org/service/publikationen/etwinning.html

Fazit Das diesjährige

Fazit Das diesjährige eTwinning-Thema – demokratische Partizipation – wurde zur richtigen Zeit gewählt. Demokratische Prozesse waren zwar nie nur auf formelle Wahlen beschränkt. Die Meinung der Menschen – die sogenannte öffentliche Meinung – wird jedoch zunehmend auf neuartige und unvorhersehbare Weise geprägt, vertreten und manchmal auch missbraucht. Die politische Partizipation hat sich insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch von traditionellen Parteien und Organisationen hin zu losen Bewegungen verlagert, die manchmal von sozialen Medien manipuliert werden, wodurch unsere Gesellschaft fließend wird – um einen Begriff von Zygmunt Bauman für die Art und Weise, wie ein Konsens erzielt wird, zu verwenden. Santi Scimeca Project Manager, zentrale eTwinning-Koordinierungsstelle Welche Rolle spielen dabei die jüngeren Generationen? Wie können das Bildungswesen, unsere Schulen und unsere Lehrkräfte die Schüler befähigen, eine Rolle in unserer Gesellschaft zu spielen? Sind die Schulen in der Lage, die legitimen Erwartungen der Schüler zu erfüllen? Interessanterweise hat die renommierte Aktivistin für den Klimaschutz, die junge schwedische Schülerin Greta Thunberg, ihren Kampf mit einem „Schulstreik“ begonnen, wahrscheinlich weil sie glaubte, dass sie ihrer Stimme eher Gehör verschaffen könnte, indem sie nicht zur Schule geht, anstatt sich vor das Parlament ihres Landes mit einem großen Schild „skolstrejk för klimatet“ zu stellen. Tausende von Schülern folgten ihrem Beispiel, gingen ebenfalls nicht zur Schule und trugen dazu bei, dass dieses Thema auf die politische Agenda gesetzt wurde. Aber hat das Bildungswesen in diesem Prozess eine Rolle gespielt? Wurde das Engagement von Greta durch eine Diskussion mit ihren Lehrkräften, durch eine Unterrichtsstunde, an der sie teilnahm, oder durch ein Projekt ausgelöst, an dem sie beteiligt war? Schuf das Bildungssystem die Voraussetzungen für die Tausenden von Gretas, die demonstrieren und Maßnahmen gegen die Klimakrise fordern? Wir haben keine Antwort darauf, aber wir hoffen, dass das Schulsystem den Grundstein dafür gelegt hat, dass diese junge Generation die Ärmel hochkrempelt und etwas unternimmt. Diese proaktive Einstellung entspricht dem, was als demokratische Partizipation bezeichnet wird Wie wir in dieser Veröffentlichung gesehen haben, gibt es ein neues Bestreben der Europäischen Union und der Bildungsbehörden in den Mitgliedstaaten sowie anderer Institutionen wie des Europarates, die politische Bildung nachdrücklich zu unterstützen. Dies wurde in Übereinkommen, die von Hunderten von Staaten ratifiziert wurden, sowie im Rahmen von Initiativen auf lokaler und nationaler Ebene festgehalten. Die Schulen tragen hier an vorderster Front dazu bei, dass die jungen Generationen „Demokratie lernen und praktizieren“. Dazu gehört die Wissensbildung sowie die Förderung der Fähigkeiten und Einstellungen, die der politischen Teilhabe zugrunde liegen, insbesondere der Achtung der 54 Wenn nicht an Schulen, wo dann? Demokratie mit eTwinning lernen und praktizieren

demokratischen Werte und der Grundrechte. Das beinhaltet auch „Learning by Doing“. Jeder in der Schule hat hier eine Funktion: Die Schulleitung sollte eine gemeinsame Führungskultur ermöglichen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Korsett traditioneller Unterrichtsmethoden und -fächer gesprengt wird. Die Lehrkräfte sind aufgerufen, sich beruflich weiterzuentwickeln und den Lehrplan mit den gesellschaftlichen Trends zu verknüpften. Die Schüler sollten als Akteure des Wandels handeln – und als solche anerkannt werden. Auch das lokale Umfeld spielt eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung dieses Prozesses: Schulen, Eltern, Verbände und Kommunen sind alle Teil desselben Ökosystems, das unter Berücksichtigung der Beiträge aller Beteiligten gepflegt und ausgebaut werden muss. Gemeinsam müssen wir ein umfassenderes, demokratischeres und authentischeres Bildungssystem realisieren, das sich mit den wirklich wichtigen Themen befasst (u. a. Klimakrise, Toleranz, Respekt, Multikulturalität) und die jungen Bürger auf morgen vorbereitet. Dieses Buch zeigt, dass es Schulen, Lehrkräfte und Projekte gibt, die den Boden für junge Menschen bereiten, damit diese Denker und engagierte Bürger werden, die bereit sind, die Komfortzone ihrer Schule zu verlassen. eTwinning sorgt dafür, dass diese Lehrkräfte die Hilfsmittel, den Kontext, die Inspiration und die Anerkennung bekommen, die sie brauchen. In dieser Publikation wurden nur einige der vielen erfolgreichen Aktivitäten vorgestellt, die die Einzelnen zu einer Gemeinschaft zusammenschweißen und damit die Voraussetzungen schaffen, damit junge Menschen sagen können: „Ja, ich bin wichtig.“ Schulen, Lehrkräfte und Projekte, die auf sich allein gestellt sind, laufen Gefahr, isoliert und steril zu bleiben, wenn sie keinen systemischen Einfluss haben. Hunderte eTwinning-Projekte haben die Macht einer demokratischen Bewegung, wenn sie dieselbe Zielrichtung verfolgen, Beispiele aus der Praxis teilen und sich ihre Erfolge zu Nutze machen. Wenn sie sich gegenseitig befruchten, in der Öffentlichkeit sichtbar werden und Anerkennung erfahren, können sie zum Mainstream werden. Dieses Buch ist allen Träumern gewidmet – und davon gibt es viele –, die in dieser Welt täglich etwas bewegen. 55

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