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Ein deutsch-niederländisches Projekt zur Qualität der Primarbildung

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Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule stellt für Kinder eine große Änderung in ihrer Bildungsbiografie dar. Umso wichtiger ist es, dass dieser Wechsel gelingt. Welchen Herausforderungen sich Grundschulen und Kindertagesstätten dabei in Zukunft stellen müssen und wie gute Bildung im Primarbereich aussehen kann, damit befassten sich die Teilnehmer/-innen des deutsch-niederländischen Projekts »Explore Quality Improvement in Primary Education« (EQUIPE)

4 | lassen.« Für den

4 | lassen.« Für den Ganztagsbereich, den es seit September 2013 in Angebotsform gibt, konnten zudem viele praktische Anregungen übernommen worden. So gibt es zum Beispiel in der Lernzeit den Lernzeitwürfel. Seine Farben signalisieren den Lehrkräften die Bedürfnisse eines Kindes: Liegt die rote Seite oben, benötigt es Hilfe. Zeigt der Würfel gelb, will es nicht gestört werden. Grün dagegen bedeutet: Ich bin mit meiner Arbeit fertig. Auf diese Weise läuft eine stille Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften. Eine Kollegin hat dieses Prinzip bereits in ihrer ersten Klasse für alle Kinder während des Unterrichts eingeführt. Die Hospitationen fanden im Rahmen des COMENIUS-Regio-Projekts »Explore Quality Improvement in Primary Education« (EQUIPE) statt. Koordiniert wurde es durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier in enger Kooperation mit dem Pädagogischen Landesinstitut. Als Partner in den Niederlanden konnte die Schulverwaltung in ‘s-Hertogenbosch gewonnen werden. Mit im Boot waren zudem mehrere Kindergärten und Grundschulen aus beiden Kommunen. Ziel des Projekts war es, anhand dreier Schwerpunkte, die zuvor vereinbart worden waren, die eigene Praxis zu reflektieren und so die Qualität der eigenen Arbeit zu steigern. Der Austausch über Konzepte, wie Eltern sich stärker in die schulische Arbeit einbinden lassen, war eines der Themen, mit dem sich die Lehrkräfte und Schulexpertinnen und -experten intensiv befassten. Zu den weiteren Schwerpunkten zählten der Um- »Wir haben festgestellt, dass wir in beiden Regionen ähnliche Problemstellungen haben und flexible Lösungen bieten müssen.« gang mit Heterogenität im Klassenzimmer und der Übergang vom Kindergarten in die Schule. Immer ging es dabei darum, nicht nur theoretische Überlegungen aus der Bildungsforschung aufzugreifen, sondern durch Hospitationen auch einen Einblick in die professionelle Praxis der Partner zu gewinnen. Ähnliche Probleme in den Regionen So war es auch bei einem der Treffen in ‘s-Hertogenbosch im Februar 2012. Dort wurde intensiv über die Unterschiede der beiden Bildungssysteme diskutiert, da Primarschulen in den Niederlanden Kinder bereits ab dem vierten Lebensjahr aufnehmen. Einen Erfahrungsaustausch gab es außerdem zu erfolgreichen Modellen der ganztägigen Betreuung. »Wir haben festgestellt, dass wir in beiden Regionen durch die zunehmende Berufstätigkeit beider Eltern ähnliche Problemstellungen haben und flexible Lösungen bieten müssen«, berichtet Schulrätin Julia Koch, die an der ADD das Projekt koordiniert hat. Sie betont zudem den Wert der informellen Gespräche, die bei den insgesamt vier Projekttreffen möglich waren. »Bemerkenswert war die Bereitschaft aller Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer, auch bei

| 5 Großes Interesse an EQUIPE: Zur Abschlusstagung im Mai 2013 unter dem Motto »Equipment for Education: Preparing Children for the 21st Century« kamen mehr als 90 Fachleute und Praktiker nach Trier. Foto: Sapho Beck, Beteiligungsagentur.de den abendlichen Treffen mit den Gästen anwesend zu sein. Dadurch wurde die vertrauensvolle Zusammenarbeit gestärkt und die Offenheit der fachlichen Diskussion gefördert.« Zwischen den Projekttreffen sorgte eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aller beteiligten Einrichtungen dafür, die gemeinsamen Planungen und Absprachen zu koordinieren. Sie kümmerte sich außerdem um die Evaluation des Projekts. Dem diente auch die Abschlusstagung im Mai 2013 in Trier unter dem Motto »Equipment for Education: Preparing Children for the 21st Century«. Die Zahl von mehr als 90 Teilnehmenden zeugte von dem großen Interesse an EQUIPE und seinen Ergebnissen. Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Projektpartner sowie aus zahlreichen regionalen Kindertagesstätten und Grundschulen nahmen unter anderem Vertreter/-innen aus dem Kreis der Schulaufsicht, der Lehrerausbildung und der externen Evaluation (Agentur für Qualitätssicherung) teil. Zur Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus trägt außerdem die gut strukturierte Website bei. Sie gibt einen Einblick in den Verlauf und macht die wesentlichen Dokumente zugänglich. So können einzelne Ergebnisse, etwa die Erkenntnisse über Peer-Learning, als Module in der Lehrerfortbildung eingesetzt werden. Auch Beobachtungsbögen für den Unterricht oder Konzepte für den Ganztagsschulunterricht und Elternarbeit sind dort erhältlich. In Trier konnte überdies der Kontakt der Schulbehörde zum Fachbereich Pädagogik der Universität intensiviert werden. Mit ihm soll künftig enger kooperiert werden. Nachhaltig ist EQUIPE auch für die Schulen selbst, die nach Abschluss des Projekts an seine Ergebnisse anknüpfen können: So will das Kollegium an der Schule in Trier-Euren künftig Zielvereinbarungen treffen, um die Konzepte »im Hinblick auf die veränderte Gesellschaft sowie die Förderung einer sehr heterogenen Klassengemeinschaft mit Augenmerk auf die Elternpartizipation« weiter zu entwickeln, wie Petra Schneider-Jung erläutert. Vor einer besonderen Herausforderung stehen auch Giselind Leinen-Voigt und ihre Kolleginnen in Trier-Tarforst: Hier wurde 2013/14 auf Ganztagsschule umgestellt. Dass die Erkenntnisse aus EQUIPE sich in die neue Schulsituation integrieren lassen, davon ist sie überzeugt. Mehr Infos zum Projekt unter www.project-equipe.eu

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