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Ein deutsch-polnisches Projekt zu Methoden aktiven Lernens in der frühkindlichen Bildung

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Bi-nationale Expertenteams entwickelten und implementierten innovative Methoden zur Projektarbeit mit Kindern in Kindergärten. Kinder sollten zu "aktiv Lernenden" werden und sich Fähigkeiten und Schlüsselkompetenzen aneignen, die für ihre Zukunft unentbehrlich sind. Die COMENIUS-Regio-Partnerschaft der Bildungsbehörden in Berlin und Poznań wurde zwischen 2013 und 2015 im Vorläuferprogramm von Erasmus+ von der Europäischen Union gefördert.

4 | Schon

4 | Schon der Weg zum Besuch eines Autohauses ist ein Abenteuer. Nummerierte Kitas Mit einem interkulturellen Workshop im Oktober 2013 in Berlin startete der Austausch. Vertreterinnen und Vertreter der Senatsverwaltung, des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung (BeKi) und von Kindertagesstätten erhielten zunächst Informationen über Polen. »Die gesellschaftlichen und politischen Systeme sind sehr unterschiedlich und deswegen sind auch die Kitas unterschiedlich«, erklärt Dorota Niewȩglowska, die am BeKi für YALE gearbeitet hat. Während in Poznań die Stadtverwaltung Trägerin der Kitas ist, werden in Berlin alle Einrichtungen von freien Trägern wie KiB geführt. Kitas in Poznań sind nummeriert, zum Beispiel »Kindergarten Nr. 46«. In Berlin heißen sie dagegen »Sausewind« oder »Löwenzahn«. In Polen, so Dorota Niewȩglowska, werde der Gruppe mehr Gewicht beigemessen als dem Individuum. Das führe dazu, dass man dort in Kitas mit altershomogenen Gruppen arbeite. »So kommt es, dass Kinder in Gruppenräumen ständig begleitet werden − eine Praxis, die auf eine sehr enge Definition von Aufsichtspflicht zurückgeht«, erläutert Bianca Parschau. Geduldiges Fragen Doch geht es um Projektarbeit, lassen polnische Erzieherinnen und Erzieher den Kindern plötzlich viel Freiheit. Das konnten deutsche Erzieherinnen und Erzieher bei ihren Hospitationen in Poznań im November 2013 beobachten. Hintergrund ist ein pädagogischer Ansatz, der durch Lilian G. Katz geprägt wurde. Die amerikanische Forscherin hatte ihre neuartige Projektmethode über das Astrid-Lindgren-Institut nach Poznań tragen können. Die Folge: In einigen polnischen Kitas kultiviert man aktives Lernen. Bei einem Projekt zum Thema »Auto« hätten die polnischen Erzieherinnen zunächst in emsiger Fleißarbeit alle Fragen der Kinder notiert, berichtet Viola Krüger von der Kita »Sausewinin Berlin: »Die polnischen Erzieherinnen haben detailliert, ja minutiös aufgeschrieben, was die Kinder dazu erarbeitet haben.« Dann kam nach einer Woche des Sammelns die entscheidende Frage auf: Wie viele Kinder passen in ein Auto? Es folgte ein Besuch im Autohaus. Dort durften die Jungen und Mädchen in ein Auto krabbeln – und sich nacheinander einen Sitzplatz suchen. Für die Kinder war das ein unvergessliches Erlebnis. »Uns hat nachhaltig überrascht, welch’ großen Raum das geduldige Fragen einnimmt«, sagt Bianca Parschau.

| 5 Bei ihrem Besuch in Berlin im April 2014 wiederum war die polnische Delegation erstaunt, wie frei sich Berliner Kinder bewegen dürfen – ohne sich zu verletzen. »Hier dürfen die Kinder selbst entscheiden, ob sie in Schuhen oder barfuß durch den Garten laufen«, sagt Viola Krüger. Beide Seiten können also voneinander lernen. Denn: »Berliner Kitas, die mit dem Situationsansatz arbeiten, konzentrieren sich nicht auf Sachthemen wie Autos, sondern auf gesellschaftliche Themen wie die Beziehung von Ich und Welt«, erklärt Dorota Niewȩglowska. Neue Grundsätze Die unterschiedlichen Beispiele des Lernens durch Projekte in Poznań und Berlin flossen in ein 50-seitiges Handbuch ein, das die Partner als Gemeinschaftswerk entwickelt haben. »Den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihren Fragen zuzuhören und sie wertschätzend aufzugreifen, wird zur neuen Prämisse in Kitas«, so Mitautorin Annette Hautumm-Grünberg, die bei der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Jugend und Sport die Arbeitsgruppe Berliner Bildungsprogramm und Qualitätsentwicklung leitet. Gleichzeitig werden Berliner Familien intensiver in Projekte einbezogen, angestoßen durch gute Beispiele der Kooperation mit Eltern in Poznań. Mit Hilfe des Handbuchs ziehen die Erkenntnisse von YALE nun auch landesweit Kreise: in der alltäglichen Berliner Kita-Praxis oder bei zahlreichen Workshops zum Lernen durch Projekte. »Den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihren Fragen zuzuhören und sie wertschätzend aufzugreifen, wird zur neuen Prämisse in Kitas.« Weitere Informationen Im Mittelpunkt der Projektmethode nach Lilian G. Katz, einer emeritierten Professorin für frühkindliche Bildung der Universität von Urbana-Champaign in Illinois in den USA, steht das Kind als Subjekt des eigenen Lernens. Die Projektmethode fördert ein neues Bild vom Kind als Konstrukteur des eigenen Wissens, eine neue Rolle von Erzieherinnen und Erziehern als Begleiterinnen und Begleiter des kindlichen Lernens, einen neuen Arbeitsstil, da Lernen als ein gemeinsamer und interaktiver Prozess verstanden wird, und eine neue Rolle der Eltern als Partner im Bildungsprozess. Der Situationsansatz, der in den 1970er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt wurde, geht davon aus, dass Kinder in eine unübersichtliche gesellschaftlich, geschichtlich und kulturell geprägte Lebenswelt eingebunden sind. Der Ansatz zielt darauf ab, das Erleben des Kindes wie auch seiner Erzieherinnen und Erzieher mit dem Geschehen in der Welt zu verbinden. Die Projektarbeit nach dem Situationsansatz ist auch ein Element des Berliner Bildungsprogramms für Kitas und Kindertagespflege, zu dem darüber hinaus Aspekte wie naturwissenschaftliche und technische Grundbildung, Körper und Bewegung sowie Sprache und künstlerisches Gestalten gehören.

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