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Integration will gelernt sein. Ein eTwinning-Projekt zum Thema »Flüchtlinge«

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Am Gymnasium Karlsbad helfen Schülerinnen und Schüler jungen Migranten bei der Eingliederung. Gemeinsam mit ihren eTwinning-Partnern in Rumänien entwickelten sie für eine Flüchtlingsklasse ein Unterrichtskonzept, das Werte wie Toleranz und Mitgefühl als Schlüssel zur Integration vermittelt. Aus der Reihe "Beispiele aus der Praxis | eTwinning | 11"

5 | Karlsbader

5 | Karlsbader Jugendliche beim Online-Austausch mit der Partnerklasse in Rumänien Gemeinsame Werte verbinden Doch würde es gelingen, dass die deutschen und rumänischen Schülerinnen und Schüler Respekt und Verständnis für die Bedürfnisse der jungen Migranten entwickeln? Und dass die Flüchtlinge eine Perspektive erhalten und sich integrieren? »Ich habe fest an die Idee geglaubt«, sagt Ralf Slot überzeugend. Er strahlt die Offenheit, Empathie und Begeisterungsfähigkeit aus, die er seinen Schülerinnen und Schülern vermitteln will. »Unsere Schülerinnen und Schüler sind zwar weltoffen und tolerant, aber auch unsicher im Umgang mit Flüchtlingen. Vertrauen und Verständnis entsteht durch ein Miteinander«, erläutert Ralf Slot das Konzept. Mit seinen Ethikklassen der Jahrgangsstufen 8 und 9 liest er das Buch »Im Meer schwimmen Krokodile«, die wahre Geschichte des Jungen Enaiat, der als 10-Jähriger aus Afghanistan flüchtet. Die Schülerinnen und Schüler recherchieren mit großem Elan, befragen Experten und tauschen sich über Skype mit ihren rumänischen eTwinning-Partnern aus, die zum Teil selbst zur Minderheit der deutschsprachigen Siebenbürger Sachsen gehören. »Sie kamen zur Erkenntnis, dass es Bedürf‐ nisse und Werte gibt, die uns alle verbinden: Sicherheit, Vertrauen, Respekt, Gewaltlosigkeit«, erklärt Ralf Slot. Gemeinsam planen die eTwinner Unterrichtsstunden für die Flüchtlinge. Eine Herausforderung, da die 15 Jungen aus Afrika, arabischen Ländern und vom Balkan sowie ein syrisches Mädchen anfangs kaum Deutsch sprechen. Doch beim Sport klappt die Verständigung schnell ohne Vokabeln und Grammatik. Julius engagiert sich auch in seiner Freizeit für die jungen Migranten. Beim Fußballtraining erlebt der 19-Jährige, wie Werte wie Fairness, Respekt und Rücksichtnahme verbinden. »Toleranz«, sagt er »lernt man am besten durch persönliche Begegnungen.« Und Empathie, lässt sich hinzufügen. Das Schicksal des Jungen, der nicht schwimmen gehen will, weil er bei seiner Flucht über das Mittelmeer beinahe ertrunken wäre, berührt die Schülerinnen und Schüler mehr als jeder Zeitungsbericht. »Sie haben den Menschen im Flüchtling gesehen«, fasst Ralf Slot die Erfahrung zusammen.

| 6 Dauerhafte Freundschaften Die Karlsbader Gymnasiasten halten weiterhin regen Kontakt zu den Flüchtlingen. »Mit dem syrischen Mädchen, dem ich anfangs beim Deutschlernen geholfen habe, bin ich mittlerweile eng befreundet«, erzählt die 14- jährige Manaal, die selbst aus Pakistan stammt. Julius und Franco aus Kamerun machen zusammen Musik, und der 17-jährige Mebrahtom aus Eritrea kann dank der Hilfe seiner Mitschüler mittlerweile gut Deutsch. Über das eTwinning-Projekt sagt er: »Super! Ich bin seit einem Jahr hier und habe viel gelernt.« Die Schüler haben mittlerweile das Gymnasium Karlsbad verlassen und besuchen nun erfolgreich das Berufsschulzentrum. Einige schafften sogar die Aufnahme in eine besondere Praktikumsklasse und können schon bald auf einen Ausbildungsvertrag hoffen. Das ist für Ralf Slot ein Beweis, dass das Integrationsprojekt wirkt. Und das eTwinning-Qualitätssiegel, das der Schule 2017 verliehen wurde, gab dazu den Ansporn. Seine 15-jährige Schülerin Manon fasst es so zusammen: »Wir hatten großen Spaß, und der Preis ist eine tolle Bestätigung und Motivation für weitere Projekte.

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