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Jahresbericht 2017

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Der Jahresbericht 2017 gibt einen Einblick in die Arbeit des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD). Im Fokus der Beiträge steht das Jubiläum des Erasmus-Programms mit den aktuellen Herausforderungen für Erasmus+ Schulbildung und das Netzwerk für Schulen "eTwinning". Informationen zu weiteren Austauschprogrammen und zum Service des PAD ergänzen das Angebot.

jahresbericht

jahresbericht 2017 Von COMENIUS zu Erasmus+ Schulbildung Europäischer Geist im Klassenzimmer Austauschen, gemeinsam arbeiten, sich gegenseitig besuchen: Mit Erasmus+ können Lehrkräfte länderübergreifende Unterrichtsprojekte durchführen und Schülerinnen und Schüler miteinander in Kontakt treten. Eine Konferenz der Nationalen Agentur im PAD im Mai 2017 bot Einblicke in die europäische Projektpraxis. 6 7 ie Szene wirkt zunächst bedrohlich: »Es ist dunkel, es herrscht Kriegslärm – und viele Menschen liegen auf der Bühne«, beschreibt Susanne Gründler, Lehrerin an der Gesamtschule Volksgarten in Mönchengladbach, die beklemmende Atmosphäre. Dann aber stehen die schwarz gekleideten Schülerinnen und Schüler nach und nach auf und sagen in einfachen Sätzen, »Nie wieder Krieg, wir wollen endlich wieder unsere Häuser aufbauen« – und richten ihren Blick in die Zukunft. Die ungewöhnliche Szene, in der die europäische Geschichte nach 1945 wie in einem Brennglas erscheint, bildet den Auftakt des Musicals »Join us and move«, das Susanne Gründler gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern auf die Bühne gebracht hat. Wenn Europa weit weg scheint und nicht richtig zu packen ist, dann will das Musical die gemeinsame Geschichte anschaulich machen und den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen zu sammeln. Susanne Gründler hat schon viele europäische Projekte an ihrer Schule begleitet und weiß, wie motivierend sie wirken. »Durch die Auseinandersetzung auf der musikalischen Ebene haben die Schülerinnen und Schüler viel mehr Fragen gestellt als sonst jemals im Politik- und Geschichtsunterricht. Ein größeres Interesse hatten sie auch an der neueren Entwicklung«, sagt sie. Ob aus Spanien, Türkei, Polen, Litauen, Italien – die Schülerinnen und Schüler pflegen Kontakte, besuchen sich, arbeiten über die Entfernung hinweg am Konzept, treffen sich in verschiedenen Ländern und tauschen sich aus. Ähnliche Erfahrungen mit den Möglichkeiten von Erasmus+ macht auch Ulla Ondratschek von der Grundschule im Beerwinkel aus Berlin. »Im Kern geht es bei solchen Projekten immer um den Austausch zwischen den Schulen und Menschen, die dort beschäftigt sind«, sagt sie. In einem Projekt unter dem Titel »Back to our future« haben Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Gemeinsam mit Partnern von Spanien bis zur Türkei wollten sie herausfinden, wie wichtig traditionelle Fertigkeiten heute sind und was getan werden muss, damit sie im digitalen Zeitalter nicht völlig in Vergessenheit geraten. »Diese Themen könnten wir nie in den normalen Unterricht packen.« Schulen wie die von Susanne Gründler und Ulla Ondratschek, die auf der europäischen Konferenz des PAD im Mai 2017 in Bonn vorgestellt wurden, nehmen dafür in Kauf, sich mit den nicht immer einfachen Formalitäten des Programms zu befassen. Anträge für Erasmus+ seien mitunter kompliziert und langwierig, die Dokumentation aufwendig. Und Lehrkräfte, die sich für Europa engagieren, müssten zusätzliche Arbeit auf sich nehmen, berichtet Ulla Ondratschek. »Wenn man aber drin ist, merkt man, wie gut das Ganze ist, denn die Kinder sind unglaublich gewachsen an diesem Projekt.« Christian Rydberg von der Uni Malmö, der ebenfalls zur Konferenz nach Bonn gekommen war, will vor allem Lehrkräfte dabei unterstützen, besser zu werden. Die europäische Vielfalt hilft ihm dabei. »Wer besser lehren möchte, muss seine eigenen Überzeugungen und Vorgehensweisen reflektieren – gerade in Dingen, die man für selbstverständlich hält.« Als Beispiel nennt er die Haltung schwedischer Lehrkräfte, die sich in Diskussionen immer um Neutralität bemühten. Für kroatische Lehrer sei es dagegen selbstverständlich, eine Meinung zu äußern und auch dazu zu stehen. Im Austausch miteinander könnten beide lernen, in welchen Situationen, bei welchen Themen die eine oder die andere Strategie besser funktioniert. »Verhaltensmuster im Bereich von Erziehung und Lehre ändern, das geht nur in ganz kleinen Schritten«, hat er beobachtet. Aber wer den langen Atem hat und dreißig Jahre lang kleine Schritte geht, der kann, das zeigt Erasmus+, am Ende einiges bewegen. Der Autor Stefan Beuting ist Journalist in Bonn. Der Beitrag wurde im Deutschlandradio in einem Schwerpunkt über »30 Jahre Erasmus« gesendet. Ob SOKRATES oder Programm für lebenslanges Lernen: Seit 1995 hat die Europäische Union die Zusammenarbeit in allen Bereichen der Bildung gefördert. An Schulen richtete sich insbesondere das Programm COMENIUS. Seit 2014 gehört es zu Erasmus+, das noch bis 2020 läuft. Vorläuferprogramme für den europäischen Austausch von Schulen, Lehrkräften, Universitäten und Berufsbildungseinrichtungen gab es aber bereits vor 30 Jahren. Zum Jubiläum unter dem Motto »Von Erasmus zu Erasmus+« hatten das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Kultusministerkonferenz im Januar 2017 rund 500 Gäste aus allen Bildungsbereichen nach Berlin eingeladen. Weitere Informationen: www.erasmusplus.de

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