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20 Jahre Johannes-Rau-Stipendiatenprogramm

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Eine Broschüre des Pädagogischen Austauschdienstes. Kostenlos erhältlich im Webshop www.kmk-pad.org/shop

Deutsch-jüdische

Deutsch-jüdische Geschichte – mehr als Schoa und Pogrome German-Jewish history – more than Schoa and pogroms Das Festjahr #2021JLID fokus siert die Vielfalt jüdischen Lebens heute. Gerade auch Schulen sind eingeladen, sich einzubringen. The #2021JLID year of celebrating focusses on the variety of Jewish life today. Particularly schools are invited to contribute. Als die gebürtige Wienerin Barbara Traub 1992 nach Deutschland kam, wo ihr Mann eine Professur erhalten hatte, schenkte man ihr zur Begrüßung das Buch »Die jüdischen Friedhöfe in Württemberg«. Damals, so erinnert sich das Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland, habe sie sich überlegt: »Wenn Friedhöfe das sind, was die Menschen in Deutschland mit dem Judentum in Verbindung bringen, muss man etwas ändern.« Dazu trägt auch das Festjahr #2021JLID bei, das mit über 1500 Veranstaltungen wie Konzerten, Lesungen, Schulprojekten, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen bundesweit begangen wird. Ziel des veranstaltenden Vereins »321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« ist es, jüdisches Leben heute in seiner ganzen Vielfalt sichtbar und erlebbar zu machen. Außerdem soll ein deutliches Statement gegen Antisemitismus gesetzt werden. Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft übernommen hat, zeigt die gesellschaftliche Relevanz dieses Festjahres und hat eine positive Strahlkraft für ganz Deutschland und über die Grenzen Deutschlands hinaus. Der oberste Repräsentant unseres Staates setzt damit ein starkes Signal für die Verbundenheit Deutschlands mit der 1700-jährigen deutsch-jüdischen Geschichte und für eine Zukunft jüdischen Lebens in unserem Land. Denn Antisemitismus ist ja kein jüdisches Problem, sondern eine Gefährdung der Grundfesten unserer Demokratie. Erinnerungsarbeit ist somit ein aktiver Beitrag für die Zukunft unserer Demokratie. Deshalb war es mir als Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2014 so wichtig, gemeinsam mit dem damaligen israelischen Botschafter in Deutschland auf einer Fachtagung mit rund 70 Vertreterinnen und Vertretern aus Kultusministerien, Lehrkräftefortbildung und Gedenkstätten neue methodisch-didaktische Ansätze zur Geschichte der Schoa im Rahmen der heutigen Bildungsarbeit zu diskutieren. »Die Geschichte des Judentums ist mehr als eine Ausgrenzungs-, Verfolgungs- und Opfergeschichte«, hieß es 2016 in der gemeinsamen Erklärung des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Kultusministerkonferenz zur Vermittlung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in der Schule. Sie zielt darauf ab, das Judentum in seiner Vielfalt und Authentizität zu thematisieren, um ein lebendiges und When Vienna-born Barbara Traub came to Germany in 1992, where her husband had been received a professorship, she was given the book ‘Die jüdischen Friedhöfe in Württemberg (The Jewish Cemeteries in Württemberg)’ as a welcome present. It was then, this current chair member of the Central Council of Jews in Germany remembers, when she thought: ‘If cemeteries are what the people in Germany connect to Jewry, something must change.’ Among others, the #2021JLID year of celebrating is supposed to contribute to such a change, with more than 1,500 events, such as concerts, readings, school projects, exhibitions and panel debates all over Germany. It is the goal of the ‘321-2021: 1700 Years of Jewish Life in Germany’ association to make Jewish life today visible and experiential by all of its variety. Furthermore, it is meant as a clear statement against anti-Semitism. The fact that Federal President Frank-Walter Steinmeier has taken over the patronage demonstrates the social relevance of this year of celebrating and sends positive signals all over Germany and beyond. This way, the superior representative of our state strongly signals Germany's connectedness to more than 1700 years of German-Jewish history and that Jewish life has a future in our country. For, anti-Semitism is indeed not a Jewish problem but a danger for the foundations of our democracy. Thus, remembrance work actively contributes to the future of our democracy. That is why, when I was the President of the Kultusministerkonfe- 12

Sylvia Löhrmann, Staatsministerin a. D. Generalsekretärin des Vereins »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« former Minister of State, Secretary General of the ‘1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland’ (1,700 Years of Jewish Life in Germany)’ association differenziertes Bild zu vermitteln. Im Juni 2021 wurde eine weitere gemeinsame Erklärung (siehe Infokasten) zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule veröffentlicht. Nicht auf die Opferrolle reduzieren Denn das Judentum ist konstitutiv für Deutschland! Viele Impulse der deutschen Kultur-, Geistes- oder Wirtschaftsgeschichte gingen von Jüdinnen und Juden aus. Diese fruchtbare und produktive Vergangenheit gehört ebenso auf den Lehrplan wie die Diversität heutiger Jüdinnen und Juden, die Unterschiede ihrer geistlichen Strömungen und ihre Präsenz in der Gesellschaft. Das ›Nie wieder‹ hat unsere Nation geprägt, ist Teil unserer Staatsräson und gehört zu unserem Selbstverständnis. Natürlich darf weiterhin kein Schlussstrich unter die Schoa gezogen werden. Das »Nie wieder« hat unsere Nation geprägt, ist Teil unserer Staatsräson und gehört zu unserem Selbstverständnis. In Zeiten von wachsendem und hoffähig werdendem Rechtextremismus und erstarkendem Antisemitismus muss es geradezu verteidigt werden. Gleichwohl höre ich gerade von jungen Jüdinnen und Juden, die in Deutschland aufgewachsen sind, dass sie es leid sind, auf die Opferrolle reduziert zu werden. Denn so werde die eigene Identität ständig durch andere definiert. Umso mehr brauchen wir »ein neues deutsches ›Wir‹ – die Vielfalt der Verschiedenen«, wie es Altbundespräsident Joachim Gauck einmal so klar formulierte. Ein »Wir«, zu dem auch »die neuen Deutschen« gehören – die Kinder und Enkel der sogenannten Gastarbeiter ebenso wie die Gef lüchteten der vergangenen Jahre. Wichtig ist mir, dass die in Deutschland Angekommenen unsere Erinnerungskultur als wichtigen Bestandteil der deutschen Identität begreifen. Und wo anders sollen wir auf eine Haltungsänderung der in ihren Herkunftsländern teils antisemitisch indoktrinierten Bevölkerung hinwirken, wenn nicht bei den Kindern und Jugendlichen? Deshalb bin ich froh und dankbar, dass unser Veranstaltungsreigen im Festjahr #2021JLID auch viele Weitere Informationen www.2021JLID.de Erklärung www.kmk.org/themen/allgemeinbildende-schulen/weitereunterrichtsinhalte-und-themen/antisemitismus.html renz (Standing Conference of the Ministers of Education and Cultural Af fairs of the Länder in the Federal Republic of Germany) in 2014, I was so much interested, on the occasion of a congress with about 70 representatives of Germany's Ministries of Culture, further education for teachers, and memorial sites, in discussing new methodical-didactic approaches to the history of the Schoa in the context of current educational work with Israel's then ambassador to Germany. ‘The history of Jewry is more than a history of isolation, persecution and victims’, it said in a joint declaration by the Central Council of Jews in Germany and the Kultusministerkonferenz on communicating Jewish history, religion and culture at school. It aims at making Jewry a topic of discussion by all its variety and authenticity, to this way communicate a lively and dif ferentiated picture. In June 2021, another joint declaration (see info box) on how to deal with anti-Semitism at school, was published. No reduction to the role of the victim For, Jewry is constitutive for Germany! Germany's cultural history, intellectual history, or economic history was much stimulated by Jews, both male and female. This fruitful and productive past must be an element of the curriculum, just like the diversity of today's Jews, like their dif ferent intellectual currents and their presence with society. Of course, still the memory of the Schoa must be kept alive. ‘Never again’ – this has been characterising our nation, it is part of our reason of state, and it belongs to the way in which we see ourselves. In times of growing and once again accepted anti-Semitism, it must really be defended. Yet still, precisely young Jews who have grown up in Germany tell me that they are fed up with being reduced to the role of victims. For, they say, this way their own identity is constantly defined by others. It is even more that we need ‘a new German “we” – the variety of those who are dif ferent’, as former Federal President Joachim Gauck had it so clearly. A ‘we’ which also includes ‘the new Germans’ – the children and grandchildren of the so called ‘gastarbeiters’ as well as the refugees of recent years. For me it is important that those who have come to Germany understand that our remembrance culture is an important element of German identity. And where else are we supposed to start changing the minds of people who, in their countries of origin, have of ten been indoctrinated towards anti-Semitism if not with children and young people? That is why I am glad and thankful that the series of events in the context of the #2021JLID year of celebrating also includes many creative projects by and for children and 13

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