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Austausch bildet Dezember 2016

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Das Magazin stellt Projekte vor, die durch europäischen Austausch einen wichtigen Beitrag zur Bildungsintegration leisten. Studienaufenthalte von Schülern als "Migrationsexperiment", Sport und Spiel als Integrationserleichterung oder die Förderung von Elternteilhabe stehen beispielhaft für das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, die sich für Vielfalt an Schulen einsetzen. Weitere Beiträge widmen sich der Aktion "Europa macht Schule", stellen engagierte Deutschlerner aus Afrika vor und berichten über Austauscherfahrungen in ihrer Bedeutung für den eigenen Berufs- und Lebensweg. Neuigkeiten zu aktuellen Förderprogrammen, mit denen der PAD internationalen Austausch unterstützt, runden das Heft ab. Als Beilage zum Heft gibt es den Jahresplaner 2017 des PAD – solange der Vorrat reicht.

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austausch bildet » etwinning Sport und Spiel erleichtern die Integration Ein deutsch-türkisches Projekt will Flüchtlingskindern den Einstieg in den Schulalltag und somit in die Gesellschaft ihrer neuen Heimat erleichtern. Das Beispiel aus Moers (Nordrhein-Westfalen) zeigt, wie Jugendliche zur Integration von Grundschulkindern beitragen. von antje schmidt, pad E s hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit den Kindern die verschiedenen Spiele auszuprobieren. Für alle Beteiligten war es eine positive Erfahrung«, sagt Barış Uçak von der Anne-Frank-Gesamtschule aus Moers. Mit seinen 17- bis 19-jährigen Schülerinnen und Schülern hat der Sport- und Türkischlehrer gemeinsam mit einer Partnerschule in der Türkei das Konzept zu Bewegungs- und Kooperationsspielen für Grundschulkinder entwickelt und praktisch erprobt. Die Jugendlichen aus Moers und des Mehmet Özöncel Anadolu Lisesi in Adana haben als Mentorinnen und Mentoren die Kinder bei den verschiedenen Aktivitäten betreut. Barış Uçak hatte schon seit geraumer Zeit eine Projektidee im Kopf, die Sport mit Pädagogik kombiniert. Als im Sommer 2015 die Zahl der nach Deutschland einreisenden Geflüchteten anstieg, überlegte er, ein Angebot für Flüchtlingskinder zu entwickeln, bei dem Sport das Mittel zur Integration ist. Seine Kollegin Verena Michael bekam über die eTwinning-Plattform Kontakt zur Lehrerin Sebla Döner in Adana und fragte ihn, ob er Interesse an einem Austauschprojekt habe. Barış Uçak sagte zu. Für die Zusammenarbeit in Moers konnten die Lehrkräfte die umliegende Adolf- Reichwein-Grundschule gewinnen. Sowohl die Schulleitung als auch das Kollegium der Grundschule, an der ebenfalls zahlreiche Flüchtlingskinder unterrich- Foto: Christoph Karl Banski/FUNKE Foto Service tet werden, reagierte auf die Idee ausgesprochen positiv und wollte das Projekt unterstützen. »Aus eigener Erfahrung mit dem Thema Migration denke ich, dass man Wege finden muss, um Neuangekommene rasch zu integrieren – je früher, desto besser. Am besten wäre es natürlich schon im Vorschulalter«, sagt Barış Uçak. »Angebote wie Sport, Musik oder Theater funktionieren zunächst auch mit wenigen Sprachkenntnissen, deshalb haben wir uns für den Einsatz von spielerischen und sportlichen Aktivitäten entschlossen.« Ein wichtiges Projektziel sei es, so Barış Uçak, dass die Flüchtlingskinder Akzeptanz erleben. Umso leichter fiele es ihnen dann, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Von der Online-Vorbereitung zur praktischen Umsetzung Für das Projekt zwischen Adana und Moers hat Barış Uçak einen Förderantrag über insgesamt 13.000 Euro bei der Robert Bosch Stiftung gestellt. Mit den bewilligten Mitteln konnten die Schulen ihr Vorhaben in die Tat umsetzen und etwa die Reisekosten sowie Ausflüge, Eintrittsgelder und Projektmaterial für die Einladung von zehn türkischen Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrkräften nach Deutschland bezuschussen. Die Lehrkräfte bereiteten das erste persönliche Treffen vor und stimmten sich auch mithilfe des Video-Konferenzsystems von eTwinning ab. Ende Mai 2016 kamen zehn Jugendliche aus Adana für eine Woche nach Moers, um das Konzept praktisch umzusetzen und den Alltag in einer deutschen Schule zu erleben. Zuvor hatten sich die deutschen und türkischen Jugendlichen online über eTwinning mit Kurzprofilen gegenseitig vorgestellt und per Chat ausgetauscht. Auch mit den Ursachen und Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingssituation hatten sie sich intensiv befasst. Am ersten Tag in Moers nahmen die Jugendlichen und Lehrkräfte die zuvor ausgewählten Spiele genauer unter die Lupe und prüften sie miteinander auf ihre Praxistauglichkeit. Die folgenden beiden Tage in der Turnhalle der Grundschule standen ganz im Zeichen von Sport und Spiel. Insgesamt nahmen etwa 200 Erst- bis Viertklässler gruppenweise teil. Eingeteilt waren die Spiele in verschiedene Module und Schwerpunkte, etwa Vertrauen, Kooperation oder Körperkontakt. Um beispielsweise Vertrauen zu trainieren, führten einige Kinder ihre Mitschüler/-innen mit verbundenen Augen durch die Halle. In einer anderen Ecke der Halle brachte eine Gruppe ein kreisförmiges buntes Schwungtuch in Bewegung. Schwerpunkt »Migration – Integration« Über eTwinning Das EU-Programm eTwinning verbindet Schulen sowie vorschulische Einrichtungen in Europa. Lehrkräfte finden mit eTwinning unkompliziert Partnerschulen für gemeinsame mediengestützte Lernaktivitäten sowie für den fachlichen Austausch. Das umfangreiche Fortbildungsangebot umfasst neben Onlinekursen auch Seminare im In- und Ausland. Gute Erfahrungen für andere nutzbar machen Die jugendlichen Mentorinnen und Mentoren waren bei der Betreuung der Kinder fast ständig in Aktion. Sie bekamen schnell einen guten Draht zu ihren kleinen Schützlingen, und die anfängliche Schüchternheit bei manchen Kindern war bald verflogen. Natürlich sei die Woche auch anstrengend gewesen, meint Barış Uçak. Aber er findet: »Unsere Schülerinnen und Schüler haben das super gemeistert. Sie waren sehr engagiert bei der Sache und haben Verantwortung übernommen, so dass wir Lehrkräfte uns im Hintergrund halten konnten.« Die aktuelle Lage in der Türkei erlaubte es nicht, den in diesem Herbst geplanten Gegenbesuch der Gruppe aus Moers bei den Projektpartnern in Adana durchzuführen. Stattdessen überlegen die Lehrkräfte mit Empfehlung der Projektleiterin Alina Karadeniz von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke, eine erneute Begegnung an einem Drittort in Deutschland zu organisieren. »Wir haben uns so viel Mühe gemacht, dass wir jetzt nicht ans Aufhören denken. Aber wir müssen eben etwas umplanen«, sagt Barış Uçak. Die Robert Bosch Stiftung sowie die Deutsch- Türkische Jugendbrücke sind auch daran interessiert, dass das Projekt fortgesetzt wird. Momentan entwickelt Barış Uçak mit seinen Schülerinnen und Schülern eine Handreichung in Form eines eBooks mit den gesammelten Spielen für Grundschulen, damit weitere Kinder von den Erfahrungen dieser Kooperation profitieren können. Auch für die Mentorinnen und Mentoren hat sich durch den persönlichen Kontakt die Sicht auf Flüchtlinge verändert. Nursena, eine 17-jährige Schülerin aus der Türkei, bringt es auf den Punkt: »Die Kinder haben es verdient, glücklich zu sein, und ich möchte ihnen dabei ein bisschen helfen.« 13 12

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