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Austausch bildet Dezember 2016

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Das Magazin stellt Projekte vor, die durch europäischen Austausch einen wichtigen Beitrag zur Bildungsintegration leisten. Studienaufenthalte von Schülern als "Migrationsexperiment", Sport und Spiel als Integrationserleichterung oder die Förderung von Elternteilhabe stehen beispielhaft für das Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, die sich für Vielfalt an Schulen einsetzen. Weitere Beiträge widmen sich der Aktion "Europa macht Schule", stellen engagierte Deutschlerner aus Afrika vor und berichten über Austauscherfahrungen in ihrer Bedeutung für den eigenen Berufs- und Lebensweg. Neuigkeiten zu aktuellen Förderprogrammen, mit denen der PAD internationalen Austausch unterstützt, runden das Heft ab. Als Beilage zum Heft gibt es den Jahresplaner 2017 des PAD – solange der Vorrat reicht.

Erfahrungen abdou latif

Erfahrungen abdou latif ataligbo 33 Bonn, Köln, Berlin und München konnte er so in vier Sommerwochen erkunden – und das niedersächsische Celle mit seiner pittoresken Altstadt, wo er mit seinen Gastgeschwistern zwei Wochen am Schulunterricht teilnahm. Immer mit einem Fußball unterwegs »Unter den Preisträgern meiner Gruppe war schnell bekannt, dass ich nie irgendwo bleiben kann, ohne Fußball zu spielen.« austausch bildet internationales preisträgerprogramm Seit 1993 lädt der PAD begabte Deutschlerner aus dem westafrikanischen Benin zur Teilnahme am Internationalen Preisträgerprogramm ein. Rund 70 Schüler/-innen sind so in den vergangenen Jahren als Stipendiaten zu Besuch nach Deutschland gekommen. Viele von ihnen pflegen auch danach enge Verbindungen zu dem Land, seiner Sprache und Kultur, wie die Beispiele von Abdou Latif Ataligbo und Hyacinthe Hounkpatin zeigen. » Deutsch lernen mit Fußball und Musik von martin finkenberger, pad B eginnen, begann, begonnen«, »bringen, brachte, gebracht«, »gehen, ging, gegangen«: Verben verschiedener Zeitformen richtig zu konjugieren, damit müht sich jede Generation von Deutschlernern aufs Neue ab. So geht es auch den Schülerinnen und Schülern am Collège »La Mepec« (Godomey-Womey) in Cotonou, dem Regierungssitz von Benin. »Wann haben die großen Ferien begonnen?«, hat ihre Deutschlehrer Abdou Latif Ataligbo mit Kreide auf die Tafel geschrieben, um heute Präsens, Präteritum und Perfekt einzuüben. Seit zwei Jahren unterrichtet er die Sprache und weiß um die Tücken ihrer Grammatik: »Deutsch ist kompliziert, viele Schülerinnen und Schüler in Benin lernen deshalb lieber eine andere Fremdsprache«, sagt er. Wer bei ihm konjugiert, soll wenigstens an Ferien denken dürfen. Wie anstrengend der Deutschunterricht sein kann, weiß er noch aus seiner eigenen Schulzeit. Dass er sich als 16-Jähriger für diese Sprache entschied, verdankt er Etteh Komlan Dzifa, seinem Deutschlehrer am Collège »Albarika« in Parakou, einer Stadt mit rund 200.000 Einwohnern im Landesinnern. Ein Satz von ihm war es, der ihn besonders anspornte: »Wer die Sprache gut beherrscht und sprechen kann, für den besteht die Möglichkeit, nächstes Jahr nach Deutschland zu fliegen«, gab er der Klasse in einer der ersten Stunden mit auf den Weg. »Das motiviert mich bis heute«, sagt Abdou Latif Ataligbo. Denn was sein Deutschlehrer seinerzeit sagte, traf tatsächlich ein. 2009 wurde er als einer aus rund 20 Kandidaten seines Heimatlandes für das Internationale Preisträgerprogramm des PAD ausgewählt. »Unglaublich« sei es für ihn gewesen, als er die Nachricht erhielt. Dabei stand sein Besuch in Deutschland zunächst unter keinem guten Stern: Nach der Ankunft brach zunächst eine verschleppte Malariaerkrankung aus, so dass er drei Tage stationär behandelt werden musste. In der Gruppe hatte er damit einen Spitznamen weg. Statt Latif nannten die anderen Preisträger ihn »Malaria«. Anfangs sei er damit zwar nicht einverstanden gewesen, »aber mit der Zeit war ich sogar stolz und froh«, sagt er. »Und bis heute habe ich diesen Name beibehalten, weil er mich an die Zeit in Deutschland erinnert.« Einen bleibenden Eindruck in der Gruppe und in seiner Gastfamilie hinterließ er zudem durch eine Leidenschaft, die viele Jungen in diesem Alter teilen – die für den Fußball. »Unter den Preisträgern meiner Gruppe war schnell bekannt, dass ich nie irgendwo bleiben kann, ohne Fußball zu spielen. Und in Celle habe ich wohl so viel über Fußball gesprochen, dass meine Gastfamilie mir einen geschenkt hat«, erzählt er. Dass es damals sein größter Traum war, Profifußballer zu werden, überrascht nicht. Mit dieser Karriere hat es dann zwar nicht geklappt. Doch seine ausgezeichneten Deutschkenntnisse legten den Grundstein für seine berufliche Zukunft. Nach dem Abitur hätte er gerne an der Universität studiert, konnte aber die hohen Gebühren nicht aufbringen. In einem landesweiten Wettbewerb qualifizierte er sich allerdings für ein Stipendium, das ihm ein Deutschstudium an der Pädagogischen Hochschule in der Küstenstadt Porto Novo ermöglichte. Seit seinem Abschluss 2014 unterrichtet er Deutsch – und versucht seinen Schülerinnen und Schülern seine eigene Begeisterung für die Fremdsprache weiterzugeben. »Reisen bildet«, zitiert er gerne ein geflügeltes deutsches Wort und zeigt ihnen Bilder und Fotos, die er 2009 aus Deutschland mitgebracht hat. Wenn er Liedtexte im Unterricht einsetzt, reicht sein Repertoire von Hannes Wader bis Lena. Um seinen Unterricht weiter zu verbessern, würde er allerdings gerne auch die eigenen Sprachkenntnisse auffrischen. In seiner Heimat ist das gar nicht so leicht. Fachliteratur ist in den wenigen Bibliotheken nur rar vorhanden. Die Teilnahme an einer Fortbildung in Deutschland ist deshalb sein Ziel für die Zukunft: »Da ich im Alltag fast nur Französisch spreche, vergesse ich viele deutsche Ausdrücke und Wörter«, sagt er. Gerade für seine mündliche Sprachpraxis, die er in Cotonou kaum pflegen kann, verspricht er sich davon viel. Ein Sprachlehrer solle schließlich »nicht nur gut lesen und verstehen, sondern die Wörter auch gut aussprechen können«. Wünschen würde er sich zudem mehr Kontakte nach Deutschland für seine beninischen Schülerinnen und Schüler – etwa im Rahmen von Schulpartnerschaften oder durch betriebliche Praktika. > 32

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