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Austausch bildet Dezember 2017

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Ob COMENIUS, Erasmus+ Schulbildung oder eTwinning, die europäische Projektarbeit ist an vielen Schulen fest verankert. Zum 30. Erasmus-Jubiläum stellt das Magazin engagierte Schulen und beispielhafte Projekte vor. Weitere Beiträge lassen Menschen zu Wort kommen, die sich zum Beispiel als "kulturweit"-Freiwillige, als "Young voices" der Initiative "UK-German Connection" oder in verschiedenen anderen Austauschprogrammen engagiert haben.

Schwerpunkt »Von

Schwerpunkt »Von COMENIUS zu Erasmus+« 13 Ließ sich während des EU-Projekttages an Schulen das Erasmus+ Projekt »Was uns bewegt« erläutern: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Kurt-Tucholsky-Oberschule in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel kam anlässlich des EU-Projekttages 2017 in die Kurt-Tucholsky-Oberschule in Berlin, gab Autogramme – und lernte ein Erasmus+ Projekt kennen. austausch bildet eu-projekttag an schulen Wenn ich Flüchtling wäre Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann von daniela vates W enn Angela Merkel nun auf der Flucht wäre, was würde sie mitnehmen? Die Frage stellt sich der Kanzlerin am 22. Mai im Berliner Stadtbezirk Pankow, in einem knallgrünen Schulgebäude zwischen Plattenbauten. Sie ist zum EU-Projekttag in die Kurt-Tucholsky-Oberschule gekommen, es hat Begrüßungslieder gegeben. »Was uns bewegt«, steht über einer Stellwand, auf der Fotos kleben und ein gelber Zettel. 16 Begriffe haben die Schülerinnen und Schüler zusammengetragen – Sonnencreme, Bücher, Smartphone, Taschenmesser zum Beispiel. Merkel soll sich vorstellen, ein Flüchtling zu sein und in ein Boot steigen zu müssen. »Was würden Sie mitnehmen?«, fragt ein Schüler. Drei Dinge sind erlaubt. Merkel denkt nach. Später will Christoph aus der 12. Klasse von der Kanzlerin wissen, ob sie das eigentlich nerve, immer diese Debatten über die Flüchtlingspolitik. »Vielleicht kriegen Sie ja schon einen Kater«, sagt er. Der Schulchor hat zum Empfang ein griechisches Flüchtlingslied gesungen, Schüler berichten von ihrem Engagement in Hausaufgabenhilfe für Flüchtlinge und nun hat auch noch Vanessa eine Frage zu dem Thema. »Nö«, antwortet Merkel. »Davon kriege ich keinen Kater. Das ist ja eine ganz wichtige Frage«. Vanessa sagt diplomatisch, Merkel habe vielen Mut gemacht: »Aber ich erlebe auch Angst und Unmut.« Die Kanzlerin antwortet, es sei wichtig, dass es genug Arbeitsplätze gebe, denn Angst entstehe oft aus Sorgen. Und es bedürfe der Offenheit. Wer Flüchtlinge ablehne, habe die »oft nur aus der Ferne gesehen«. Die Flüchtlinge müssten offen sein, Deutsch lernen, sich an Gewohnheiten orientieren. »Aber wir müssen uns auch für ihr Leben interessieren – dann kann es gehen.« Sehenswürdigkeiten in Italien Eine knappe Stunde beantwortet sie die Fragen: Wie man Populismus begegne; ob Russland sich nicht doch auch bedroht fühlen könne von der EU und wie das eigentlich sei mit dem deutschen Handelsbilanzüberschuss, den viele so kritisierten. Darja hakt nach, als Merkel bei der Frage nach den deutsch-polnischen Beziehungen in ein Lob der Kulturzusammenarbeit flüchtet: »Was tun Sie politisch?« Zusammen mit Partnern aus Polen, Griechenland, Ungarn, Österreich, Italien und Finnland haben die Schüler Projekte erarbeitet, internationale Museumsführer etwa im Rahmen des Erasmus+ Projekts »Kulturkiosk«. Die Berliner sind dabei auch nach Danzig und Neapel gereist und berichten begeistert von neuen Freundschaften. Merkel sagt, sie habe Pompeji beeindruckend gefunden, weil man dort das Alltagsleben erfahren konnte. »Und von einem Tag auf den anderen kommt da dieser Berg und spuckt Lava.« Berlin könne auch noch zusammenwachsen Sehr konkret ist es da. Aber es geht an diesem Tag auch um einen abstrakten Begriff, um Europa. »Wir sehen uns als EU-Bürger«, sagt Mathilda. Aber es gebe eben viele, die nicht wüssten, was Europa für sie bedeute. Merkel sagt, man müsse wohl emotionaler und positiver über Europa reden, nicht immer Brüssel die Schuld geben, für alles, was so schief laufe. Und sie empfiehlt, im Schulunterricht nicht nur über die deutschen Nachbarländer zu sprechen, sondern auch über die europäischen, die sie alle aufzählt, von Russland über Syrien und Libyen bis nach Marokko. »Gute Leistung«, bemerkt Christoph. »Kurzweilig« sei der Besuch gewesen, sagt Merkel und versichert: »Ich habe nicht vor, bei Ankunft im Kanzleramt alles vergessen zu haben.« Der Schule empfiehlt sie, auch über Schulpartnerschaften innerhalb der Stadt nachzudenken – denn auch Berlin könne noch zusammenwachsen. Dann geht die Kanzlerin. In der Schule bleibt ein gelber Zettel hängen, auf dem sie mit rotköpfigen Stecknadeln markiert hat, was sie auf jeden Fall einpacken würde als Flüchtling: Geldbörse, Wasserflasche, Seife. — Die Autorin ist Korrespondentin der Berliner Zeitung, in der dieser Beitrag am 22. Mai 2017 erschienen ist. 12

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