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Austausch bildet – Dezember 2018

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Schule und Unterricht sollen junge Menschen dazu befähigen, eine demokratische Gesellschaft mitzugestalten. "Demokratische Bildung fördern" - das ist im Rahmen von internationalen Austauschprojekten im Schulbereich möglich. Die Dezember-Ausgabe stellt gelungene Beispiele aus dem Bereich Erasmus+, eTwinning, PASCH und dem Weiterbildungsprogramm vor. Ein zweiter Schwerpunkt sind Zahlen und Hintergründe zum deutsch-französischen Austausch. Erfahrungen aus Deutschland Plus, dem Programm für Fremdsprachenassistenz und die Geschichte einer langjährigen GAPP-Schulpartnerschaft zwischen Saarland und Iowa runden das Heft ab.

Schwerpunkt

Schwerpunkt »Demokratische Bildung« 15 austausch bildet (Baden-Württemberg) und begleitet seit einigen Jahren den Austausch mit der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg (DSJ). Themen wie »Apartheid« oder »Rassenunruhen«, die sie in der Projektarbeit vor Ort behandeln, sind für die meisten ihrer Schülerinnen und Schüler ebenso ferne Ereignisse wie Mauerfall oder die D-Mark als Zahlungsmittel. Während des Besuchs der Gedenkstätte erhält die Geschichte dann aber plötzlich eine Stimme und ein Gesicht. Im Gespräch mit der heute 58-Jährigen erfahren die Schülerinnen und Schüler aus Wangen unter anderem, wie sie diesen historischen Tag erlebte und wie ein Augenblick sie zu einer Person der Zeitgeschichte machte. Zeitzeugin im Gespräch Die Exkursion zu der Gedenkstätte und das Zeitzeugengespräch sind Teil eines sorgfältig geplanten Programms, das den Schülerinnen und Schülern Einblicke in die Geschichte und Gegenwart dieses Landes geben soll. Dazu gehört auch das Alltagsleben in der Familie der Austauschpartner, das den Schülerinnen und Schülern die soziale Kluft deutlich aufzeigt. Die Annehmlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft begegnen ihnen dabei nämlich ebenso, wie beengte Wohnverhältnisse oder einfachste sanitäre Anlagen. Das erfahren vor allem die, deren Gastfamilien aus Soweto kommen. Drei Schülerinnen aus Wangen bot sich beim Austausch im vergangenen Jahr diese Gelegenheit, die außergewöhnliche Einblicke ermöglichte. »In manchen Bezirken wohnen die Menschen in Blechhütten oder einfachen Häusern. Wer es sich leisten kann, baut eine Mauer oder einen Zaun um das Grundstück herum, um es zu schützen«, hat etwa Pia beobachtet. Tami dagegen gewann der Diskussion mit den eigenen Eltern darüber, wann sie am Abend zu Hause sein müsse, ein anderes Verständnis ab: »In Soweto müssen die Kinder spätestens um sieben Uhr zu Hause sein, weil es nach Einbruch der Dunkelheit draußen zu gefährlich ist«, sagt sie. Für viele Schülerinnen und Schüler aus Johannesburg wiederum, die nach Wangen kommen, ist es besonders eindrucksvoll, wie sorgenfrei und selbstbestimmt Jugendliche in Deutschland sich in der Öffentlichkeit bewegen können. »Viele von ihnen erleben das als große Freiheit«, hat Petra Stüber festgestellt. Alltagserfahrung im Township Dass einige der Allgäuer Jugendlichen überhaupt Alltagserfahrungen in einem Township machen können, verdanken sie dem Leitbild der DSJ. Seit vielen Jahren eröffnet die Schule Kindern aus unterprivilegierten Bevölkerungsschichten des Landes die Möglichkeit privater Schulbildung und unterstützt deren Familien finanziell. Bereits seit 1988 gibt es dazu die »Soweto-Klassen«, in die jedes Jahr 25 Kinder aus Grundschulen der früheren Siedlungen rund um Johannesburg, in denen Schwarze leben mussten, aufgenommen werden. In den Klassen 5 und 6 erhalten sie intensiv Deutschunterricht, um ab Klasse 7 in einigen Fächern am deutschsprachigen Unterricht teilnehmen zu können. Ziel ist es, dass sie später das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz erwerben. Außerdem erhalten 180 Schülerinnen und Schüler ein Stipendium. Wie dieses Konzept aufgegangen ist, auch das wollten die Schülerinnen und Schüler aus Wangen bei ihrem letzten Aufenthalt genauer wissen. Dazu bereiteten sie einen Fragebogen vor, den sie von ehemaligen Schülerinnen und Schülern der DSJ ausfüllen ließen. Die vielen Facetten des Alltags in Südafrika, die die Schülerinnen und Schüler aus Wangen kennenlernen und von denen sie anschließend den jüngeren Klassen auf einer Informationsveranstaltung berichten, tragen dazu bei, dass der Austausch auch im zehnten Jahr seines Bestehens am Rupert-Neß-Gymnasium auf ungebrochenes Interesse stößt. Für die rund 15 Plätze, die zur Verfügung stehen, gibt es deutlich mehr Interessierte. »Das Exotische spielt sicher bei einigen eine Rolle«, sagt Petra Stüber. Bei der Auswahl sind für sie aber andere Dinge entscheidend. »Wir möchten, dass die Schülerinnen und Schüler sich auch als gute Repräsentanten unserer Schule verstehen«, fügt sie hinzu. Wer am Austausch teilnehmen will, muss deshalb in einem Schreiben seine Motive erläutern und auch Engagement außerhalb des Unterrichts darstellen. Außerdem ist er verpflichtet, in den Monaten vor dem Besuch der Partnerschule an einer Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen. Dort setzt sich die Gruppe mit Geschichte und Kultur des Landes auseinander und recherchiert für Präsentationen. Das dient nicht nur der Vorbereitung auf Besuch und Gegenbesuch, sondern schweißt die Gruppe auch zusammen. »Die Schüler fiebern richtig darauf hin«, sagt Petra Stüber. Dass das Interesse an der Partnerschaft auch in Zukunft bestehen wird, davon kann angesichts eines solchen Engagements ausgegangen werden. Programm Schulen: Partner der Zukunft (PASCH) Projekttitel 1976 Schüleraufstände in Soweto ein Wendepunkt Partnerschulen Rupert-Neß-Gymnasium Wangen (Baden-Württemberg) Deutsche Internationale Schule Johannesburg Förderung 7.419 € Kontakt Petra Stüber m petra.stueber@rng-wangen.de 14

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