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Austausch bildet – Dezember 2019

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. Schwerpunkt der Dezember-Ausgabe ist das EU-Bildungsprogramm Erasmus+. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Erfahrungen 31 austausch

Erfahrungen 31 austausch bildet 30 voltaire Sprechen im Schlaf Als Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron am 22. Januar 2019 einen neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterschrieben, verfasste Maike Hansen eine Kurznachricht auf ihrem Twitterkanal. Hinter dem knappen Statement verbergen sich prägende Austauscherfahrungen und eine große Begeisterung für die französische Sprache. von maria birkmeir, pad W ie sie vor zehn Jahren Voltaire kennengelernt hat, weiß Maike Hansen heute noch genau: »Ich wollte einfach sehr gerne für längere Zeit ins Ausland. Gleichzeitig war mir aber klar, dass meine Eltern mir nicht für mehrere Tausend Euro ein High-School-Jahr in den USA finanzieren können. So entdeckte ich schließlich das Voltaire-Programm«, erinnert sich die heute 26-Jährige. In Ostdeutschland aufgewachsen, besuchte sie damals ein Gymnasium in Brandenburg unweit von Berlin. Dort lernt sie Französisch als zweite Fremdsprache ab der 7. Klasse. Vor dem Beginn der 9. Klasse überredet die damals 15-Jährige ihre Eltern, eine Bewerbung für das Voltaire-Programm des Deutsch-Französischen Jugendwerks einzureichen. Die stimmen zu unter der Bedingung, dass Maike sich mit ihrer Austauschpartnerin das Kinderzimmer teilen würde, beruht doch der Schüleraustausch mit Voltaire auf Gegenseitigkeit: Zuerst verbringt Léa, die ihr vermittelte Austauschpartnerin, ein halbes Jahr in Brandenburg, danach geht es für Maike ein halbes Jahr nach Frankreich. Ihr Klassenverband, erinnert sich Maike Hansen im Rückblick, nahm ihre Austauschpartnerin sehr freundlich auf. Léa spricht zuerst sehr wenig Deutsch, lernt aber innerhalb der sechs Monate, sich fast fließend zu verständigen. Auch ein Hobby aus Frankreich kann Léa fortsetzen: das Tanzen. »Meine Eltern haben es so organisiert, dass sie in einem Tanzverein mitmachen durfte.« Im Austausch treffen aber auch zwei unterschiedliche Lebenswelten aufeinander: Maike und ihre Familie fahren gerne mit dem Fahrrad und verbringen viel Zeit an der frischen Luft ihre Austauschpartnerin ist das von zu Hause nicht gewöhnt. Umgekehrt muss Maike sich erst einmal an den Lebensalltag im schicken Pariser Vorort Rueil-Malmaison gewöhnen, wo sie eine Abi-Bac- Klasse an einem renommierten Lycée besucht. »Ich hatte einen Schock, als ich dort ankam und dort Mädchen mit Designerhandtaschen für 400 Euro in die Schule gehen sah. Das war eine Dimension von Markenbewusstsein, die ich so nicht kannte«, erinnert sie sich. Auch im Schulalltag findet sie vieles anfangs ungewöhnlich etwa ein als »Muttiheft« bezeichnetes Büchlein: »Ich bin einmal nach zwei Freistunden etwas zu spät in die Schule gekommen. Da musste ich direkt mit diesem Cahier zu einer Stelle in der Schule, wo mir das dann eingetragen wurde. Den Eintrag musste meine Gastmutter dann gegenzeichnen. So eine Maßnahme erschien mir als 16-Jähriger ziemlich überzogen, denn ich war ja kein kleines Kind«, sagt sie. Im Nachhinein misst sie der Erfahrung dennoch eine Bedeutung zu. Immerhin habe sie damit besser nachvollziehen können, wie das Bildungssystem in Frankreich aufgebaut ist. Oft sind es auch kleine Alltagssituationen, in denen Unterschiede deutlich werden. »In meiner Familie ist es so, dass jemand mit einer schweren Erkältung eben ein, zwei Tage zu Hause bleibt und viel Tee trinkt. In Frankreich dagegen gibt man sehr schnell Antibiotika und geht dann zur Schule oder zur Arbeit zumindest in meiner Gastfamilie habe ich das so erlebt. Das gab schon die ein oder andere kleine Diskussion«, erinnert sie sich. Anschluss findet Maike während ihres Austauschs auch durch einen Chor, an dessen wöchentlichen Proben sie in einem Musikkonservatorium teilnimmt. Eine ihrer schönsten Erinnerungen ist das Weihnachtskonzert, bei dem sie auf Deutsch eines ihrer Lieblingsstücke singen darf: »Maria durch ein’ Dornwald ging«. Durch den Chor lernt sie zudem ihre Mitschülerin Noémie kennen. Obwohl die beiden fast drei Jahre Altersunterschied trennt, finden sie sich gegenseitig sympathisch, bleiben in Kontakt und sind heute noch befreundet. »Noémie war auch einmal in Berlin und hat meine Eltern besucht. Mittlerweile reise ich für meine Promotion regelmäßig nach Paris und wenn ich dort bin, dann versuchen wir uns immer zu treffen.« Die Zeit in Frankreich hat Maike als intensive Erfahrung in Erinnerung: »Der große Gewinn ist, dass man mit 16 Jahren noch sehr aufnahmefähig ist. Gleichzeitig ist man aber auch mitten in der Pubertät, was sehr anstrengend sein kann, sowohl für einen selbst als auch für die Familien.« Nach dem Abitur studiert Maike zunächst im Bachelor Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Literatur und Linguistik an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Sie entscheidet sich auch dafür, mit Erasmus+ ein Auslandssemester in Spanien zu verbringen. Obwohl sie ein ganzes Jahr bleibt, wird sie aufgrund ihres leichten Akzents im Spanischen immer wieder für eine Französin gehalten. So stellt sie letztendlich für sich fest: Ihre Lieblingssprache ist und bleibt Französisch. Nach dem Bachelor entscheidet sie sich deshalb, zum Masterstudium nach Saarbrücken zu wechseln: »Da kann man ganz einfach die Grenze passieren und schon ist man in Frankreich«, Über das Programm Das Voltaire-Programm ist ein einjähriges Austauschprogramm für deutsche und französische Schülerinnen und Schüler, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) in Kooperation mit dem Centre Français Berlin und dem PAD durchgeführt wird. Schülerinnen und Schüler der 8. bis 10. Klasse (Regelung je nach Bundesland) können sich online bewerben und bekommen einen gleichaltrigen Austauschpartner aus Frankreich zugeteilt. Gemeinsam besuchen beide ein halbes Jahr nennt sie ein für sie gewichtiges Argument. Mittlerweile ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Graduiertenkolleg »Europäische Traumkulturen« der Universität des Saarlandes angestellt und promoviert zum Thema »Sprechen in Schlaf«. Die Idee dazu kam ihr bei der Lektüre von »Le rêve de D’Alembert«, einem der wichtigsten Werke des französischen Philosophen Diderot: Beim Lesen fällt ihr auf, dass der Protagonist Alembert im Schlaf spricht. Diese Form der Kommunikation aus dem Traum heraus wurde als literarisches Phänomen bisher kaum erforscht. Auf eigene Initiative hin verfasst Maike ihre Doktorarbeit nicht auf Deutsch, sondern in französischer Sprache. Als Zweitbetreuerin dafür hat sie eine Literaturwissenschaftlerin aus Rennes gewinnen können. Wenn sie von ihrem Vorhaben in Fachkreisen erzählt, erntet sie oft skeptische Blicke. »Viele sagen zu mir: Ja, aber das wird doch nie so gut wie auf Deutsch! Sicher werde ich Abstriche machen müssen. Aber das ist es mir wert, wenn ich dafür die Chance habe, meine Französischkenntnisse nochmal auf wissenschaftlichem Niveau zu vertiefen.« Dass sie sich dies zutraut, dafür hat auch der Austausch mit Voltaire einen wichtigen Impuls gegeben: »Das ist eine Erfahrung, die man später schwer durch irgendetwas ersetzen kann. Um sich so intensiv mit einer Sprache und einer Gesellschaft auseinanderzusetzen, muss man als Erwachsener wirklich lange in einem Land leben.« Ob sie später in Deutschland oder Frankreich arbeiten möchte? Eine Antwort darauf fällt Maike Hansen im Augenblick schwer. Aber sprachliche Hürden wird sie wohl nirgendwo befürchten müssen. lang die Schule in Deutschland, danach findet der Gegenbesuch in Frankreich statt. Durch dieses Prinzip der Gegenseitigkeit fallen keine zusätzlichen Kosten an. Bewerbungen für das Programmjahr 2021 (jeweils Anfang März bis Ende Februar des Folgejahres) können in der Regel ab Juli 2020 online eingereicht werden. Weitere Informationen: https://centre-francais.de/de/schueleraustausch-frankreich

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