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Austausch bildet - Dezember 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Austausch trotzt Corona" lautet das Motto der Dezemberausgabe und zeigt, wie Schulen den Schüleraustausch trotz der Pandemie aufrechterhalten haben. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen. www.kmk-pad.org/shop

internationales

internationales prämienprogramm Deutschtandem gegen Covid-Langeweile »Für mich war ›Tandemweltweit‹ die zauberhafte Tablette gegen die Covid-Langeweile«, schreibt Borislav aus Bulgarien. Der 16-Jährige hatte sich bereits auf die Teilnahme am Internationalen Preisträgerprogramm gefreut. Nachdem es abgesagt werden musste, tauschte er sich online mit dem gleichaltrigen Emil aus. austausch bildet von maria birkmeir, pad S o hatte sich Emil Wachter sein letztes Schuljahr vor dem Wechsel ans Oberstufengymnasium in Eschwege nicht vorgestellt. Am Freitag, den 13. März, ging der Zehntklässler noch wie gewohnt in den Unterricht. Doch dann wurde am Nachmittag in einer Pressekonferenz des Kultusministeriums bekannt gegeben, dass ab Montag alle Schulen in Hessen geschlossen blieben. Ähnliches geschah zeitgleich rund 2 000 Kilometer entfernt in Kardzhali, einer Kleinstadt in Bulgarien, wo ein Ausnahmezustand verhängt wurde. Oder, wie es Borislav Enchev ausdrückt: »Die Welt ist fast stehen geblieben.« Der 16-Jährige besucht dort das Fremdsprachengymnasium »Hristo Botev« und war als einer der besten Deutschlerner seines Landes nach Sofia eingeladen worden, um an den Auswahlgesprächen für das Internationale Preisträgerprogramm teilzunehmen. Angesichts der Corona-Pandemie aber fielen die Preisverleihung und der Aufenthalt in Deutschland aus. Anstatt den Unterrichtsalltag in Deutschland kennenzulernen, ins Leben seiner Gastfamilie einzutauchen und mit anderen Preisträgerinnen und Preisträgern Sehenswürdigkeiten und Städte zu erkunden, musste Borislav zu Hause bleiben und sah sich mit ganz ungewohnten Vokabeln konfrontiert: Die Bedeutung und Rechtschreibung von »Quarantäne« und »Pandemie«, merkt er ironisch an, habe er dabei besonders nachdrücklich gelernt. Auch Emil erinnert sich an die Situation: »Meine Mutter hatte mir von der Möglichkeit erzählt, jemanden aus dem Prämienprogramm bei uns zu Hause aufzunehmen. Aber dann kam die Corona-Pandemie und das Programm konnte leider nicht wie geplant stattfinden. Stattdessen wurde mir angeboten, über ›Tandemweltweit‹ einen der Preisträger zu kontaktieren und ihn so näher kennenzulernen. Diese Idee gefiel mir und ich meldete mich dafür an.« Austausch auf Instagram Beide Jugendlichen füllten einen Fragebogen mit ihren Hobbys und Interessen aus und wurden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des PAD als 10

Schwerpunkt »Austausch trotzt Corona« 11 Tandempartner vermittelt. Über Instagram begannen sie, sich regelmäßig Nachrichten zu schreiben. »Verständlicherweise verfügt man jetzt über mehr Freizeit, weshalb unsere Hobbys im Mittelpunkt unserer Gespräche standen«, berichtet Borislav. »Ich zum Beispiel bastle gern Flugzeuge, während es Emil Spaß bereitet, zu rudern.« Emil war von den hervorragenden Deutschkenntnissen seines Austauschpartners überrascht: »Wir sind ja beide im gleichen Alter. Aber er schreibt auf Deutsch besser und blumiger, als es wohl die meisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler könnten. Offenbar geht er auf eine Schule für Jugendliche, die sehr begabt sind für Fremdsprachen. Ich habe den Eindruck, dass er später vielleicht Diplomat oder etwas in der Art werden könnte.« Computerspiele und Philosophiequiz Fremdsprachen sind nicht unbedingt Emils allergrößte Leidenschaft, sein Lieblingsfach ist Mathematik. Das wiederum hat er mit Borislav gemeinsam, ebenso wie die Begeisterung für Bücher. »Ich lese einfach das, was ich in die Finger bekomme. Vor allem mag ich die Harry-Potter-Bände, die habe ich schon drei- oder viermal gelesen«, erzählt Emil. Auch über Computerspiele tauschten sich die beiden 16-Jährigen aus und verrieten sich gegenseitig ihre Strategien und Tipps. Sie erzählten einander von ihren Erfahrungen mit dem Onlineunterricht und spielten gemeinsam ein anspruchsvolles Philosophiequiz auf der Onlineplattform Kahoot, das Borislav als Hausaufgabe im Deutschunterricht erstellen sollte. Für Emil, der vorher noch nie mit Jugendlichen aus Bulgarien Kontakt hatte, war der Austausch rückblickend eine interessante Erfahrung: »Klar wäre es cooler gewesen, wenn Borislav nach Eschwege gekommen wäre. Aber so war es auch nicht schlecht«, sagt er. Und Borislavs Resümee, das er dem PAD zugeschickt hat, verrät seine Begeisterung für Metaphern und die deutsche Sprache: »Da Corona uns den gewohnten Alltag, das Lachen und die Freiheit raubte, machten sich viele Menschen Gedanken darüber, wie sie Abwechslung in ihr Leben bringen könnten. Für mich persönlich war ›Tandemweltweit‹ die zauberhafte Tablette gegen Covid-Langeweile und Frust.« Für den Austausch mit Emil ist er deshalb sehr dankbar, gab dieser ihm doch eine gute Gelegenheit, trotz der Pandemie einen Jugendlichen aus Deutschland kennenzulernen. Und sein Fazit zum digitalen Austausch stimmt optimistisch: »Wir haben bewiesen, dass zwischenmenschliche Brücken problemlos online gebaut werden können.« Über das Internationale Preisträgerprogramm Sie kommen aus 90 Staaten weltweit und haben sich durch ihre ausgezeichneten Kenntnisse im Deutschunterricht ausgezeichnet: Rund 450 Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen lädt der PAD jedes Jahr als Preisträgerinnen und Preisträger zu einem vierwöchigen Aufenthalt nach Deutschland ein. In internationalen Gruppen in Städten wie Berlin, München oder Hamburg erleben sie dabei ein mehrtägiges Studienprogramm. Anschließend folgt ein vierzehntägiger Aufenthalt in einer Gastfamilie und der Besuch des örtlichen Gymnasiums oder einer Gesamtschule. In dieser Zeit besuchen die Jugendlichen speziellen Deutschunterricht und hospitieren im Unterricht der Gastgeschwister. Das Programm wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert und vom PAD koordiniert. Angesichts der Corona-Pandemie musste es 2020 abgesagt werden.

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