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Austausch bildet - Dezember 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Austausch trotzt Corona" lautet das Motto der Dezemberausgabe und zeigt, wie Schulen den Schüleraustausch trotz der Pandemie aufrechterhalten haben. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen. www.kmk-pad.org/shop

erasmus+ schulbildung

erasmus+ schulbildung Die Helfershelfer aus Bad Dürkheim Eine Fortbildung im Zuge eines Erasmus+ Projekts befähigt die Berufsbildende Schule Bad Dürkheim, Gesichtsmasken im 3D-Druck herzustellen. In der heißen Phase der Pandemie wurde die Schule dadurch zur Helferin in der Not. austausch bildet lebensgefährlichen Infektion zu schützen, indem es medizinisches Personal weit über die Stadtgrenzen hinaus mit Schutzmasken versorgt, wäre dem Team um Projektkoordinatorin Birgit Krauß anfangs nicht in den Sinn gekommen. Denn von »Corona« und seinen Folgen war damals noch nicht die Rede. Vielmehr sollten die Schülerinnen und Schüler sich in dem Projekt mit der Fertigungsmethode des 3D-Drucks auseinandersetzen, die in der höheren Berufsfachschule als advon arnd zickgraf A ls die Berufsbildende Schule (BBS) Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) im Herbst 2018 ihr Erasmus+ Projekt startete, konnte das niemand ahnen: Das Thema »Horizonte erweitern durch 3D-Druck in einem gemeinsamen Europa der Regionen« griff zwar eine aktuelle und zukunftsträchtige Thematik auf. Wie schnell es aber einmal dazu beitragen würde, vor der Ansteckung mit einer 12

Schwerpunkt »Austausch trotzt Corona« 13 ditives Fertigungsverfahren Teil des neuen Lehrplans für die Oberstufe ist. Außerdem war ein kultureller Austausch mit Partnern in Griechenland und Polen geplant. »Die Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, schnell ein gebrauchsfertiges Objekt herzustellen, ohne stundenlang am Schraubstock zu stehen«, sagt Ralf Buchert, Lehrer für Metalltechnik der BBS Bad Dürkheim. 3D-Druck friedlich nutzen In der Öffentlichkeit wird der 3D-Druck eher mit der Herstellung von scharf schießenden Plastikpistolen assoziiert. Die friedliche Nutzung des 3D-Drucks in Bad Dürkheim hingegen geht zurück auf eine durch Erasmus+ geförderte Lehrerfortbildung in Athen, die Birgit Krauß bei einer Recherche im Internet gefunden hatte. Die Studiendirektorin ist Schulleitungsmitglied und Koordinatorin der Erasmus+ Projekte an der BBS Bad Dürkheim. »3D-Druck ist eine Technologie, die sich sehr gut für den Menschen nutzen lässt und nicht nur gegen den Menschen«, sagt sie. Kennengelernt haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen das Verfahren während eines Austauschs mit der Partnerschule in Kluczbork in Polen. Dort wurden solarbetriebene Windrädchen mit 3D-Druck produziert. Um das erforderliche technische Knowhow und die dazugehörige Unterrichtsdidaktik zu erwerben, nahmen sie außerdem Anfang Dezember 2019 an einer Fortbildung in Athen teil. »3D-Printing: Fostering creativity to your students« lautete der Titel. Ihr Anbieter, die Initiative e-Nable Greece, engagiert sich für die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und Flüchtlingen. Mithilfe von 3D versorgt e-Nable Greece dabei körperlich beeinträchtigte Menschen mit Handprothesen, die aufgrund der neuartigen Drucker günstig hergestellt werden können. »Es war für uns ungewöhnlich, dass die ganze Fortbildung auf Englisch war. Wir haben an zwei von fünf Tagen Unterrichtsideen entwickelt, damit wir das erlernte Fachwissen in pädagogische Konzepte umsetzen konnten«, erläutert Stephan Meininger, Lehrer für Fachpraxis Elektrotechnik, der gemeinsam mit Ralf Buchert in Athen war. Überraschend schnell sollten Know-how und Unterrichtskonzepte zu 3D-Druck in der Stadt Bad Dürkheim gefragt sein. Als nämlich am 16. März 2020 in Deutschland laut Robert Koch Institut (RKI) insgesamt 6012 Infektionen mit dem Coronavirus zu verzeichnen waren und 13 Todesfälle gezählt wurden, mussten Schulen und Kitas in ganz Deutschland dicht machen, einschließlich der BBS Dürkheim. Das Erasmus+ Projekt aber lief weiter – die Lehrkräfte in Griechenland, Polen und Deutschland standen über soziale Medien in Kontakt. Ende März 2020 machte eine Jugend-forscht-Gruppe aus Neustadt an der Weinstraße bei Bad Dürkheim über Facebook auf sich aufmerksam: Sie benötige dringend Unterstützung bei der Produktion von Teilen für Schutzmasken mit 3D-Druckern. »Jeder wollte den Gesichtsschutz haben« »Ich war persönlich betroffen, weil meine Schwiegeroma im Altenpflegeheim ist und es dort weder Handschuhe noch Schutzmasken gab, um das Coronavirus aufzuhalten«, erzählt Stephan Meininger. Die Nachfrage nach den »Face shields« oder Gesichtsschutzmasken war dementsprechend enorm. »Jeder wollte einen haben«, sagt Ralf Buchert. Die neuen 3D-Drucker der BBS Bad Dürkheim liefen nachts durch. Am nächsten Morgen bauten Ralf Buchert und Stephan Meininger die gedruckten Plastikteile von Hand zusammen. »Während der Osterferien waren wir komplett in der Schule und haben Gesichtsschutze auch am Wochenende produziert. Wir sind auf etliche Hundert Stunden gekommen, die wir zusätzlich hier verbracht haben«, erzählt Stephan Meininger. >

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