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Austausch bildet - Dezember 2021

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Inklusion, Teilhabe, Vielfalt" lautet das Motto der Dezemberausgabe, die zeigt, wie Schulen und Kitas europäischen Austausch inklusiver gestalten und an Erfahrungen anderer Schulen in Europa teilhaben können. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen oder abonnieren. www.kmk-pad.org/shop

Erasmus+ Inklusion

Erasmus+ Inklusion Unterricht online verfolgt werden kann«, sagt sie. »Charlys« Weg ins Klassenzimmer ebnete dann eine Präsentation des niederländischen Rotary Club, der die Schule überzeugte. Bewährungsprobe bestanden Seine erste Bewährungsprobe trat schon kurz darauf ein, als Uta Steinel-Schrenk einen neuen Schüler in ihre Klasse bekam, der fünf Monate zuvor eine Knochenmarktransplantation hinter sich gebracht hatte und deshalb stundenweise durch Lehrkräfte zu Hause unterrichtet worden war. Die Besuche bei dem Jungen waren allerdings immer mit einem Risiko verbunden. Um aber den Unterricht nicht zu versäumen, kam der Telepräsenzroboter ins Klassenzimmer. Den Namen »Charly« gaben ihm die Schülerinnen und Schüler – in Anlehnung an den im Dom zu Aachen gekrönten Kaiser, aber auch deshalb, weil sich Jungen wie Mädchen so gleichermaßen mit ihm identifizieren können. Seitdem hilft er nicht nur am Inda-Gymnasium aus, sondern kommt auch selbst in Europa herum. Zu einem Projekttreffen wenige Tage vor dem ersten Lockdown Anfang 2020 fuhr er im Rucksack von Uta Steinel-Schrenk mit nach Turin. Dort stellte er sich nicht nur den Partnerschulen vor, die im inklusiven Unterricht ebenfalls neue Wege beschreiten wollen. Darüber hinaus sollte er die Schülerinnen und Schüler des Aachener Kurses »Antike Studien« mit seinen Augen durch das Ägyptische Museum in Turin führen. Mausbesuch im Klassenzimmer Da verwundert es nicht, dass eine solche Geschichte auch andernorts auf Interesse gestoßen ist – nämlich in Köln, wo die orangefarbene Maus eines bekannten Fernsehsenders wohnt und in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feierte. Und weil die Maus nicht einfach nur zurückblicken wollte, sondern unter dem Motto »Hallo Zukunft« aufregende Geschichten von Morgen suchte, wurde sie neugierig auf das Projekt in Aachen. So kam es, dass sich Maus-Moderatorin Jana Forkel im Oktober vergangenen Jahres mit Kamera und Mikro auf den Weg in die Stadt machte. Zwei Nachmittage schaute sie sich an der Schule um, nahm am Unterricht teil und besuchte Lotte. »Die Schülerinnen und Schüler fanden das alles toll«, erzählt Uta Steinel-Schrenk über den Besuch. Zugleich bekamen sie aber auch mit, welcher Aufwand in einem Drehbuch steckt und wie viel Zeit ein Filmteam für einen Clip benötigt, der dann im Fernsehen gerade einmal viereinhalb Minuten dauert. Spaß gemacht hat es trotzdem – vor allem als Jana und Lotte plötzlich mithilfe von »Charly« über den Lautsprecher im Schulgebäude verkündeten, dass heute ausnahmsweise die Hausaufgaben ausfallen. Programm Erasmus+ Schulbildung Projekttitel Be a Responsible Citizen in the Digital World of Tomorrow Beteiligte Schulen Inda-Gymnasium Aachen (Nordrhein-Westfalen) und Schulen in Finnland, Griechenland, Italien, Kroatien und Polen. Laufzeit September 2017 bis August 2020 austausch bildet EU-Zuschuss 59.800 € für die Schule in Deutschland Weitere Informationen www.erasmus-plus-bereci.com/en 10

11 Auf den Telepräsenzroboter jedenfalls möchte Uta Steinel-Schrenk nicht mehr verzichten. »›Charly‹ gibt uns die Möglichkeit, Kinder einzubeziehen, wenn sie zeitweise nicht am Unterricht teilnehmen können, und lässt sie durch sein Auge andere Orte entdecken«, fasst sie die Vorteile zusammen. Zu schätzen weiß sie zudem die neuen Kontakte – etwa zur Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, die einen Erfahrungsaustausch zum Praxiseinsatz des Telepräsenzroboters ermöglicht, aber auch zu anderen Schulen in der Umgebung, denen »Charly« leihweise zur Verfügung steht, wenn er am Inda-Gymnasium nicht gebraucht wird. Mit den Kolleginnen und Kollegen dort kann sie sich zu Fragen rund um inklusiven Unterricht austauschen. Und der Roboter rostet in dieser Zeit nicht ein. nachgefragt »Schnittstelle zu den Klassenkameraden« Das Liceo Albert Einstein in Turin ist Partner in dem Projekt. Ferdinando Cabrini unterrichtet dort Physik. Weitere Informationen www.ardmediathek.de/video/die-sendung-mit-dermaus/die-geburtstagssendung-mit-der-maus-hallozukunft-hoerfassung Was hat Sie an dem dahinterliegenden Konzept überzeugt? Die Idee hat mich sofort angesprochen und fasziniert, denn auch an unserer Schule haben wir jedes Jahr Schülerinnen und Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen häufiger fehlen müssen und damit Lernstoff verpassen, der wichtig für sie ist. Wie haben Sie »Charly« kennengelernt? Nachdem wir bei einem unserer Erasmus-Projekttreffen in Finnland über das Charly-Projekt gesprochen hatten, baten wir unsere deutschen Partner, Charly zu unserem kurz darauf stattfindenden Treffen in Turin mitzubringen. Wir wollten sehen, wie sich der Telepräsenzroboter einsetzen lässt, und haben ihn am IIS Albert Einstein ausprobiert. Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie an Ihrer Schule? Charly ist eine Schnittstelle zwischen dem Mädchen oder Jungen zu Hause, im Krankenhaus oder weit weg – und seinen Klassenkameraden und Klassenkameradinnen sowie der Lehrkraft. Wenn uns die Pandemie irgendetwas gelehrt hat, dann genau das: Die Teilnahme am Unterricht bedeutet die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, in diesem Fall zur Klasse. Der soziale Kontakt ist lebensnotwendig. Ob wir Charly einsetzen, ist bei uns noch im Entscheidungsprozess. Wir müssen sehen, wie er finanzierbar ist.

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