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Austausch bildet - Dezember 2021

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Inklusion, Teilhabe, Vielfalt" lautet das Motto der Dezemberausgabe, die zeigt, wie Schulen und Kitas europäischen Austausch inklusiver gestalten und an Erfahrungen anderer Schulen in Europa teilhaben können. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen oder abonnieren. www.kmk-pad.org/shop

Bei der Zusammenstellung

Bei der Zusammenstellung der Lerngruppen versuchten die Athener Freiwilligen, möglichst verschiedene Nationalitäten zusammenzubringen. So erhielten die Schülerinnen und Schüler eine Gelegenheit, Gleichaltrige aus anderen Ländern kennenzulernen, die ebenfalls Deutsch lernen. Die verschiedenen Zeitzonen machten die Planungen nicht immer einfach. Umso mehr zeigten sich die deutschen Freiwilligen von der Motivation beeindruckt. »Bei unseren Schülerinnen und Schülern aus Argentinien war es beispielweise sechs Uhr morgens, wenn sie zu meiner Sprechstunde kamen. Aber trotzdem waren sie dabei«, hat Pauline beobachtet. Auch Schülerinnen und Schüler aus China hätten nach einer langen Schulwoche freitags gegen Mitternacht noch an den Sprechstunden teilgenommen, obwohl der Zugang zur Videoplattform Zoom für sie manchmal schwierig herzustellen war. »Ich hatte eine sehr internationale Gruppe mit Schülerinnen und Schülern von vier verschiedenen Kontinenten. Das sprengt die Vorstellungskraft, weil man so weit voneinander entfernt ist und trotzdem irgendwie zur gleichen Zeit am selben Ort. Es sind ja auch komplett andere Kulturen. Aber alle haben dasselbe Ziel, nämlich auf Deutsch zu sprechen«, berichtet Matthäus. Neue Freundinnen in Armenien Für die Schülerinnen und Schüler war es spannend, Deutsch mit jungen Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern zu sprechen und mehr über deren Alltag in Deutschland zu erfahren. Umgekehrt sei es auch interessant gewesen, bei den Gesprächen etwas über die Herkunftsländer der Teilnehmenden zu lernen, berichtet Pauline: »Wir haben beispielsweise über Feiertage gesprochen und ich weiß jetzt, dass das orthodoxe Osterfest später gefeiert wird.« Zum Erfolg der Sprechstunden trug zudem bei, dass die Freiwilligen nicht als Lehrkräfte auftreten, die Noten vergeben. Stattdessen wollten sie einen Raum schaffen, in dem ihre Schützlinge sich ohne Prüfungsdruck auf Deutsch unterhalten können. Sie korrigierten zwar gelegentlich Fehler in der Aussprache, machten aber keine Grammatikübungen. »Aus der ersten Runde gibt es noch immer Leute, mit denen wir in Kontakt sind, weil sie so nett und motiviert waren«, sagt Pauline. Eine besonders enge Freundschaft entwickelte sich mit zwei Schülerinnen aus Armenien. Die beiden »kulturweit«-Freiwilligen Kathi und Katharina halten seit mehreren Monaten mit ihren neuen Freundinnen die Katharina Lasser, 18 Matthäus Adonis Schnell, 20 Katharina Huber, 19 Emke Henkelmann, 18 austausch bildet Pauline Voigt, 19 28

Erfahrungen 29 Verbindung und haben sich vorgenommen, bald auch für einen Besuch nach Armenien zu reisen. Da beim ersten Mal nicht alle Schülerinnen und Schüler mitmachen konnten, die sich angemeldet hatten, ging das Projekt bald in eine zweite Runde. Obwohl die Freiwilligen diesmal darum baten, nicht mehr als 15 Anmeldungen pro Schule zuzulassen, trafen 520 Steckbriefe bei ihnen ein. Als die Schulen in Athen dann wieder öffneten, waren die »Internationalen Deutsch-Sprech-Stunden« bereits so etabliert, dass sie weiterliefen. Sc hon seit zwei Jahren sind die Freiwilligen in Athen freitags für Projekte oder gemeinsame Ausflüge von der regulären Arbeit an ihrer jeweiligen Einsatzschule freigestellt – diesen Tag nutzen sie nun für die Onlinetreffen, oft mehrere hintereinander. Keiner aus der Gruppe hat es bisher bereut, während der Pandemie für einen Freiwilligendienst nach Athen gekommen zu sein. Im Gegenteil: Pauline und Matthäus hatten sich ursprünglich für sechs Monate beworben, haben ihren Aufenthalt dann aber bis Herbst 2021 verlängert. »Wir fanden es viel interessanter, hier im Lockdown zu sein. Man hat zwar nicht alle Möglichkeiten, aber es ist trotzdem ein anderes Land, eine neue Erfahrung und eine andere Kultur«, sagt Matthäus. Auch Pauline ist sehr froh, nicht direkt nach dem Abitur mit einem Studium begonnen zu haben. Nach ihrer Rückkehr möchte sie Medizin studieren – dann hoffentlich nicht mehr per Videokonferenz, sondern direkt im Hörsaal. Matthäus sieht das Projekt mit »kulturweit« als die »vielleicht größte Errungenschaft bislang in meinem Leben«. Auch er hat bereits ein passendes Studienfach für sich gefunden: Internationale Beziehungen. Weitere Informationen In Griechenland gibt es neben den Deutschen Schule in Athen und Thessaloniki zahlreiche Privatschulen, die ihren Schülerinnen und Schülern auch abschlussorientierten Unterricht in Deutsch als Fremdsprache anbieten – unter anderem in Athen und der Region Attika sowie auf Kreta und Rhodos. Es handelt sich sowohl um Grundschulen als auch um weiterführende Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz der Stufe I (DSD I) und zum Teil auch der Stufe II (DSD II) anbieten.

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