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Austausch bildet Juni 2015

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Das neue halbjährlich erscheinende Magazin des PAD löst "PAD aktuell" ab. In der Ausgabe Juni 2015 lesen Sie im Schwerpunkt "Europa plus" Beiträge über Partnerschaftsprojekte mit Schulen in Osteuropa und Anrainern am Mittelmeer. Weitere Themen sind Erfahrungen mit Erasmus+, mit dem deutsch-französischen Freiwilligendienst, mit dem German American Partnership Program (GAPP) und dem Austausch von Fremdsprachenassistenten.

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austausch bildet von martin finkenberger, pad Z weierlei schlechte Reisende gibt es: Der eine schleppt die in seinem Land üblichen Empfindungen und Maßstäbe überallhin mit, erhebt sie zur Norm und zum Kriterium und findet natürlich überall etwas zu kritteln. Für den anderen ist in der Fremde grundsätzlich alles besser«, notierte Jacques Decour im November 1930 in seinem Tagebuch. Kurz zuvor war der junge Franzose in Magdeburg eingetroffen, um dort am Domgymnasium ein Schuljahr als Fremdsprachenassistent zu verbringen. Dass er selbst vermeiden wollte, was er an manch einem seiner Zeitgenossen kritisierte, liegt nahe: »Was diesseits des Rheins wahr ist, kann jenseits falsch sein«, fügte er hinzu und empfahl seinen Landsleuten, im Ausland »auf allen nationalen Hochmut zu verzichten.« Ein solches Verhalten schien ihm nicht zuletzt angesichts der eigenen Wirkung angebracht, die er unter Schülern und Lehrkräften erwartete. Schließlich werde er »ihre Vorstellungen von den Franzosen für die nächsten zwanzig Jahre prägen.« Decours zeitlose Erkenntnisse finden sich in seinen »Aufzeichnungen«, die zwei Jahre später unter dem Titel »Philisterburg« in Frankreich erschienen sind. Der Germanistikstudent, der eigentlich Daniel Decourdemanche hieß, entstammte einer großbürgerlichen Familie aus Paris. Bereits als Schüler las er Heine und Nietzsche. Mit kaum 20 Jahren veröffentlichte er erste Kurzgeschichten im Verlag der »Nouvelle Revue Française« und übersetzte Stücke von Storm oder Goethe. Im Schuljahr 1930/31 kam er als Fremdsprachenassistent in »eine Stadt von 300.000 Einwohnern im Nordosten Preußens«, die bekannt sei für »Baumwolle, Gummiknüppel, Schokolade [und] Stahlhelme«, wie er schreibt. Da er das Domgymnasium ausdrücklich nennt, konnten kundige Leser daraus schnell auf Magdeburg schließen. Dort erweist er sich in den kommenden Monaten als genauer Beobachter des Alltags wie auch des Schulbetriebs. »Wir werden Köpfe rollen lassen«, hält er etwa in weiser Voraussicht eine Parole der nationalsozialistischen Propaganda fest, die er auf Kundgebungen hört. Dass er selbst sich auf einer Veranstaltung der NSDAP vom Taumel mitgerissen fühlte, verschweigt er nicht. Überliefert sind auch manch komische Eindrücke: »Ehrlich und ganz persönlich gesagt, kann ich den Anblick, den mir die Philisterbürger auf der Straße bieten, nicht schön finden«, klagt er. Nie zuvor habe er »so viele Verwachsene, Blinde und Epileptiker« gesehen. Auch die »körperliche Erscheinung vieler Preußen erscheint mir nicht schön«, heißt es. Decour hält sich jedoch an die Maxime, die er seinen Landsleuten auferlegt hatte, und fragt, weshalb er seinen Geschmack »zum Maßstab erheben« solle. Verschiedene Charaktere und Konzepte Differenziert ist sein Blick auf die Lehrer. Am Domgymnasium lernt er unterschiedliche Charaktere und deren Methoden kennen. Einer von ihnen ist Studienrat Dr. Apel, der Geschichte unterrichtet. Er möchte die Distanz zu den Schülern verringern und verzichtet darauf, sich in den »Lehrersessel« zu setzen. Schüler, erläutert er Decour sein pädagogisches Konzept, sollen lernen, »klar zu denken« und den »Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung« zu erkennen. »So vermittelt er nützliche Kenntnisse«, hält Decour fest. Den Gegensatz zu Apel verkörpert der Lehrer Jäger. Dessen stumpfsinnige Methoden erinnern ihn an die eigene Schulzeit: »Nicht ums Verstehen, sondern ums Wissen geht es«, urteilt Decour über den Unterricht. Ambivalent bleibt zudem sein Bild von Schulleiter Bär, der kurz vor der Pensionierung steht. Er vertritt reformpädagogische Ansichten, mit denen er Decour und einen englischen Assistenten bei einer Einladung in seine Wohnung vertraut macht: Verpönt ist ihm der Unterricht ex cathedra. Stattdessen solle der Lehrer »von seinem Stuhl herunter«, sich »unter die Schüler mischen und ganz familiär mit ihnen über die Lehrinhalte sprechen«. Zumindest in der Oberstufe dürften zudem »niemals Ohrfeigen« verteilt werden. Decours Beschreibung legt allerdings den Eindruck nahe, dass der Schulleiter die Augen vor den unheilvollen Verhältnissen verschließt, die in der Endphase der Weimarer Republik längst auch an der Schule wahrzunehmen sind. »Den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung erkennen.« 36

Zurückgeblickt 37 Illustrationen: Jeanette Corneille Sein Buch »Philisterburg« löste 1932 einen Skandal aus Foto: Domgymnasium Magdeburg Jacques Decour (1910 –1942) Dies zeigt sich an den Schülern, die Decour zum Gespräch zugeteilt werden: Anfangs sind sie »neugierig und argwöhnisch«. Zur ersten Stunde »kamen sehr viele«. Binnen vierzehn Tagen aber habe sich »ihre Zahl halbiert«. Am Schluss bleibt eine Handvoll übrig. Umso verblüffender ist ihre Selbstsicherheit, die Decour zu bemerken meint. »Mit 17 scheinen sie sich schon in allen Fragen festgelegt zu haben. Sie wissen ganz genau, was sie lieben und was sie verachten, und sie halten damit nicht hinter dem Berg.« Auf die Frage etwa, was sie von Heine halten, antwortet einer verächtlich: »Er ist Jude. Sein Talent hat nichts Deutsches. Er gehört nicht zu den Unseren.« Obgleich Decour die Namen der Lehrer verfremdet hat, lässt sich leicht herausfinden, wen er charakterisiert. Es überrascht deshalb nicht, dass »Philisterburg« einen Skandal auslöst, nachdem 1932 eine französische Sonntagszeitung einen Vorabdruck publiziert. Die Folgen bekommt Decour unmittelbar Ein Stolperstein gegen das Vergessen Vor dem Gebäude des Ökumenischen Domgymnasiums in Magdeburg erinnert seit dem 11. November 2014 ein Stolperstein an Jacques Decour. Der Franzose war 1930/31 als Fremdsprachenassistent an der Schule tätig. Nach seiner Rückkehr in seine Heimat berichtete er in dem Tagebuch »Philisterburg« über seine zwiespältigen Eindrücke von der Stadt und seine Erfahrungen im Unterricht und an der Schule. Als Angehöriger der Résistance wurde er 1942 festgenommen, an die Gestapo ausgeliefert und zum Tode verurteilt. Zu dem feierlichen Akt in Magdeburg angereist waren auch zwei ehemalige Schüler des Schriftstellers sowie Lehrerinnen und Mitglieder des Freundeskreises des Collège-lycée in Paris, das nach Jacques Decour benannt ist. Ein Stolperstein in Magdeburg erinnert seit November 2014 an Jacques Decour.

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