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Austausch bildet Juni 2016

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In dieser Ausgabe lesen Sie im Schwerpunkt mehr zu den Erfahrungen, die Schüler/-innen, Lehrkräfte und Studierende in deutsch-amerikanischen Austauschprogrammen des PAD machen konnten. Weitere Themen sind u. a. eine Lehrerfortbildung in Yad Vashem, europäische Projektarbeit gegen Schulabbruch und ein neues Forum zur Integration junger Flüchtlinge.

Erfahrungen 35

Erfahrungen 35 internationales preisträgerprogramm austausch bildet »Meine Zukunft liegt in der Mongolei« Ein »Türöffner« sei das Internationale Preisträgerprogramm für ihn gewesen, erinnert sich Ganbaatar Khurelbaatar aus Darkhan in der Mongolei. Denn als Schüler tat er sich anfangs schwer damit, Deutsch als Fremdsprache zu lernen. von martin finkenberger, pad D eutsch oder Englisch? Mit der Frage, welche Fremdsprache er als Schüler künftig lernen sollte, musste Ganbaatar Khurelbaatar sich nicht lange auseinandersetzen. »Meine Mutter hat das für mich entschieden, als ich neun Jahre alt war«, erinnert er sich. Dass er heute die Sprache perfekt beherrscht, war damals kaum abzusehen. »Denn bis zu meinem 16. Lebensjahr war es für mich sehr schwierig, Deutsch zu lernen«, fügt er hinzu. Die 19. Schule in der Industriestadt Darkhan rund 200 Kilometer nördlich von Ulan Bator, die Ganbaatar Khurelbaatar besuchte, war nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus mit Unterstützung aus Deutschland gegründet worden. Unter ihrem Leiter Önöriin Delger profilierte sie sich durch ihren Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern und Fremdsprachen. »Deutsch war aber keineswegs Mainstream«, sagt er heute. Die Eltern der meisten Schülerinnen und Schüler hätten Englisch bevorzugt. Anfangs sei es deshalb ihm auch keineswegs leicht gefallen, der Sprache größeres Interesse abzugewinnen. Dass es schließlich anders kam, führt er auf seine Teilnahme am Internationalen Preisträgerprogramm zurück. Ein »Türöffner« für seine weitere Entwicklung sei der vierwöchige Aufenthalt in Deutschland gewesen. Dabei sah es zunächst gar nicht so aus, dass er teilnehmen könnte. Beim schulinternen Wettbewerb hatte er nur den 2. Platz belegt. Als sich aber herausstellte, dass der Erstplatzierte schon einmal längere Zeit in einem deutschsprachigen Land gelebt hatte, was dem Reglement widersprach, rückte er auf. In der Hauptstadt Ulan Bator überzeugte er mit seiner schriftlichen Leistung und in einer Gesprächsrunde mit anderen Schülerinnen und Schülern die Kommission. Zur Promotion nach Weimar Das Programm führte ihn im Sommer 2003 nach Bonn, Berlin, München – und Bad Homburg im Hochtaunus. Zwar bedauert er, dass sein Sprachniveau seinerzeit nicht so fortgeschritten war, »um dem Unterricht immer folgen zu können«. Zu schätzen lernte er gleichwohl, dass es im Klassenzimmer »lockerer« als in seiner Heimat zuging – und sogar junge Männer mitunter sich einen Bart stehen lassen. »Hier habe ich eine andere Form von Freiheit kennengelernt«, erinnert er sich. Die vier Wochen in einer internationalen Gruppe und in seiner Gastfamilie seien eine »tolle Zeit« gewesen. Die anderen Schülerinnen und »Deutsch oder Englisch? Meine Mutter hat für mich entschieden.« Schüler kamen aus Bulgarien, Kanada, Portugal, Spanien, der Elfenbeinküste und Slowenien. Mit einigen von ihnen ist er heute noch auf Facebook vernetzt. Engen Kontakt hielt er nach seiner Rückkehr auch zu seinen Gastgeschwistern: Den älteren von beiden traf er unlängst in Berlin wieder. Den jüngeren, der derzeit in London lebt, will er im Herbst besuchen, wenn er zu einem wissenschaftlichen Workshop nach York auf die Insel reist. Dort stellt er Daten und Ergebnisse seiner Forschungen vor, die in seine Doktorarbeit einfließen sollen. Denn seit Oktober 2012 ist Ganbaatar Khurelbaatar wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Umweltforschung (UFZ) der Helmholtz-Gesellschaft in Leipzig und promoviert am Lehrstuhl für Siedlungswissenschaft der Bauhaus-Universität Weimar. In seiner Arbeit, Teil eines deutsch-mongolischen Forschungsprojektes zur Erschließung und Nutzung der Ressource »Wasser«, geht es vor allem darum, wie Abwässer sich aufbereiten lassen, um die darin enthaltenen Nährstoffe für schnellwachsende Pflanzen verwerten zu können. Mit solchen Fragen befasste er sich bereits während seines Bauingenieurstudiums an der Universität für Wissenschaft und Technik seiner Heimatstadt, das er 2011 abgeschlossen hat. Schon damals arbeitete er auch in internationalen Forschungsprojekten mit – seinerzeit mit einer Partnerinstitution in Japan. Immer wieder half er zudem deutschsprachigen Gastwissenschaftlern bei ihren Feldstudien vor Ort. »In Darkhan war ich wegen meiner Deutschkenntnisse bekannt und wurde oft um Hilfe gefragt, wenn es um Übersetzungen ging«. So kam auch der Kontakt zu seinem Doktorvater zustande. Als Ingenieur zurück in die Mongolei Wohin es ihn nach Abschluss seiner Promotion, die er für den Herbst plant, verschlagen wird, weiß Ganbaatar Khurelbaatar noch nicht. Gerne würde er in Deutschland oder Nordamerika weitere Erfahrungen in der Forschung und im Projektmanagement sammeln. Die Zukunft seiner jungen Familie – Frau und Über das Preisträgerprogramm Sie kommen aus 91 Staaten aller Kontinente und vertreten ihr Land unter den »Weltmeistern« im Deutsch lernen: Das Internationale Preisträgerprogramm des PAD ermöglicht jedes Jahr rund 500 besonders begabten Schülerinnen und Schülern einen vierwöchigen Aufenthalt in Deutschland. Qualifiziert haben sie sich in Auswahlwettbewerben, bei denen sie ihre exzellenten Deutschkenntnisse unter Beweis stellen konnten. In internationalen Gruppen erleben die Schüler/-innen ein umfangreiches Exkursions- und Kulturprogramm mit Gastschulaufenthalt, das ein authentisches und modernes Bild Deutschlands zwischen Rügen und der Zugspitze vermitteln soll. Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Auswärtigen Amtes. Sohn leben mit ihm in Leipzig – sieht er allerdings in der Mongolei. »Die Nachfrage nach Ingenieuren ist dort groß«, sagt er und verweist auf die geografische Nähe zu Sibirien, wo sich in der Wasserbewirtschaftung ähnliche Herausforderungen stellten. Dass er auch künftig in internationalen Projekten arbeiten möchte, in denen er seine Sprachkenntnisse einsetzen kann, versteht sich von selbst. Und allen Deutschschülerinnen und -schülern, die wie er gelegentlich daran zweifeln, ob sich die Mühen im Unterricht lohnen, muntert er mit seinen eigenen Erfahrungen auf: »Die Reise nach Deutschland nach sieben Jahren war für mich ein Wendepunkt – danach fing ich sogar an, selbst in dieser Sprache mit mir zu reden«, sagt er. Beim Lernen sollte man deshalb »niemals aufgeben«. Zur Person Ganbaatar Khurelbaatar, Jahrgang 1987, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig und promoviert an der Bauhaus-Universität Weimar. 2003 nahm er am Internationalen Preisträgerprogramm des PAD teil. 34

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