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Austausch bildet Juni 2017

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Die Zeitschrift "Austausch bildet" erscheint zwei Mal jährlich (Mai und November) und berichtet über den europäischen und internationalen Austausch im Schulbereich. Schwerpunkte vertiefen einzelne Programme oder Themen. Der Bezug der Zeitschrift ist kostenlos.

Schwerpunkt »Bildung

Schwerpunkt »Bildung für nachhaltige Entwicklung« 17 etwinning Schwimmende Häuser und Wasserflaschen, die an Bäumen wachsen austausch bildet Die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen (Nordrhein- Westfalen) ist im vergangenen Jahr für ihr europäisches Schulprojekt »Water means life« mit dem eTwinning-Qualitätssiegel ausgezeichnet worden. Aus dem beispielhaften Internetprojekt über die Ressource Wasser haben sich bereits neue Ideen entwickelt. von iris ollech B egonnen hat alles 2015 mit einem Klassenausflug in die Niederlande. Wenn dort der Meeresspiegel durch den Klimawandel weiter steigt, könnte das kleine flache Land irgendwann vom Ozean verschluckt werden. Dieses Szenario hatte Uwe Bugdoll im Kopf, als er nach einer Idee für sein nächstes eTwinning-Projekt suchte. Der 61-Jährige unterrichtet Mathematik und Technik an der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Oberhausen und hat viel Erfahrung mit Schulpartnerschaften im Netz. Schon seit 2008 arbeitet er eng mit Projektpartnern in Spanien und Polen zusammen. Dieser persönliche Kontakt war hilfreich, als die drei Lehrer zusammen etwas Neues wagen wollten. »Wir haben unsere Ideen ausgetauscht und uns dann auf das Thema Wasser geeinigt«, erinnert sich Uwe Bugdoll. Textaufgaben rund ums Wasser Mit seinen Schülerinnen und Schülern bastelte er im Technikunterricht Häuser so groß wie Schuhschachteln und verankerte sie in einem Teich. Dank eingebauter Sensoren konnten die Jugendlichen beobachten, wie sich die Häuser dem Wasserspiegel anpassten. Die 14- bis 16-Jährigen waren so begeistert von dem Projekt, dass sie vor weiteren Ideen nur so sprühten. Was ist Wasser? Wo kommt es vor? Woraus setzt es sich zusammen? Sie untersuchten die Bedeutung von Wasser für den menschlichen Körper, die Folge von Wasserknappheit und die Auswirkungen von Überschwemmungen. Das Projekt bot nicht nur Spaß, sondern auch eine Menge interessanten Lernstoff. Zum Beispiel für den Matheunterricht mit kreativen Textaufgaben zu naheliegenden Fragen: »Unser Körper besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Tom wiegt 80 Kilogramm. Wie viele Kilo davon sind Wasser?«, sollten die Schüler/-innen ausrechnen. Auch in Biologie, Chemie oder Sport wurde das Thema in den Unterricht eingebunden. Uwe Bugdoll empfand die fächerübergreifende Projektarbeit durchaus als Herausforderung: »Die Abstimmung im Kollegium verlangt Offenheit und Flexibilität. Das musste ich auch erst mal lernen«, sagt er. Gute Vorbereitung sorgt für Sicherheit Zudem erfordert jedes eTwinning-Projekt eine weitsichtige Planung. Die Termine für die Videokonferenzen mit seinen Partnern in der Nähe von Krakau und auf Teneriffa spricht Uwe Bugdoll lange im Voraus ab. Denn mal kommt ein Feiertag dazwischen, mal verabschiedet sich eine Schule bereits in die Ferien, während die anderen noch Unterricht haben. »Für die Durchführung benötigen wir ausreichend Zeit«, sagt er. »Ein solches Projekt innerhalb von zwei Monaten abschließen zu können, ist nicht realistisch«, ist seine Erfahrung. Alle sechs bis acht Wochen treffen sich seine Schüler/-innen mit den anderen Klassen live im Netz. Wenn dann die Leitung zwischen Deutschland, Polen und Spanien steht, ist das für alle immer aufregend. Noch lebhaft erinnert sich Uwe Bugdoll auch an Reaktionen während des ersten Projekts: »Meine Schüler standen schon eine Weile vor der Kamera, als plötzlich die Partnerschüler im Bild erschienen und „hello“ sagten. Da haben sich einige vor Schreck unter den Tischen versteckt.« Seitdem bereiten die jungen eTwinner/-innen für jede Videokonferenz ein Skript in der gemeinsamen Projektsprache Englisch vor und bestimmen einen, der es vorträgt. Nach und nach verlieren die Schüler/ -innen damit die Angst vorm Sprechen. »Weil sie wissen, dass ihnen Fehler nicht wie im normalen Unterricht angekreidet werden, und weil auch ihre Projektpartner Fehler machen«, so Uwe Bugdoll. Sogar eine Debatte im Oxford-Stil über das Für und Wider von Wasserkampagnen haben sie sich inzwischen zugetraut. Kühne Utopien erwünscht Wasser, Water, Woda, Agua – dass der Austausch zwischen Deutschland, Polen und Spanien bestens funktioniert, zeigen die phantasievollen Projektergebnisse. Um der Dürre in Afrika zu begegnen, wollten die Schüler/-innen Containerschiffe mit Wasser auf den trockenen Kontinent schicken, Sand gegen das kostbare Gut tauschen und auf Bäumen künftig Flaschen statt Früchte wachsen lassen. Kühne Utopien wie diese waren durchaus erwünscht. »Das Schöne bei eTwinning ist, dass wir nicht festgefahren sind«, meint Uwe Bugdoll. »Und wenn ich die Schüler nach zwei, drei Jahren wiedertreffe und sie sich daran erinnern, wie schön das war, dann ist bei denen sehr viel hängen geblieben«, freut sich der Projektleiter. Die Sachpreise im Wert von 300 Euro, mit denen die Wasseridee im vergangenen Jahr gewürdigt wurde, kann Uwe Bugdoll gut für sein neuestes eTwinning-Projekt verwenden. Was genau er vorhat, möchte er noch nicht verraten. Nur so viel: Die selbstgebauten Häuser aus dem Wasserprojekt sollen zu intelligenten Smart-Häusern umgerüstet werden. Ob dieser Beitrag zur Nachhaltigkeit ebenfalls preisverdächtig ist, darauf darf man gespannt sein, wenn im Herbst 2017 erneut die eTwinning-Qualitätssiegel verliehen werden. — Die Autorin ist Journalistin in Bonn. 16

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