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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Erfahrungen 29 austausch

Erfahrungen 29 austausch bildet von iris ollech A ls Barbara Klaaßen an der St. Marien-Schule in Moers im Herbst 2018 ein eTwinning-Projekt gegen Plastikmüll ins Leben rief, war es nur wenige Wochen her, dass eine damals unbekannte 15-jährige Schülerin in Stockholm erstmals für Klimaschutz demonstrierte. Heute ist Greta Thunberg weltberühmt. Als Grundschülerin hatte sie einen Film über Kunststoff im Meer gesehen und war alarmiert. Wo kommt der Plastikmüll her? Wie schädigt er das sensible Ökosystem? Was können wir tun, um die Welt für künftige Generationen zu schützen? Fragen, auf die nicht nur die junge Schwedin, sondern auch eine Gruppe Viertklässler aus Moers gemeinsam mit Partnerklassen in Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich Antworten suchte. »Das Thema war an unserer Schule bereits aktuell, bevor die Fridays-for-Future-Proteste begannen«, erinnert sich Barbara Klaaßen. Über den Europäischen eTwinning-Preis Der Europäische eTwinning-Preis würdigt Projekte, die als Beispiele guter Praxis besonders herausragen. Bewerben können sich Schulen, die zuvor das Europäische eTwinning-Qualitätssiegel haben. Die diesjährigen Preisträger in vier Alterskategorien und sieben Spezialkategorien wurde aus 932 eingereichten Projekten ermittelt. Unter dem Motto »Say no to plastic pollution« (SNOPP) wollte sie deshalb die 9- bis 10-Jährigen für das bedeutsame Thema sensibilisieren. Und plötzlich schien deren Welt vor allem aus Plastik zu bestehen: Vom Geodreieck über den Füller, vom Filzschreiber bis zum Beutel mit dem Pausenbrot. Alleine die Verpackungen der Schokoriegel, Saftflaschen und Kakaotüten, die die Kinder eine Woche lang im Klassenzimmer sammelten, füllten einen prallen Müllsack. »Wir wollten den Schülerinnen und Schülern das Thema ganz praktisch vor Augen führen«, so Barbara Klaaßen, »und dieser Plastikberg hat sie verblüfft.« Experiment im Schulgarten An ihrer Schule konnte die erfahrene eTwinnerin ihren Kollegen Hendrik Schmidt mit seiner 4. Klasse für das halbjährige Projekt begeistern. Damit das Motto »Sag Nein zur Plastikverschmutzung« mehr als ein Slogan wurde, waren Teamgeist und Kreativität der beiden gefragt. Ihr Erfolgsrezept beschreibt Barbara Klaaßen so: »Wir wollten das Umweltbewusstsein der Kinder schärfen, nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Spaß und Freude am Experimentieren.« Mit Schaufeln und Spaten zogen die Viertklässler an einem sonnigen Herbstmorgen in den Schulgarten und vergruben Plastik- und Alufolie, Konservendosen, Eierkartons, Holzstäbe und Kaffeepads. Kurz vor den Osterferien buddelten sie den Boden wieder auf und waren überrascht, wie unterschiedlich sich die Materialien zersetzt hatten. Und sie lernten, wie aus Müll schöne und praktische Dinge entstehen können. Aus den Böden von Plastikflaschen bastelten die Kinder Weihnachtssterne und erfreuten hungrige Vögel mit Futterglocken aus leeren Joghurtbechern. Upcycling-Ideen, die voll im Trend liegen, und mit denen sie auch ihre Familien inspirierten. Inspiration durch eTwinning Ein entscheidender Impuls für das Plastikprojekt ging von der University of North Carolina in den USA aus, mit der der eTwinning-Partner aus Großbritannien kooperierte. Das engagierte europäische Team erarbeitete dann Ideen, wie man das Thema kindgerecht und spannend aufbereitet. »Vom ersten Brainstorming bis zum erfolgreichen Abschluss haben wir uns bestens ergänzt«, sagt Barbara Klaaßen. Davon zeugt der rege Austausch der Lehrkräfte im TwinSpace. In dem geschützten Bereich des eTwinning-Portals stellten sie selbst produzierte Videos ein, berichteten über ihre Erfahrungen mit einer Mikroplastik-App und inspirierten die Partner zu gemeinsamen Aktionen. So beschlossen alle teilnehmenden Schulen, künftig weniger zu laminieren. Auch die Schülerinnen und Schüler tauschten sich auf der eTwinning-Plattform aus. Hier diskutierten sie in Foren, entwarfen mehrsprachige Fragebögen zum Plastikkonsum und tauschten Anregungen aus, die jeder aufgreifen kann. »Versucht es doch mal mit Stoffbeuteln«, war ein Tipp der Moerser Schüler, den ihre britischen Mitstreiter begeistert aufgriffen. Englisch als gemeinsame Projektsprache, das räumt Barbara Klaaßen ein, war für die Viertklässler allerdings eine große Herausforderung. Die entscheidende Vokabel aber klingt in den Sprachen aller vier eTwinning-Partner gleich: Plastik, plastic, plastique und plastyk. Dass weniger davon der Umwelt viel bringt, das haben die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Polen dank »SNOPP« noch besser verstanden. Die gesamte Projektdurchführung hat auch die Jury des Europäischen eTwinning-Preises überzeugt, sodass das Projekt in der Kategorie »Bürgerschaftspreis« ausgezeichnet wurde. Dieser Preis wird von den Koordinierungsstellen Deutschlands und Frankreichs gemeinsam gestiftet. — Die Autorin ist Journalistin in Bonn. nachgefragt »Rege Diskussionen« Barbara Klaaßen unterrichtet an der St. Marien-Schule Moers und hat seit 2009 zahlreiche Projekte mit eTwinning durchgeführt. Wie hat das Teamteaching mit Ihrem Kollegen funktioniert? Mein Kollege Hendrik Schmidt hat als eTwinning- Neuling frische Ideen eingebracht, die ich dank meiner langjährigen Projekterfahrung unterfüttern konnte. Erfolgreich war die Zusammenarbeit auch deshalb, weil wir die Klasse aufgeteilt haben. Durch die konzentrierte Arbeit in zwei Gruppen konnten wir einige Kinder an herausfordernde Aufgaben heranführen, wie die Auswertung einer Umfrage mittels Excel. Sie haben auch die Familien der Kinder eingebunden. Wie waren Ihre Erfahrungen? Zu Beginn befragten die Schülerinnen und Schüler aller Partner ihr privates Umfeld nach deren Einstellung zu Plastik und Umwelt. Schon dieser Fragebogen führte in den Familien zu regen Diskussionen. Im Laufe des Projekts trugen die Kinder Erfahrungen aus der Schule nach Hause und umgekehrt. Ein Kind brachte beispielsweise die Idee einer Mikroplastik-App ein. Im Rahmen der Evaluation beobachteten wir erfreut Einstellungsänderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und in deren privatem Umfeld. Wie profitieren Schülerinnen und Schüler generell von der europäischen Projektarbeit? Sie erweitern ihren Horizont. In unserer Schule haben wir Kinder mit Wurzeln in mehr als 15 Nationen. Die Projektarbeit ermöglicht ihnen, ihre persönliche Identität zu finden und auszudrücken. Gleichzeitig erkennen sie gemeinsame Interessen und Ideen und erfahren mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Diese Erweiterung der interkulturellen Kompetenz gelingt durch eTwinning hervorragend und nachhaltig. 28

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