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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Erfahrungen 37

Erfahrungen 37 nachgefragt »Von Fortbildungen im Ausland profitieren« Verena Michael ist Koordinatorin für europäische Projektarbeit an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Moers und Erasmus+ Moderatorin in Nordrhein-Westfalen. erasmus+ schulbildung austausch bildet Sie koordinieren seit 2018 die Projektarbeit mit Erasmus+ an Ihrer Schule. Haben Sie gezielt einen IT-Schwerpunkt gesetzt? Unser erstes Mobilitätsprojekt »Languages do IT« war gewissermaßen ein Test. Ich habe erst einmal gefragt, wer aus dem Kollegium überhaupt an Austausch interessiert ist und welche Themen aktuell wichtig sind. Dabei stellte sich schnell heraus, dass das Bilinguales Unterrichten und Medienpädagogik sind. Insgesamt waren 15 Kolleginnen und Kollegen bei europäischen Fortbildungen, unter anderem eine Schulsozialarbeiterin, mein Kollege Gökhan Yetisen und unser Schulleiter Rolf Grüter. Über die eTwinning-Plattform habe ich dann Partnerschulen für unser zweites Erasmus+ Projekt zum Thema »Schulgärten« gefunden. Welche Unterschiede haben Sie zwischen den europäischen Partnerschulen hinsichtlich des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht feststellen können? Unser Partner in der Slowakei, der das »App-in-den-Garten«- Projekt koordiniert, und Valencia sind beides iPad-Schulen. Sie sind uns deshalb in vielen Schritten voraus, auch beim WLAN. Wir haben in Moers leider immer noch kein LAN und Internet in den Klassenzimmern, weshalb wir offline mit den Apps arbeiten müssen. Ein Erfolg der Projektarbeit mit Erasmus+ ist aber, dass wir die digitale Lernplattform Moodle wieder bei uns an der Schule etablieren konnten. Das im Herbst 2019 gestartete Erasmus+ Konsortialprojekt »We can do IT together« haben Sie mit fünf Grundschulen in Moers beantragt. Was versprechen Sie sich davon? Ich habe als Erasmus+ Moderatorin gemerkt, dass viele Grundschulen sich nicht zutrauen, europäische Projekte zu beantragen. Unsere Gesamtschule hat deshalb als Konsortialführer ausgeholfen, sodass nun über 50 Lehrkräfte aller beteiligten Schulen von Fortbildungen im Ausland profitieren können. Aber wir möchten auch mehr Austausch und einen besseren Kommunikationsfluss zwischen den Schulformen: Beispielsweise sollen unsere Lehrkräfte auch einmal an einer Grundschule hospitieren können und umgekehrt. Ein langfristiges Ziel ist es, eine gemeinsame Bildungsplattform für alle Schulen in Moers aufzubauen dafür habe ich mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Dr. Gökhan Yetisen, Verena Michael und Rolf Grüter (v.l.n.r.) Foto: T. Prehm Erfolgreich spicken in Europa An der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hat europäischer Austausch nicht nur den Schulgarten zu neuer Blüte gebracht, sondern auch Inspiration im Lehrerzimmer gesät. von maria birkmeir, pad » H at Alex gespickt?« steht in der Sprechblase, daneben ist eine Lehrerfigur mit strengem Gesichtsausdruck zu sehen. Was jetzt? Die Wahrheit sagen und damit den besten Freund verraten? Oder besser lügen? Mohamed und sein Sitznachbar Sali überlegen. Auf dem iPad, das vor ihnen steht, lesen sie den Text und sehen die zu lösende Aufgabe als animierten Comic: Ein Junge muss sich entscheiden zwischen Lüge oder Wahrheit. Die beiden Sechstklässler beraten sich, schieben die Figur auf dem Touchscreen von rechts nach links, wägen mögliche Konsequenzen ab und schreiben ihre Antworten schließlich auf. Im Anschluss beginnt eine lebhafte Diskussion. »Man bekommt selbst eine schlechte Note, wenn man seinen Lehrer anlügt«, sagt Mehmet aus der dritten Reihe im Brustton der Überzeugung. Seine Mitschülerinnen und Mitschüler protestieren: »Nein, der Lehrer kann dich nicht dafür bestrafen, wenn du deinen Freund nicht verpetzt! Oder, Herr Yetisen?« Dr. Gökhan Yetisen muss ein bisschen schmunzeln denn diese Interpretation seiner Übungsaufgabe hat er so nicht ganz vorgesehen. »Praktische Philosophie« heißt das Unterrichtsfach, für das er eine eigene App entwickelt hat. Diesen Ethikunterricht besuchen alle Schülerinnen und Schüler, die nicht katholische oder evangelische Religionslehre belegen. »Die vorgesehenen Schulbücher finde ich aber für meine Klasse ungeeignet«, erklärt der promovierte Soziologe. »Die Texte sind oft zu lang und komplex, außerdem passen sie nicht zu dem, was die Kinder in ihrem Alltag an ethischen Fragestellungen erleben.« An die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Moers (Nordrhein-Westfalen) kommen Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen familiären Hintergründen und Voraussetzungen. Einige haben Deutsch erst als zweite Sprache gelernt, das Lesen und Schreiben längerer Texte fällt ihnen schwer. Hier setzt die von Gökhan Yetisen entwickelte App »PhiloWelt« an: Die darin enthaltenen Texte sind niedrigschwellig und visuell aufbereitet, sodass auch schwächere Schülerinnen und Schülern einen Lernerfolg haben. »Meine App wurde bereits mehr als 3000 Mal heruntergeladen und wird genutzt«, berichtet der Lehrer stolz. Das interaktive Lehrbuch hat die Schule auch überregional bekannt > 36

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