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Austausch bildet – Juni 2020

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis des internationalen Schulaustauschs. Schwerpunkt der Juni-Ausgabe ist der Epochenwechsel in Europa vor 30 Jahren. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen.

Fremdsprachenassistenzprogramm Über die Zusatzqualifikation 41 austausch bildet interview martin finkenberger, pad Frau Sippl, das International Office der Universität Regensburg bietet seit einiger Zeit die Zusatzqualifikation »UR Lehramt International« an. Worum geht es dabei? Das Angebot richtet sich an Lehramtsstudierende aller Fächer und Schularten, die ein Studium oder Unterrichtspraktikum im Ausland planen und die dabei erworbenen Schlüsselkompetenzen dokumentieren wollen. Zu den verpflichtenden Bausteinen gehören auch Seminare zur Vor- und Nachbereitung, die ihnen Handwerkszeug vermitteln sollen, um interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln und die Erfahrungen im Ausland anschließend reflektieren zu können. Die Zusatzqualifikation kann freiwillig erworben werden. Aus meinen eigenen Erfahrungen als Fremdsprachenassistentin in Spanien und Großbritannien ist mir in Erinnerung, dass ich gerne auf ein solches Angebot zurückgegriffen hätte. »Einmal am Tag blamieren festigt den Charakter«, lautet eine geflügelte Redewendung. Welche Situationen sind Ihnen aus Ihrer Zeit als Fremdsprachenassistentin in Erinnerung? Zu Beginn meiner ersten Fremdsprachenassistenzzeit in Spanien war ich, rückblickend betrachtet, sehr blauäugig. Es gab zwar nie eine Situation, in der etwas eskaliert ist, aber einige Momente, die mir bei einer entsprechenden Sensibilisierung vielleicht erspart geblieben wären. Unsere effiziente Art und manchmal lautstarke direkte Kommunikation kann Menschen in anderen Kulturkreisen ja vor den Kopf stoßen. Und manchmal sind es einfach sprachliche Missverständnisse durch eine falsche Betonung gewesen. Die Vokabeln, um die es dabei geht, merkt man sich ein Leben lang. Sie waren nach dem Ersten Staatsexamen ein zweites Mal mit dem PAD im Ausland diesmal in Großbritannien. Was hat sie abgehalten, sofort ins Referendariat einzusteigen? Mir war immer sehr wichtig, dass ich beide Fremdsprachen, die ich unterrichten würde, sicher beherrsche. Ich konnte mir zudem nicht vorstellen, etwas über eine Kultur zu vermitteln, die ich selber nicht genauer kenne. Es fällt einfach leichter, Schülerinnen und Schüler zu motivieren, wenn ich als Lehrerin aus eigener Erfahrung weiß, worüber ich spreche. Und man gewinnt im Unterricht an natürlicher Autorität, wenn man eine Fremdsprache fließend spricht. Zudem wollte ich noch mehr Unterrichtserfahrung sammeln. Nachdem ich als Fremdsprachenassistentin in Spanien gute Erfahrungen mit dem PAD gemacht hatte, habe ich mich noch mal für das FSA-Programm entschieden. Der Ernst des Lebens mit dem Referendariat kam dann sowieso früh genug. Gleichwohl geht der Trend zu kürzeren Programmen. Was spricht aus Ihrer Sicht für einen sechsoder gar achtmonatigen Auslandsaufenthalt? In meiner Beratung bekomme ich von Studierenden oft zu hören, sie hätten keine Zeit, weil sie ihr Studium schnell abschließen wollten. Es ist sicher richtig, dass Studierende heute einem stärkeren Druck ausgesetzt sind. Die längere Laufzeit gibt einem aber viel mehr Chancen, den Alltag und das Schulleben in einem ganz anderen Bildungssystem richtig kennenzulernen. Beim Programm für Fremdsprachenassistenzkräfte liegt ein Vorteil sicher auch darin, dass vor Ort Strukturen bestehen, die einen unterstützen. Viele Schulen nehmen ja regelmäßig jemanden auf. Und das Stipendium, auch ein wichtiger Punkt, empfand ich als auskömmlich. Mir blieb jedenfalls immer genug übrig, um im Land umherzureisen. In dieser Kombination fand ich das Programm perfekt. Wenn Sie Schule und Unterricht in beiden Ländern vergleichen welche Unterschiede haben Sie wahrgenommen? Meine Einsatzschulen in Großbritannien, zwei Sekundarschulen, lagen in Harrogate, einem schmucken Kurort in North Yorkshire, unweit von Leeds. Die Schüler dort kamen zumeist aus wohlhabenden Familien. Einige waren auch sehr ehrgeizig, weil sie später in Oxford oder Cambridge studieren wollten. Entsprechend groß war ihre Motivation, die mir die Arbeit sehr angenehm gemacht hat. Gerade in der Oberstufe wurde ich oft in Kleingruppen eingesetzt, wo die Themen zwar vorgegeben waren, ich die Stunde aber frei gestalten konnte. Wir haben dann zum Beispiel grammatikalische Phänomene untersucht oder, zur Vorbereitung auf mündliche Prüfungen, an der Aussprache gearbeitet. Die Arbeit in diesen Kleingruppen lief immer sehr gut, was sicher auch daran lag, dass die Schülerinnen und Schüler in mir keine Autoritätsperson sahen, die Noten verteilt, sondern eher eine Freundin, mit der sie normal sprechen konnten. Und in Spanien? Hier war ich an die Escuela Oficial de Idiomas (E.O.I.) in Segovia in Kastilien und Léon vermittelt worden. E.O.I.s sind staatlich geförderte Sprachschulen in Spanien, die allen Interessierten offenstehen. Der Unterricht lässt sich deshalb eher mit Erwachsenenbildung vergleichen, was anfangs für mich eine Herausforderung bedeutete. Aufgrund der vorgegebenen Lehrpläne war ich hier meist eine Art sprechendes Wörter- und Grammatikbuch, konnte mich aber kaum eigenständig im Unterricht einbringen, was sicher auch daran lag, dass ich seit längerer Zeit die erste FSA in Deutsch an dieser Schule war. Ausnahmen waren ein Konversationskurs für Fortgeschrittene und ein »Deutschstammtisch«, bei denen ich eigene Themen verwirklichen konnte. Worüber wurde denn am Stammtisch gesprochen? Ich habe versucht, allgemeine Fragen zu formulieren, damit jeder mitsprechen konnte, zum Beispiel: »Welche Bedeutung hat die Familie in Die Zusatzqualifikation »UR Lehramt International« wurde im Rahmen des Projekts »Kooperative Lehrkräftebildung Gestalten 2« (KOLEG2) eingeführt, das durch die »Qualitätsoffensive Lehrerbildung« des Bundes und der Länder gefördert wird. Mehr Informationen www.uni-regensburg.de/koleg/qualitaetsoffensivelehrerbildung/index.html Deutschland im Vergleich zu Spanien«? Das war aber nicht immer einfach, weil die Schülerinnen und Schüler über sehr unterschiedliche Deutschkenntnisse verfügten und, offen gesagt, nicht ganz so diszipliniert waren, wie ich es mir erhofft hatte. Wie sah die Integration im Alltagsleben aus? Segovia ist zwar nicht sehr groß, hat aber eine Universität, sodass ich schnell Anschluss zu anderen Studierenden gefunden habe. In Harrogate war es etwas schwieriger. Hier waren es vor allem einige der jüngeren Fremdsprachenlehrer und die Fremdsprachenassistenzkräfte aus anderen Ländern, mit denen ich mich angefreundet habe. Allgemein gesagt ist es wichtig, das eigene Schneckenhaus zu verlassen und offen auf andere zuzugehen. Natürlich ist aller Anfang schwer und man muss Geduld mitbringen. Aber gerade in den kleineren Städten sind die Menschen oft neugierig und aufgeschlossen. Zur Person Ruth Sippl, Jahrgang 1987, hat Englisch und Spanisch auf Lehramt studiert und berät heute im International Office der Universität Regensburg Lehramtsstudierende, die einen Auslandsaufenthalt planen. 2009/10 war sie Fremdsprachenassistentin in Spanien, 2013/14 in Großbritannien. 40

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