Aufrufe
vor 2 Wochen

Austausch bildet - Juni 2021

  • Text
  • Projekt
  • Programm
  • Bildet
  • Erfahrungen
  • Europa
  • Schule
  • Deutschland
  • Menschen
  • Schulen
  • Austausch
Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Das Plus für Schulen" lautet das Motto der Juniausgabe, die zeigt, welche Erfahrungen Schulen und Kitas mit dem europäischen Bildungsprogramm Erasmus+ sammeln. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen. www.kmk-pad.org/shop

Forum »Ich lege allen

Forum »Ich lege allen jungen Menschen einen Austausch ans Herz« Wer Austausch auf zivilgesellschaftlicher Ebene fördert und jungen Menschen Begegnungen ermöglicht, investiert in seine eigene Zukunft. austausch bildet von martin richenhagen D ie transatlantischen Beziehungen haben in den letzten Jahren, zumindest auf politischer Ebene, eine schwierige Phase durchgemacht. Dies war in fast allen europäischen Staaten zu beobachten und gilt auch für das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland. Intensive persönliche Beziehungen der Staatsoberhäupter, die sich im engen Vertrauen widerspiegeln, haben in Krisenzeiten oft die Zerwürfnisse und Meinungsunterschiede zweier Nationen überbrücken können. Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel unterhielt trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen ausgezeichnete Beziehungen zu Präsident George W. Bush und nach einer anfänglichen Überbrückungszeit mit Präsident Barack Obama. Wenn dieses Vertrauen nicht mehr besteht, wird es oft schwieriger für ein Land, enge Beziehungen auch auf untergeordneten Ebenen zu unterhalten. Doch gerade dann, wenn ein Tiefpunkt erreicht ist, muss investiert werden. Anleger kaufen Aktien, wenn der Preis niedrig ist, nicht wenn er einen Höchststand erreicht hat. Das lässt sich auch auf die transatlantischen Beziehungen übertragen. Die Deutschen sind sich seit Langem einig, dass sie den Vereinigten Staaten von Amerika viel zu verdanken haben, vor allem im Hinblick auf die Entwicklung ihres Landes zu einer starken Demokratie. Obwohl es immer antiamerikanische und antikapitalistische Strömungen gab, blieb die Mehrheit der deutschen Bevölkerung den USA zugeneigt. Menschen, die in die USA ausgewandert sind oder dort ein Schuljahr oder Semester verbracht haben, wurden bewundert und beneidet, nicht zuletzt für ihren Mut, in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben. Der Kontakt zur deutschen Heimat blieb dabei natürlich bestehen und so wurden die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf ganz persönlicher Ebene gepflegt. Dies gilt ebenso für kulturelle oder schulische Aufenthalte im jeweils anderen Land. Wer sich dabei in das Leben der einheimischen Bevölkerung integriert, der bildet sich nicht nur, sondern wird auch geprägt – meistens für das ganze Leben. Solche Erfahrungen erweitern nicht nur das Verständnis gegenüber dem Gastland und dessen Kultur, sondern auch für das eigene Selbstverständnis und Herkunftsland mit seinen Traditionen. Das Schöne an einem solchen Austausch ist, dass beide Seiten davon profitieren. Nicht umsonst geht es um »tauschen«. Der Austauschschüler oder die Austauschschülerin nimmt nicht nur auf, sondern gibt auch etwas ab. Eine wunderbare Sache, die ich selbst als junger Mensch erfahren durfte und von der auch meine Kinder profitieren konnten – und die ich als ehemaliger Theologie- und Französischlehrer, aber auch als Unternehmer jedem jungen Menschen ans Herz legen würde. 28

Forum 29 Beziehungen mit Tradition und Bestand Die USA und Deutschland hatten schon immer mehr gemeinsam, als sie trennte. Allem voran ist beider Ziel eines demokratischen Friedens zu nennen – und das seit nunmehr 75 Jahren. Beide Staaten orientieren sich an den gleichen ethischen Grundwerten und stehen grundsätzlich für Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung, die Verteidigung der Menschenwürde und leistungsstarke Institutionen. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen, dies zu betonen ist mir besonders wichtig, waren immer stark. Viele Amerikaner haben zudem deutsche Wurzeln, sind stolz darauf und pflegen Beziehungen zum Herkunftsland. All dies hat zur Folge, dass selbst dort, wo auf politischer Ebene das Verhältnis angespannt ist, die amerikanische Bevölkerung sich Deutschland, den Deutschen und deren Traditionen mehr denn je zugewandt fühlt. Und gleichermaßen galten die USA schon immer als Vorbild für Deutschland – durch ihren Innovationsreichtum genauso wie durch die erfolgreiche Integration und Akzeptanz von Einwanderern aus aller Welt. An diese Werte und die gemeinsame Geschichte gilt es, anzuknüpfen und einer Entfremdung entgegenzuwirken. Austauschprogramme wie das German American Partnership Program (GAPP) leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Als Unternehmer weiß ich, dass Investitionen nicht nur kurzfristig Vorteile bieten, sondern auch langfristig von Bedeutung sind. Genauso verhält es sich mit Erfahrungen, die junge Menschen im Ausland machen und von denen sie noch Jahrzehnte später profitieren. Gesellschaftliche Konflikte und die Polarisierung, die in beiden Ländern verbreitet sind, entstehen nicht zuletzt aufgrund von Engstirnigkeit und Intoleranz. Wenn möglichst viele junge Menschen aber die Gelegenheit haben, eine andere Perspektive kennenzulernen, führt das auch dazu, sich mit sich selbst und seinem eigenen Land intensiver auseinanderzusetzen. Der kritische Dialog und das Hinterfragen eigener Überzeugungen sind Grundsätze enger und erfolgreicher Beziehungen starker Demokratien – zumal vor den vielfältigen Herausforderungen: zunehmender Populismus, eine Abwendung von Institutionen oder der Klimawandel, um nur einige zu nennen. Deutschland ist ein Teil der amerikanischen Geschichte und gehört zu den wichtigsten Partnerstaaten der USA auf der Welt. Eine Abkehr von dieser Partnerschaft hätte global schwerwiegende Konsequenzen. > »Austausch ist eine wunderbare Sache, die ich selbst als junger Mensch erfahren durfte – und die ich als ehemaliger Theologie- und Französischlehrer, aber auch als Unternehmer jedem jungen Menschen ans Herz legen würde.«

Publikationen

Folgen Sie dem PAD