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Austausch bildet - Juni 2021

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Das Plus für Schulen" lautet das Motto der Juniausgabe, die zeigt, welche Erfahrungen Schulen und Kitas mit dem europäischen Bildungsprogramm Erasmus+ sammeln. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen. www.kmk-pad.org/shop

Ich heiße Ich komme aus

Ich heiße Ich komme aus Ich unterrichte Ekaterina Todorenko Irkutsk an der Schule mit erweitertem Unterricht Nr. 64 austausch bildet Weshalb haben Sie sich für das Weiterbildungsprogramm beworben? Ich muss eingestehen, dass meine Motivation zum Deutschunterrichten ein wenig geschwunden war, was mich in meiner Arbeit und Kreativität gebremst hat. Ich habe deshalb neue Ideen und Impulse gesucht und mir erhofft, durch die Weiterbildung wieder Inspiration zu finden. Was haben Sie gelernt, was Sie künftig in Ihrem Deutschunterricht einsetzen können? Ich war überwiegend im Bereich Deutsch als Zweitsprache eingesetzt und habe dabei vor allem Einzelarbeit mit Schülerinnen und Schülern gemacht. Grammatische Strukturen, Besonderheiten der deutschen Sprache oder unklare Wörter kann ich seitdem viel besser erklären. Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen neuen Methoden, um die Schülerinnen und Schüler zum Sprechen zu bringen. Wenn Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen in Irkutsk das Programm in wenigen Sätzen beschreiben sollten: Was würden Sie besonders hervorheben? In erste Linie hat mich das Programm auf beruflichem Gebiet motiviert, weil ich viele Ideen für die künftige Arbeit im Deutschunterricht entdecken konnte. Hinzu kommen meine verbesserten Deutschkenntnisse, da habe ich Riesenschritte gemacht. Ein schönes Erlebnis ist auch, ein Jahr den Alltag in Deutschland zu erleben und im Bereich Landeskunde Erfahrungen zu machen, die nicht aus dem Schulbuch stammen. Ekaterina Todorenko war mit dem Weiterbildungsprogramm an Das Programm war allerdings auch eine große persönliche der Gemeinschaftsschule Saarbrücken Dudweiler Herausforderung (Saarland). für mich. Jetzt weiß ich, dass ich mehr schaffen kann und will. Welche typische Redewendung nehmen Sie mit zurück? 2020 war ein besonderes Jahr. In Erinnerung bleibt leider die Aussage »Abstand halten«. Aber immerhin lief der Schulbetrieb, wenn auch mit vielen Veränderungen und Begrenzungen, weiter. Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Welches Bild über Deutschland und »die Deutschen« mussten Sie korrigieren? Ich habe immer gedacht, die Deutschen seien zurückhaltend und distanziert. Aber das ist wirklich nicht so. Ich habe immer große Unterstützung und Hilfe von meinen Kolleginnen und Kollegen erhalten. Eine große Überraschung war für mich allerdings, dass sogar die Deutsche Bahn manchmal Verspätungen hat. 40

41 Erfahrungen Foto: Holm Huber Ich heiße Ich komme aus Ich unterrichte Irina Vernikovskaia Omsk seit 2002 Deutsch an der Allgemeinbildenden Schule Nr. 73 Weshalb haben Sie sich für das Weiterbildungsprogramm beworben? Meine Schüler haben mich im Deutschunterricht oft gefragt, ob ich auch mal in Deutschland gewesen bin. »Na klar«, hätte ich gerne geantwortet, aber »noch nicht« musste ich sagen. Das hat dann zu enttäuschten Blicken geführt. Weil die Schüler so neugierig sind und ich etwas erfahren wollte, was sich nicht im Lehrbuch findet, habe ich mich beworben, nachdem eine Kollegin mir das Programm empfohlen hatte. Wenn mich künftig Schüler fragen, kann ich jetzt nicht nur mit »Ja« antworten, sondern auch viel über Deutschland erzählen. Was haben Sie gelernt, was Sie künftig in Ihrem Deutschunterricht einsetzen können? Wegen der Coronapandemie konnte ich leider nicht in dem Umfang hospitieren, wie es geplant war. Außerdem wäre es ideal gewesen, wenn es in der Schule auch DaF- und DaZ-Unterricht geben hätte, den ich mit großem Interesse beobachtet hätte. Dennoch war es schön, dass ich in fast allen Fächern hospitieren konnte. Und in meinem künftigen DaF-Unterricht kann ich einige Methoden einsetzen, die hier angewendet werden. Mir haben vor allem die Techniken der gegenseitigen Bewertung gefallen, zum Beispiel die geheime Abstimmung durch Gruppen, aber auch Wortschatzspiele. Wenn Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen in Omsk das Programm in wenigen Sätzen beschreiben sollten: Was würden Sie besonders hervorheben? Es ist eine der schönsten Möglichkeiten, Deutschland und das Schulwesen hierzulande näher kennenzulernen und eigene Erfahrungen zu machen, denn: Lieber etwas einmal mit eigenen Augen sehen, als 100 Mal jemanden darüber sprechen hören. Irina Vernikovskaia war mit dem Weiterbildungsprogramm an der Marguerite Friedlaender Gesamt schule Halle (Sachsen-Anhalt). Welche typische Redewendung nehmen Sie mit zurück? »Frau Vernikovskaia«, denn anfangs konnte ich gelegentlich nicht sofort meinen Namen erkennen und dachte, dass nicht ich gemeint sei. In Russland wird eine Lehrkraft nach dem Vornamen und dem Vatersnamen genannt. Meine Schüler in Omsk sagen also Irina Alexandrowna zu mir. In Deutschland dagegen kennen viele Schüler den Vornamen ihrer Lehrer gar nicht. Aber wenn die Schüler der 6. Klasse auf dem Schulhof »Frau Vernikovskaia, wir wollen Bächlein spielen« gerufen haben, ließ das mein Herz schmelzen. Das vergesse ich nie. Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Welches Bild über Deutschland und »die Deutschen« mussten Sie korrigieren? Eindeutig die »Deutsche Pünktlichkeit«. Nicht alle Men schen, Züge, Busse oder Briefe treffen rechtzeitig ein.

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