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Austausch bildet - Juni 2022

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Das Magazin „Austausch bildet“ des PAD veröffentlicht Beiträge zur Praxis im internationalen Schulaustausch. "Das mehr im Plus" lautet das Motto der Juniausgabe, die zeigt, welche Möglichkeiten Erasmus+ bietet und welche Erfahrungen Schulen und Kitas mit dem europäischen Austausch sammeln. Sie können das Heft kostenlos im PAD-Webshop bestellen oder abonnieren. www.kmk-pad.org/shop

erasmus + du =

erasmus + du = geburtstag Gut gereift Das Programm Erasmus feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Im Bereich der Schulbildung ist das Interesse weiterhin ungebrochen. Zu hoffen bleibt, dass Erasmus »nach Corona« schnell seine volle Dynamik entfalten kann. 2022 von dr. thomas spielkamp, pad W as schenkt man eigentlich zum 35. Geburtstag? In diesem Alter ist die Jugend zumindest entfernt noch spürbar, wenn auch die eigenen Perspektiven sich gewandelt haben und den Abstand deutlich erkennen lassen. Und man erinnert sich noch lebhaft an die große Party fünf Jahre zuvor. Was also wäre angemessen als Geschenk – eine wertige Flasche Rotwein oder doch ein gutes Buch über das Sein an sich und die Möglichkeiten, sich an der Verbesserung der Welt zu beteiligen? Sicherlich käme niemand auf die Idee, als Geburtstagsgeschenk den »Programmleitfaden« zum EU-Programm Erasmus+ in der neuesten Auflage 2022 zu überreichen. Das »Buch« ist mit 474 Seiten einfach zu dick und schreckt wegen seines Umfangs ab, obwohl es hier letztlich auch – gleichwohl sehr indirekt – darum geht, Europa mitzugestalten und die Welt damit ein Stück weit zu verbessern. Gegenüber seinen Vorläuferversionen ist diese Neuauflage allerdings lesbarer geworden und der Wille ihrer Verfasser zu spüren, hier tatsächlich bürgernah zu formulieren. Und wenn man dieses neue Opus in den Händen hält, fällt einem dann schlagartig wieder ein, dass die Erstausgabe dieses sperrigen Werks tatsächlich schon vor 35 Jahren erschienen ist. Das Erasmus-Programm für den Hochschulbereich – als Akronym abgeleitet aus der Bezeichnung »EuRopean Community Action Scheme for the Mobility of University Students« – wurde erstmals im Jahr 1987 aufgelegt und feiert in diesem Jahr seinen 35. Geburtstag. Dass im Jahr 2021 eine neue Programmgeneration begonnen hat, ist dabei wegen der Coronapandemie deutlich in den Hintergrund getreten. Aber wie steht es eigentlich heute um Erasmus und was verspricht der Ausblick in die Zukunft? Dachmarke Erasmus+ austausch bildet 1987 2017 2007 1997 Erasmus+ in der Laufzeit von 2021 bis 2027 ist die zweite Programmgeneration unter dieser Bezeichnung. Schon 2014 wurden sämtliche EU-Förderlinien aus den Bereichen Bildung, Jugend und Sport unter der Dachmarke Erasmus+ zusammengefasst. Für die zweite Programmgeneration von Erasmus+ wurden vorab zahlreiche Vereinfachungen und Verbesserungen versprochen. Aber wurden diese Versprechen auch eingelöst? 26

Neue Initiativen mit Erasmus+ 27 Durch die vier Prioritäten, Inklusion, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Partizipation, fokussiert das Programm auf mehr Bildungsgerechtigkeit und Klimaschutz. Letzteres stellt für ein Programm, das zentral auf europaweite Mobilitäten zu Lernzwecken ausgerichtet ist, sicherlich eine Gratwanderung dar. Mit der im Schulbereich neuen Option der Akkreditierung gelang aber tatsächlich eine deutliche Erleichterung bei den Verfahren für eine Antragstellung. Die Vorteile dieser »Mitgliedschaft« bei Erasmus+ konnten aufgrund der Coronapandemie zwar noch nicht sichtbar werden; allein das Interesse der Schulen und die Anzahl der genehmigten Akkreditierungen aber zeigen, dass der EU-Kommission hier ein großer Schritt nach vorne gelungen ist. In der noch jungen neuen Programmgeneration wurden in einer ersten Antragsrunde 442 Anträge auf Akkreditierung gestellt, in der zweiten Runde im Oktober 2022 noch einmal 268 Anträge. Damit können künftig voraussichtlich über 700 Schulen jährlich vereinfacht Mittel anfordern, um mit Schülerinnen und Schülern Partnerschulen in Europa zu besuchen – ob in einer Gruppe, als Einzelmobilität, für ein Praktikum oder sogar ein ganzes Schuljahr. Die EU-Mittel stehen außerdem für Lehrkräftefortbildungen oder Job-Shadowings von Lehrkräften im europäischen Ausland an einer Schule zur Verfügung. Ebenso möglich ist der Einsatz von Expertinnen und Experten aus dem europäischen Ausland an der heimischen Schule – und das alles in einem flexiblen Rahmen. Der Zugang von Schulen zu Erasmus+ ist damit erheblich erleichtert worden. Hier zeigt sich die Reife des 35-jährigen Programms, die in der Praxis allerdings erst dann wirklich sichtbar werden kann, wenn die derzeit durch Corona bedingten Einschränkungen der Mobilität für Schulen wieder weitgehend aufgehoben werden. Engagement für Europa Gleichwohl beeindruckt, dass Schulen in der momentan sehr schwierigen Situation noch die Kraft und das Interesse aufbringen, Kooperationen mit Schulen in Europa aufrechtzuerhalten und weiterhin mit großem Engagement zu planen. Dass in Coronazeiten eTwinning als digitales Angebot von Erasmus+ ein perfektes Mittel der virtuellen Kooperation unter Schulen ist, zeigen die vielen eTwinning-Partnerschaften, die auch in der Coronapandemie aktiv sind. Auch die in den Partnerschaftsprojekten angebotenen Beteiligungsformate sind in dieser Programmgeneration verbessert worden. Einrichtungen aus dem erweiterten Schulbereich außerhalb von Schulen finden hier optimale Einstiegsangebote in die EU-Bildungskooperation – von kleinen überschaubaren Projektformen bis zur anspruchsvollen Kooperationspartnerschaft, in denen strategische Bildungskooperationen auf europäischer Ebene umgesetzt werden können. Natürlich bringt eine neue Programmgeneration nicht nur viele inhaltliche Programmneuerungen mit sich. Auch die technischen Instrumente zur Verwaltung etwa der Fördermittel sind neu und haben noch, obwohl man mit 35 Jahren eher solide Qualität assoziieren würde, manche Kinderkrankheiten zu überstehen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass diese Instrumente, wenn sie vollständig entwickelt sind, auch noch für die nächste Programmgeneration ab 2028 genutzt werden können. So gibt es nach 35 Jahren Erasmus eigentlich nur positive Aussichten auf die Zukunft. Die volle Dynamik des EU-Programms im besten Alter wird sich aber erst nach dem Ende der Coronapandemie zeigen. Im Programmjahr 2020 wurden für gut über 400 000 Personen in Europa aus dem Schulbereich – davon fast die Hälfte Schülerinnen und Schüler – Mobilitäten bewilligt, auch wenn sich viele davon nicht realisieren ließen. Es lässt sich erahnen, wie sich diese Zahlen nach der Pandemie entwickeln werden, zumal dann, wenn in den nächsten Jahren noch mehr EU-Mittel bereitstehen. Und nicht vergessen sollte man, dass zu Beginn der Coronapandemie die Grenzen in Europa geschlossen waren, digitale grenzüberschreitende Bildungskooperation im Rahmen von Erasmus+ jedoch fortgesetzt wurde und lebendig blieb. Es bleiben somit ausschließlich Glückwünsche zum Geburtstag und die Hoffnung, dass sich die Stolpersteine, die von einer auf die nächste Programmgeneration fast schon zur Normalität gehören, in den nächsten Monaten zügig aus dem Weg räumen lassen. — Der Autor leitet die Nationale Agentur Erasmus+ Schulbildung des PAD. Erasmus+Du= Europa

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