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Demokratie mit eTwinning lernen und praktizieren

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Im eTwinning-Buch zum Jahresschwerpunkt "Demokratiebildung" wird eine Auswahl ausgezeichneter eTwinning-Projekte und -Aktivitäten vorgestellt, die politische Teilhabe, Menschenrechte, kritisches Denken und die Entwicklung einer demokratischen Kultur im Unterricht und an der Schule fördern. Die Beispiele bieten vielfältige Anregungen für den Unterricht. Das Buch kann im PAD-Webshop kostenlos bestellt werden: https://www.kmk-pad.org/service/publikationen/etwinning.html

4. Junge

4. Junge Führungspersönlichkeiten, Denker, Changemaker 4.1 Junge Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigen „Im Laufe der Jahre werden Frauen und Männer feststellen, dass die nachhaltigsten und lohnenswertesten Bildungserfahrungen nicht aus Informationen resultieren, die in Unterrichtsstunden oder Schulbüchern vermittelt wurden, sondern aus den Werten, die durch eine aktive Beschäftigung mit sinnvollen Themen gewonnen wurden. Wir erreichen für uns selbst nur etwas, wenn wir die Probleme und Sorgen der anderen wahrnehmen und unser eigenes Leben als Teil einer viel größeren gesellschaftlichen Zielsetzung begreifen." (Manning Marable, 1997) Eight levels of young people’s participation in (Hart 1992:8.) Das Grundrecht der Kinder auf die Teilnahme an Veranstaltungen, die ihr eigenes Leben betreffen, wurde erst in der neueren Vergangenheit in der Kinderrechtskonvention (1989) anerkannt. Den Erwachsenen kommt eine wichtige Rolle dabei zu, Kinder zur freien Äußerung ihrer Ansichten in Bezug auf wichtige Themen zu ermutigen. Das Recht der Kinder auf Gehör erstreckt sich auf alle Handlungen und Entscheidungen, die das Leben der Kinder betreffen: innerhalb ihrer Familie, ihrer Schule, ihres Umfelds und auf nationaler politischer Ebene. Die Meinung der Kinder sollte bei Entscheidungen angemessen berücksichtigt werden. In seinem Artikel „Children's Participation: from Tokenism to Citizenship“, der vom UNICEF Innocenti Research Centre herausgegeben wurde, erweiterte Roger Hart die Partizipationsleiter, ein von Sherry Arenstein entwickeltes Konzept zur Beteiligung von Bürgern an der Entscheidungsfindung (1969), um die Einbeziehung der Kinder. Die Leiter zeigt 38 Wenn nicht an Schulen, wo dann? Demokratie mit eTwinning lernen und praktizieren

die verschiedenen Stufen der Teilnahme an Projekten, die von der Manipulation anstelle einer realen Beteiligung am unteren Ende der Leiter bis hin zu von Kindern initiierten, gemeinsam mit Erwachsenen getroffenen Entscheidungen an der Spitze reichen (siehe Bild). Laut Hart ist Partizipation als ein Grundrecht der Staatsbürgerschaft „der Prozess der Teilhabe an Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft, in der man lebt, beeinflussen" (1992). Nach Hart sollten wir nicht erwarten, dass junge Menschen im Alter von 16, 18 oder 21 Jahren plötzlich zu engagierten Bürgern werden, ohne vorher erfahren zu haben, was es bedeutet, die eigene Meinung zu äußern, sich zu organisieren und ihr Leben zu gestalten. Das bedeutet, dass ein Verständnis der demokratischen Partizipation und die dafür erforderliche Sicherheit und Kompetenz nur schrittweise durch die Praxis erworben werden können, und diese praktischen Erfahrungen müssen in den Lernprozess integriert werden. Die Leiter hat viel dazu beigetragen, auf Symbolpolitik 13 und Dekoration 14 sowie Manipulation, Ausbeutung und Missbrauch von Kindern durch Erwachsene im Namen der Kinderbeteiligung hinzuweisen. Dennoch gibt es immer noch zu viele Fälle, in denen Kinder auf den unteren Sprossen der Leiter stehen bleiben. Zum Beispiel werden Kinder missbraucht, um die Meinung von Erwachsenen auszudrücken, oder sie werden aufgefordert, Dinge zu sagen und zu tun, die eher Erwachsenen als Kindern zugutekommen. Junge Menschen sollten in der Lage sein, ebenso viele Entscheidungen zu treffen wie Menschen jedes anderen Alters (Chanoff, 1981). Der Zweck der Bildung besteht jedoch nicht nur darin, den Schülern Wahlmöglichkeiten zu bieten, sondern auch konkrete Möglichkeiten, auf der Grundlage ihres Wissens zu agieren, Lösungen zu finden sowie bestehende Strukturen zu verändern und umzugestalten, damit die Welt zu einem besseren Ort für alle wird (Westheimer & Kahne, 1998). Dafür ist die Rolle der Lehrkräfte von entscheidender Bedeutung. Die Lehrkräfte sollten die Schüler nach ihrer Meinung fragen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Ansichten zu äußern und danach zu handeln. Junge Menschen sind die Führungspersönlichkeiten von heute, nicht von morgen. Es gibt zahlreiche Beispiele für junge Menschen, die ihre Stimme erhoben, sich aktiv in der Gesellschaft engagierten und Veränderungen bewirkten. In diesem Kapitel stellen wir zwei dieser Beispiele vor. 13 Der Begriff Symbolpolitik wird in Harts Leiter verwendet, um jene Fälle zu beschreiben, „in denen Kindern offenbar eine Stimme gegeben wird, sie aber in Wirklichkeit keine oder nur eine geringe Wahl bezüglich des Themas oder des Kommunikationsstils haben und wenig oder gar keine Gelegenheit, ihre eigenen Meinungen zu formulieren“ (S. 9, Hart, 1992). 14 Dekoration bezieht sich nach Hart auf jene „häufigen Fälle, in denen Kindern Dinge wie T-Shirts im Zusammenhang mit einer bestimmten Sache geschenkt werden und sie auf einer Veranstaltung in dieser Kleidung singen oder tanzen dürfen, aber wenig Ahnung davon haben, worum es dabei eigentlich geht, geschweige denn, ein Mitspracherecht haben“ (S. 9, Hart, 1992). 39

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