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Deutsch im Gepäck

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Unterwegs mit dem Prämienprogramm Mit dem Prämienprogramm ermöglicht der PAD Deutsch lernenden Schülerinnen und Schülern aus dem Ausland einen Lernaufenthalt in Deutschland. Die 40-seitige Broschüre lässt ehemalige Preisträger ebenso zu Wort kommen, wie Reiseleiter, Lehrkräfte und Gasteltern.

Internationales

Internationales Preisträgerprogramm ten sogar schon hochbegabte Preisträgerinnen zu Gast, die sich allein über das Anschauen von Käpt’n Blaubär auf KIKA autodidaktisch ein fast fehlerloses Deutsch aneigneten! Es ist toll, als Deutschlehrer solche Talente kurzzeitig unterrichten zu dürfen. Genau genommen ist der PAD-Austausch also eher ein Zusammenfinden glücklicher Jugendlicher aus der ganzen Welt. Sicherlich handelt es sich, semantisch gesehen, nicht um einen Austausch, da ja ein Gegenbesuch unserer Schülerinnen und Schüler offiziell nicht stattfindet. Trotzdem ergibt sich ein großer Mehrwert für uns Deutsche. Wir haben in Andernach, allein in den letzten Jahren, einige Gastgeschwister gestellt, die später ein Freiwilliges Soziales Jahr in Costa Rica oder Uganda durchführten oder heute für die Europäische Zentralbank oder das Auswärtige Amt arbeiten. Ob nun diese internationale Ausrichtung allein durch den PAD-Austausch kam, ist rückblickend nicht feststellbar. Augenscheinlich wurden hier aber wichtige Weichen gestellt. Die selbstorganisierten Rückbesuche, mit Familienanschluss, nach Indien, Argentinien oder Südafrika hat es bei uns dutzendfach gegeben, eine Einladung gab es eigentlich immer. Eine unserer Andernacher Schülerinnen schreibt rückblickend: »Ich war insgesamt sehr begeistert und ich bin mir sicher, dass ich die Zeit niemals vergessen werde. Es war eine bunte Gruppe und auch wenn sie alle aus verschiedenen Teilen der Welt kamen, fanden wir alle etwas, das wir gemeinsam hatten.« Tag 10 W ir besuchen die Loreley. Die meisten kennen den Ort aus ihren Deutschbüchern. Johnny aus Uganda rappt »gut gelaunt« das Heine-Gedicht. Dann knipsen wir Fotos, zusammen neben der Nixe aus Stein und tuckern mit dem Raddampfer »Goethe« hinüber auf die andere Rheinseite nach Bacharach. Wir umstellen eine trendige Eisdiele und die Gastgeschwister bringen ihren Schützlingen komplizierte Eissortennamen bei, wie Joghurt-Waldbeere, Rote Grütze und Sellerie. Auf dem Rückweg werden dann noch die vielen Windräder auf den Hunsrücker Höhenzügen bewundert. Man ertappt sich selbst dabei, die Welt mit den staunenden Augen der jungen Gäste zu betrachten und realisiert scheinbar belanglose Dinge, an denen man sonst achtlos vorübergeht. So erfreuen sich die Neuseeländerinnen an den alten Gebäuden. Selbst ein einfacher Steinschuppen in der Altstadt kann hier sehr wahrscheinlich noch viel älter sein, als jedes Gebäude in Neuseeland. Andere fasziniert einfach nur, wie viel Wasser es hier gibt. Brittany, Amy und Matias (v.l.n.r.). Tag 4 Tag 7 I n meinem Sozialkunde-Leistungskurs sitzen fünf Preisträgerinnen und Preisträger. Sozialkunde interessiert sie sehr, da sie das Fach oft nicht aus ihrer Schule kennen. Für mich ist das großartig, besonders, wenn es im Unterricht um Internationale Beziehungen geht. So schaut unsere Gastschülerin aus Alexandria gerade nach, was meine Abiturienten über die Muslimbrüder herausgefunden haben. Später besprechen wir das Wahlrecht in Mazedonien mit einem Gleichaltrigen aus Skopje. Die Motivationsfrage als Lehrer stellt sich demnach für mich persönlich aus beruflicher Sicht eigentlich kaum. Der zeitliche Aufwand ist zwar groß, in Andernach lösen wir es aber so, dass wir ein breit aufgestelltes Team von fünf bis sechs Personen einsetzen. D ie erste Woche war aufregend, das anfängliche »Fremdeln« ist meist verflogen. Für den Rest sorgt der nicht ausklingende Sommer bei uns, speziell an den Vulkanstränden des Laacher Sees. Die Gastgeschwister aus der 10. bis 13. Jahrgangstufe nehmen die Gäste mit auf Entdeckungsreise – für die ist sogar der 60. Geburtstag der deutschen Oma mit Schwarzwälder Torte ein echter Höhepunkt. Auch als Elternteil ist das »neue Kind« ein Gewinn. So berichtete eine unsere erfahrenen Gastmütter, Katja Mathieu: »Alle Gastschüler waren neugierig, offen, zumeist kommunikativ und wissbegierig. Nach ein paar Tagen, wenn man sich besser kennt, hocken sie mit auf dem Sofa oder sitzen in der Küche, um Tagebuch zu schreiben. Wenn sie dann abreisen, ist es immer auch ein wenig traurig, da die kurze Zeit doch sehr intensiv gewesen ist. Mit den meisten haben wir immer noch Kontakt.« D as reichhaltige Buffet des Internationalen Abends wird rasch geplündert. Es gibt Speisen, deren Namen man nicht aussprechen kann, die aber nach Urlaub schmecken und dazwischen, von uns eingebracht, Döppekochen und Currywürste. Am Ende des Aufenthaltes herrscht, heute ausnahmsweise augenzwinkernd toleriert, ein babylonisches Sprachgewirr. Alle reden ein paar Brocken von der Sprache des anderen, ob Zulu ob Tadschikisch. Es wird gesungen, die Neuseeländerinnen stampfen grazil einen Haka und stecken lieb gemeint die Zunge raus, die Südafrikaner erzählen, was ihnen Rugby, Nashörner und Pinguine bedeuten. Unsere deutschen Gastgeschwister tanzen immer wieder mit. Im Laufe des Abends steigt Wehmut auf, und am nächsten Tag am Bahnsteig fließen dann auch, wie immer, echte Tränen. Zur Person Stefan Naumann unterrichtet Deutsch und Sozialkunde am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Andernach. Seit 2007 betreut er dort zusammen mit seinem Kollegen Stefan Fischer das Programm. Tag 13 & 14 Sofie, Amni, Abby und Brittany (v.l.n.r.). 18 | | 19

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