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Deutsch im Gepäck

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Unterwegs mit dem Prämienprogramm Mit dem Prämienprogramm ermöglicht der PAD Deutsch lernenden Schülerinnen und Schülern aus dem Ausland einen Lernaufenthalt in Deutschland. Die 40-seitige Broschüre lässt ehemalige Preisträger ebenso zu Wort kommen, wie Reiseleiter, Lehrkräfte und Gasteltern.

Internationales

Internationales Preisträgerprogramm gymnasium wilhelmsdorf »Oh, diese Idylle ist einfach viel zu schön« Das Internationale Preisträgerprogramm bringt einen Hauch von Exotik, tiefschürfende Gespräche, interessante Begegnungen und auch manch Skurriles an das Gymnasium Wilhelmsdorf (Baden-Württemberg) im Hinterland des Bodensees. Michael Pflumm ist als Örtlicher Betreuer von den Gruppen fasziniert und freut sich, jedes Jahr wieder dabei zu sein. Gäste aus Vietnam: Bich Thuy (li.) und Ha Phuong (re.) waren 2013 Preisträgerinnen. S eit 2003 nimmt das Gymnasium Wilhelmsdorf in Baden-Württemberg, eine Schule im Hinterland des Bodensees, am Internationalen Preisträgerprogramm (IPP) teil. Bereits der Beginn war aufregend. Anfang Juni, also nur fünf Wochen vor Anreise der Preisträgerinnen und Preisträger, rief mich der PAD an: Ob ich mir vorstellen könnte, für eine andere Schule einzuspringen. Ich sagte zu und so blieb mir nicht viel Zeit, Gastfamilien zu organisieren, ein Programm zusammenzustellen und Lehrkräfte für den PAD-Unterricht zu finden. Es wurde eine Punktlandung. Das kann in der Kürze der Zeit aber nur funktionieren, wenn man von seiner Schulleitung freie Hand hat. Die hatte ich von Beginn an – bis heute: Mein Programm kann ich völlig eigenständig planen, ich bin an den Exkursionstagen selbstverständlich freigestellt und bekomme beim PAD-Stundenplan volle Unterstützung. Auch hat mein Schulleiter noch kaum einen Internationalen Abend ausgelassen. Einbindung der Gäste in das Schulleben Denn auch die Schule profitiert vom IPP. Für zwei Wochen weht der Hauch der großen, weiten Welt über einer Schule, wenn sie Gäste aus fünf Nationen empfängt. Wo sonst als beim PAD lernen deutsche Schülerinnen und Schüler so einfach ausländische Jugendliche gleichen Alters kennen, die sie sonst niemals getroffen hätten? Zwischen den PAD-Gästen und den deutschen Gastgebern entstehen tiefe Freundschaften, die oft lange halten. Einmal gar eine Beziehung – beide studierten nach ihrer Schulzeit zusammen in München. Auch das »A« in PAD kommt nicht zu kurz. Das IPP ist ein Austausch-Programm. Auch wenn keine organisierten Gegenbesuche der deutschen Gastgeber vorgesehen sind, so erleben die Teilnehmer doch einen intensiven kulturellen Austausch. Ich versuche dieses »Über-den-Tellerrand-Schauen« in die gesamte Schule ausstrahlen zu lassen. Dazu hospitieren die Preisträgerinnen und Preisträger nicht nur im Unterricht ihrer Gastgeschwister, sondern werden von Kollegen auch in anderen Klassen als Gäste und »Referenten« angefragt. Auf der ersten der zweimal jährlich stattfindenden Schülervollversammlung stelle ich das IPP mit einem kleinen PAD-Werbefilm vor, den ich mit meiner Foto-AG erstellt habe. Auf der zweiten können sich die Preisträgerinnen und Preisträger vor allen Schülerinnen und Schülern selbst vorstellen und auch Fragen beantworten. Seit einigen Jahren findet unser Schulfest während des PAD-Programms statt. Dort können die Gäste mit weiteren Eltern und Freunden unserer Schule in Kontakt kommen. Bereichernde Begegnungen, die bleiben Was aber motiviert mich als betreuenden Lehrer jedes Jahr, diese zwei – zugegebenermaßen recht stressigen – Wochen anzugehen? Es sind vor allem die persönlichen Begegnungen, die ich als echte Bereicherung empfinde. Die Gäste heißen nicht umsonst Preisträger und werden diesem Anspruch meist auch voll gerecht. Sprachlich begabt und kommunikativ geübt zeigen sie oft ein reflektiertes Interesse an ihrem Gastland, dessen Alltagswelt, Kultur und Geschichte. Es ist einfach großartig, mit ihnen über Themen wie den deutschen Bildungsföderalismus (der sie meist verwirrt) oder die oft fehlende Internet-Netzabdeckung bei uns auf dem Land zu diskutieren. Hätten Sie zudem gewusst, was südkoreanische PAD-Gäste über ihren Schultag erzählen? Sie sind von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr an der Schule, um danach noch Hausaufgaben zu machen. Deutsche Schülerinnen und Schüler, die das mitbekommen, sehen ihren Nachmittagsunterricht mit anderen Augen. Solche Situationen zeigen, dass auch die deutschen Jugendlichen vom IPP profitieren. Und das auf einer nicht zu unterschätzenden Ebene, dem Zuwachs an interkultureller Kompetenz. Ich sehe mit Freude, wie die deutschen Gastgeber die fremde Kultur, Sprache und Lebensweise lediglich als »anders« wahrnehmen und nicht als »besser« oder »schlechter« einstufen. Ein ausländischer Gast, den man für zwei Wochen bei sich aufnimmt, wird damit eher zum Freund. Das entspricht dem Grundanliegen des Programms: »Freunde für Deutschland im Ausland zu finden.« Bei all dem erlebt man auch viel Lustiges und Überraschendes. Vor dem Ausflug auf den Pfänder, den Hausberg des Bodensees, fragte ich ab, wer schon jemals eine Bergwanderung gemacht hätte. Alle versicherten mir, dass sie Berg-Erfahrung hätten. Doch bereits nach ca. 30 Höhenmetern waren die niederländischen Preisträgerinnen und Preisträger sehr überrascht, dass wir jetzt noch weitere 600 Höhenmeter bezwingen sollten. Sie erzählten mir, dass sie bisher nur auf einem niederländischen Berg waren. »Und wie hoch ist der?«, fragte ich. »Genau 27 Meter«, sagten sie. Alle meisterten den Pfänder schließlich und waren sichtlich stolz. Eine andere Preisträgerin kam einmal nach zehn Tagen in Wilhelmsdorf zu mir und sagte: »Oh, diese Idylle ist einfach viel zu schön für mich. Ich vermisse den Lärm von zu Hause«. Sie rief mich dann später aus Berlin an, um mir eigens mitzuteilen, dass es ihr wieder viel besser ginge. Ich freue mich schon jetzt darauf, auch im nächsten Jahr wieder eine PAD-Preisträgergruppe betreuen zu dürfen. Zur Person Michael Pflumm unterrichtet Geschichte, Gemeinschaftskunde und Katholische Religion am Gymnasium Wilhelmsdorf (Baden-Württemberg). Seit 2003 organisiert er als Örtlicher Betreuer den dortigen Familienaufenthalt im Internationalen Preisträgerprogramm. 20 | | 21

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