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Klimawandel unterrichten mit eTwinning

Schulklassen in Aktion mit eTwinning, dem digitalen europäischen Netzwerk im Programm Erasmus+. Ein eTwinning-Buch mit Beispielen aus der Praxis. Sie können die Broschüre kostenlos bestellen unter www.kmk-pad.org/webshop

Fazit Alexandra Hanna

Fazit Alexandra Hanna Licht Pedagogical and Monitoring Officer Zentrale eTwinning-Koordinierungsstelle Vor unseren Augen wird gerade ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte geschrieben. In den letzten Jahren ist offensichtlich geworden, dass der Klimawandel, Naturkatastrophen, Pandemien und weitere unerwartete globale und lokale Ereignisse kein Zufall sind. Vielmehr sind sie höchstwahrscheinlich das Ergebnis menschlicher Aktivitäten, die das empfindliche Gleichgewicht auf der Erde destabilisieren. Die Veränderungen, die wir erleben, liegen nicht in ferner Zukunft: Sie geschehen jetzt und betreffen uns, unsere Kinder und unser Umfeld. Wir sehen, dass junge Menschen in aller Welt für eine konsequentere Klimapolitik auf die Straße gehen. Die Bewegung wird von Jugendlichen angeführt und inspiriert, die jungen Menschen warten nicht mehr auf die Erwachsenen, um Entscheidungen zu treffen, sie verlangen Veränderungen und fordern konkretes Handeln. Die wissenschaftliche Gemeinschaft appelliert an die Regierungen, den Klimawandel abzumildern, und mit der Ratifizierung des Klimaübereinkommens von Paris (2015) hat sich die internationale Gemeinschaft formal auf ehrgeizige Ziele verständigt. Die Antwort der EU auf den Klimawandel und der aktuelle Europäische Grüne Deal zeigen, dass eine Schließung der Emissionslücke nur möglich ist, wenn wir gemeinsam an klar definierten Zielen arbeiten. Es gibt unter den vielen Herausforderungen, die vor uns liegen, eine, die sich mit Bildung meistern lässt: die Verringerung der Kluft zwischen wissenschaftlichem und gesellschaftlichem Verständnis des Klimawandels. Die Ignoranz des Klimawandels ist eine große Hürde auf dem Weg dahin, das Leben auf der Erde, wie wir es kennen, zu bewahren. Es bedarf umfangreicher Anstrengungen, einschließlich der Bildungssysteme, um Wissenslücken in der breiten Öffentlichkeit zu schließen. Einige Menschen leugnen immer noch den Klimawandel, andere sind sich der Auswirkungen ihres Konsums, ihres Lebensstils und ihres Energieverbrauchs auf die Erde vielleicht nicht bewusst oder interessieren sich nicht dafür. Dan Ariely, Professor für Verhaltensökonomie an der Duke University, erklärt, warum der Klimawandel für viele Menschen noch immer so ein fernes Thema ist, zu dem sie keinen Bezug haben. Er beschreibt, was Forscher/innen den „Effekt des unbekannten Opfers“ (unidentifiable victim effect) nennen: Wir reagieren in der Regel sofort, wenn eine Person leidet, weil wir einen emotionalen Bezug zu dieser Person haben. Umgekehrt haben wir Schwierigkeiten, große Tragödien zu erfassen, weil wir keinen emotionalen Bezug zu ihnen herstellen können. Wir lesen, dass sich die Erde erwärmt, dass Millionen Menschen aufgrund von Naturkatastrophen im Zusammenhang mit dem Klimawandel ihr Leben und ihr Zuhause verlieren; wir wissen, dass sich das auf menschliches Handeln zurückführen lässt. Aber trotzdem: Wie sollen wir beispielsweise „Energiesparen“ erfassen, wenn wir die eingesparte Energie nicht messen können? Wie können wir einen Bezug dazu aufbauen, wenn wir das Konzept nicht mit einem Narrativ verknüpfen und die Wirkung, die wir erzielt haben, visualisieren können? In anderen Worten: Wie können wir Veränderungen nicht nur auf der Ebene einer Regierung, eines Landes oder einer Stadt, sondern auch auf individueller Ebene und in den Gemeinschaften bewirken? Prof. Arieli zufolge müssen Menschen die Ergebnisse und Vorteile einer geforderten Veränderung messen, visualisieren und für sich und andere darstellen können, um ihr Verhalten anzupassen. Und das ist genau worum es beim Schließen der Wissenslücke über den Klimawandel geht. Das ist die Aufgabe der Bildung. 56 SCHULKLASSEN IN AKTION Klimawandel unterrichten mit eTwinning

Der Klimawandel wird Maßnahmen auf allen Ebenen der Gesellschaft erfordern, von Einzelpersonen, Gemeinschaften, Unternehmen, lokalen, staatlichen, nationalen und internationalen Organisationen. Um wirkliche Ergebnisse zu erzielen, können wir den Klimawandel nicht nur auf Regierungsebene angehen oder ihn ein paar wenigen Personen überlassen. Im Falle des Klimawandels kommt ein Lernen aus Erfahrung zu spät; deshalb müssen wir aus Bildung lernen. Die Schulen bereiten die junge Generation auf die Zukunft vor; sie statten sie mit nützlichen Kompetenzen und Wissen aus, die ihnen in der sich verändernden Welt der Zukunft helfen werden. Schulen, Lehrkräfte und Erzieher/innen haben die Verantwortung, die jungen Menschen Hand in Hand mit dem Wissen auszustatten, das heute wichtig ist – damit sie messen, visualisieren und für sich und andere darstellen können, dass eine Veränderung des eigenen Handelns und der eigenen Einstellungen zum Klimawandel jetzt umgesetzt werden muss. In den verschiedenen eTwinning-Projekten, die in der vorliegenden Publikation vorgestellt werden, sehen wir, wie Schüler/innen sich mit der Umwelt und den Auswirkungen von Plastik, Umweltverschmutzung und unsauberer Energie auf unsere fragile Welt auseinandersetzen. Wenn Schüler/innen echte, umsetzbare Lösungen zur Verkleinerung ihres ökologischen Fußabdrucks vorschlagen und in die Tat umsetzen, wenn sie forschen und Sensibilisierungskampagnen durchführen, dann lernen sie nicht nur, sondern sie bewirken tatsächliche Veränderungen. In eTwinning- Projekten haben die Schüler/innen die konkrete Chance, sinnvoll zu lernen, indem sie sich realer Probleme annehmen und Lösungen erarbeiten. Es gibt vielfältige Projekte in ganz Europa und darüber hinaus, die Schüler/innen in die Lage versetzen, Veränderungen selbst in die Hand zu nehmen und durch konkrete, messbare und greifbare Maßnahmen etwas zu bewirken. Diese Projekte reichen von der Organisation von Sensibilisierungskampagnen über das Pflanzen von Bäumen und das Gärtnern bis hin zum Erwerb von Wissen über Nahrungsmittelproduktion und Abfall. Die Schüler/innen werden zu Protagonist/innen ihrer eigenen Geschichte; sie fordern Veränderungen nicht nur ein, sondern setzen sie um – zu Hause, in der Schule, in ihrem Umfeld. Dieses Buch zeigt, dass sich der Umgang mit dem Klimawandel nicht auf ein Handeln der Regierung oder Protestmärsche Einzelner beschränken lässt. Wir haben gesehen, wie Schulen, Lehrkräfte und Projekte erforscht haben, wie der Klimawandel alle Bereiche unseres Lebens betrifft und wie sich Klimabildung in eine Reihe von Fächern integrieren lässt, so dass das Thema aus sozialer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Sicht betrachtet wird – und dass dies schon ab einem sehr jungen Alter möglich ist. Fazit eTwinning bietet Lehrkräften Tools, Hintergrundinformationen, Anregungen und Anerkennung, damit sie ihre Schüler/innen stärken und dabei unterstützen können, Veränderungen zu bewirken. So kann die Kluft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem gesellschaftlichen Wissen darum, was auf dem Spiel steht, verkleinert werden. Und genau das ermutigt zum Handeln. Was Sie in dieser Publikation kennengelernt haben, sind nur einige wenige der zahlreichen erfolgreichen Projekte, mit denen aus Einzelpersonen Gemeinschaften wurden und die jungen Menschen konkrete Möglichkeiten eröffnet haben, selbst für die Veränderungen, die sie sich in der Welt wünschen, zu sorgen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. FAZIT 57

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