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PAD Jahresbericht 2020/2021

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Der Jahresbericht des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) für die Jahre 2020/2021. Der internationale Austausch im Schulbereich steht in Zeiten von COVID-19 vor erheblichen Herausforderungen. Das zeigt auch der PAD Jahresbericht 2020/21. Allerdings gibt es auch Hofffnungsschimmer: Das EU-Programm Erasmus+ ist 2021 mit mehr Budget in die nächste Runde gestartet, digitale Formate für internationalen Schulaustausch wurden entwickelt und es zeigt sich, dass Schulen und Lehrkräfte nach wie vor großes Interesse an Austausch haben. Der Jahresbericht kann kostenlos bestellt oder online gelesen werden.

Internationales

Internationales Preisträgerprogramm Im digitalen Tandem gegen Covid-Langeweile Getroffen haben die beiden sich nie. Und dennoch verbrachten Emil aus Eschwege und Borislav aus Bulgarien während der Schulschließungen einige Zeit gemeinsam: Mit »Tandemweltweit« starteten sie eine Onlinefreundschaft, die sich der Pandemie verdankt. 16 inen grünen Ordner unter dem Arm, das Gesicht von einer schwarzen Stoffmaske halb bedeckt – so sieht man Borislav über den Pausenhof laufen, vorbei an der Statue des Nationaldichters Hristo Botev (1848-1876) und der europäischen und bulgarischen Flagge, die neben dem Schuleingang im- Wind wehen. »Ich persönlich habe meine Schule sehr vermisst. Mir fehlten die Freunde, der Deutschlehrraum, der Lärm und sogar die kritischen Bemerkungen mancher Lehrer«, berichtet der 16-Jährige dazu in dem Videoclip in fast perfektem Deutsch. Borislav hat einen kleinen Film für die Onlinetagung der Reiseleiterinnen und Reiseleiter des Internationalen Preisträgerprogramms des PAD gedreht. Normalerweise hätten diese Freiwilligen ihn zusammen mit anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt im Sommer 2020 in Deutschland willkommen geheißen – doch dann musste das Programm abgesagt werden. Eine große Enttäuschung für die engagierten Ehrenamtlichen, aber noch viel mehr für Jugendliche wie Borislav, der am Fremdsprachengymnasium »Hristo Botev« in Kardzhali Deutsch als erste Fremdsprache lernt. Aufgrund seiner hervorragenden Noten war er bereits in die Hauptstadt Sofia eingeladen worden, um an den Auswahlgesprächen für das Internationale Preisträgerprogramm teilzunehmen. Aber dann fielen angesichts der Pandemie die Preisverleihung und die Reise nach Deutschland für ihn aus. Anstatt den Unterrichtsalltag in Deutschland kennenzulernen, ins Leben einer Gastfamilie einzutauchen und mit anderen Jugendlichen Sehenswürdigkeiten und Städte zu erkunden, musste Borislav so in seiner Heimatstadt bleiben und sah sich mit ganz neuen Vokabeln konfrontiert: Die Bedeutung und Rechtschreibung von »Quarantäne« und »Pandemie«, merkt er ironisch an, habe er dabei besonders nachdrücklich gelernt. Glücklicherweise gab es jemanden, mit dem er sich während der langweiligen Sommermonate austauschen konnte: Emil aus Hessen, ebenfalls 16 Jahre alt.

jahresbericht 2020/21 Auch Emil hatte sich sein letztes Schuljahr vor dem Wechsel ans Oberstufengymnasium in Eschwege anders vorgestellt. Am Freitag, den 13. März, ging der Zehntklässler noch wie gewohnt in den Unterricht. Doch dann wurde am Nachmittag in einer Pressekonferenz des Kultusministeriums bekannt gegeben, dass ab Montag alle Schulen in Hessen geschlossen bleiben würden. »Meine Mutter hatte mir von der Möglichkeit erzählt, jemanden aus dem Prämienprogramm bei uns zu Hause aufzunehmen. Aber dann kam die Coronapandemie und auch das Programm konnte nicht wie geplant stattfinden«, erinnert sich Emil. »Stattdessen wurde mir angeboten, über ›Tandemweltweit‹ einen der Preisträger zu kontaktieren und ihn so näher kennenzulernen. Diese Idee gefiel mir und ich meldete mich dafür an.« das Lachen und die Freiheit raubte, machten sich viele Menschen Gedanken darüber, wie sie Abwechslung in ihr Leben bringen könnten. Für mich persönlich war ›Tandemweltweit‹ die zauberhafte Tablette gegen Covid-Langeweile und Frust.« Für den Austausch mit Emil ist er deshalb sehr dankbar, gab dieser ihm doch eine gute Gelegenheit, trotz der Pandemie einen Jugendlichen aus Deutschland kennenzulernen. Sein Fazit zum digitalen Austausch stimmt optimistisch: »Wir haben bewiesen, dass zwischenmenschliche Brücken problemlos online gebaut werden können.« Rudern, Flugzeuge bauen und Computerspiele Borislav und Emil füllten jeder einen Fragebogen mit ihren Hobbys und Interessen aus und wurden so von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des PAD als Tandempartner vermittelt. »Mit Borislav habe ich Glück gehabt, da sich mein zweiter Partner aus Mexiko nach meiner E-Mail nicht mehr gemeldet hat. Das war sehr schade«, berichtet Emil. Doch sein bulgarischer Tandempartner war dafür umso engagierter – die beiden begannen, sich regelmäßig über Instagram Nachrichten zu schreiben, und blieben so auch über das Schuljahr hinaus miteinander in Kontakt. »Im Mittelpunkt unserer Gespräche haben vor allem die Maßnahmen rund um das Coronavirus gestanden, aber auch Aktivitäten, für die wir auf einmal mehr Zeit hatten«, berichtet Borislav. »Ich zum Beispiel bastle gern Flugzeuge, während es Emil Spaß bereitet, zu rudern.« Emil war von den hervorragenden Sprachkenntnissen seines Austauschpartners überrascht: »Wir sind ja beide im gleichen Alter. Aber er schreibt auf Deutsch besser und blumiger, als es wohl die meisten meiner Mitschülerinnen und Mitschüler könnten. Ich habe den Eindruck, dass er später vielleicht Diplomat oder etwas in der Art werden könnte.« Auch über Computerspiele tauschten sich die 16-Jährigen aus und verrieten sich gegenseitig Strategien und Tipps. Während der Sommerferien schickten sie sich weiterhin Nachrichten und hielten einander auch über den ungewöhnlichen Schulstart im Herbst auf dem Laufenden. Für Emil, der vorher noch nie mit Jugendlichen aus Bulgarien Kontakt hatte, war der Austausch rückblickend eine interessante Erfahrung: »Klar wäre es cooler gewesen, wenn Borislav nach Eschwege gekommen wäre. Aber so war es auch nicht schlecht«, sagt er. Und Borislavs Resümee, das er dem PAD zugeschickt hat, verrät seine Begeisterung für Metaphern und die deutsche Sprache: »Da Corona uns den gewohnten Alltag, Ausgezeichnete Deutschkenntnisse im Unterricht und ein überzeugender Auftritt vor der Jury des anspruchsvollen Auswahlverfahrens: Das Internationale Preisträgerprogramm des PAD ermöglichte bislang jährlich im Sommer rund 500 Schülerinnen und Schülern aus über 90 Staaten weltweit einen Gastschulaufenthalt in Deutschland. Auch Abalo Pawilou aus Togo lernte so als Jugendlicher das Land kennen, dessen Sprache er so gut beherrscht – als einer der zwei besten Deutschlerner seiner Heimat. Anschließend studierte er Germanistik in Lomé und engagierte sich im »Verein Deutsche Freunde«, den er mit Freunden gegründet hatte, für den Kulturaustausch zwischen beiden Ländern. Nach einigen Berufsjahren als Radio- und Fernsehjournalist kam er mit einem Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung erneut nach Deutschland, diesmal nach Bielefeld. Dort absolvierte er ein Masterstudium in Medienwissenschaft, das er 2020 abgeschlossen hat. Außerdem drehte er auch einen kurzen Film über das Programm, in dem er selbst einmal Teilnehmer war. »PAD einsteigen«, rufen ihm Preisträgerinnen und Preisträger dabei aus Archivaufnahmen in die Kamera – was hoffentlich bald wieder für Schülerinnen und Schüler in möglichst vielen Staaten möglich sein wird. Der Clip ist auf dem YouTube-Kanal des PAD zu sehen. Weitere Informationen youtu.be/N_znTWHsP2MSie 17

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