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PAD Jahresbericht 2020/2021

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Der Jahresbericht des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) für die Jahre 2020/2021. Der internationale Austausch im Schulbereich steht in Zeiten von COVID-19 vor erheblichen Herausforderungen. Das zeigt auch der PAD Jahresbericht 2020/21. Allerdings gibt es auch Hofffnungsschimmer: Das EU-Programm Erasmus+ ist 2021 mit mehr Budget in die nächste Runde gestartet, digitale Formate für internationalen Schulaustausch wurden entwickelt und es zeigt sich, dass Schulen und Lehrkräfte nach wie vor großes Interesse an Austausch haben. Der Jahresbericht kann kostenlos bestellt oder online gelesen werden.

Johannes-Rau-Stipendiaten 18 »Es ging nicht um mich als Person« Der israelische Friedensaktivist Dvir Aviam Ezra hielt im November 2020 eine Ansprache im Deutschen Bundestag. Das Engagement für internationalen Dialog zieht sich seit seiner Schulzeit durch die Biografie des jungen Rechtsanwalts. ein Name ist Dvir Aviam Ezra, ich bin Israeli, jüdisch und Aktivist. Aber wichtiger noch: Ich bin Enkel dreier Holocaust-Überlebender, die die Schrecken des Krieges in Polen, Italien und Bulgarien erleben mussten. Als meine Großeltern in Israel ankamen, hätten sie wohl niemals gedacht, dass ihr Enkel eines Tages im deutschen Parlament sprechen wird.« Mit dieser Vorstellung leitete der 23-Jährige seine Ansprache ein, die er anlässlich des Volkstrauertages am 15. November 2020 im Plenarsaal des Deutschen Bundestages gehalten hat, unter anderem vor Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und dem britischen Thronfolger Prinz Charles. Aber wie kam es dazu, dass Dvir Aviam Ezra diese außergewöhnliche Aufgabe zufiel? Der junge Jurist mit israelisch-niederländischer Staatsbürgerschaft hatte Berlin vor sieben Jahren zum ersten Mal in seinem Leben besucht – als Johannes-Rau-Stipendiat. Dass er einmal selbst im Deutschen Bundestag eine Rede halten würde, hätte er damals wohl kaum für möglich gehalten. Als Schüler besuchte Dvir eine Klasse für Hochbegabte, aus der jährlich ein bis zwei Jugendliche an dem Programm teilnahmen, das auf eine Initiative des früheren Bundespräsidenten zurückgeht. Auch er bewarb sich bei der Deutschen Botschaft in Tel Aviv für einen der Plätze, wurde aber mangels ausreichender Englischkenntnisse nicht ausgewählt. Dvir ließ sich davon nicht entmutigen und versuchte es im darauffolgenden Jahr noch einmal, diesmal mit Erfolg. Die zwei Wochen, die er 2014 als Stipendiat in Deutschland verbrachte, empfindet er rückblickend als großartige Chance: »Mir sind weniger die Sehenswürdigkeiten im Gedächtnis geblieben, sondern der Kontakt mit den Menschen, der Austausch«, erinnert er sich. Untergebracht bei einer Gastfamilie in Mainz lernte er am Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss den Schulalltag in Deutschland kennen. Mit seiner Gastschwester verstand er sich so gut, dass beide in Kontakt blieben. »Als ich später in Jerusalem studierte, kam meine damalige Gastschwester für eine Reise nach Israel und ich konnte sie bei mir aufnehmen. Es war sehr schön, die Gastfreundschaft so zurückzugeben.« Dvir erinnert sich auch noch gut daran, wie interessant es für ihn als 17-Jähriger war, die anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten kennenzulernen: »Die Deutsche Botschaft in Tel Aviv achtet immer darauf, eine heterogene Gruppe auszuwählen – Jugendliche aus verschiedenen Regionen Israels, auch unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. Dieser Austausch untereinander war für mich fast genauso spannend wie die Begegnung mit den Deutschen, da die israelische Gesellschaft doch sehr segregiert ist und ich als Schüler diese anderen Jugendlichen sonst kaum getroffen hätte.« Die kontroversen politischen Diskussionen, die sich während des Deutschlandbesuchs nicht zuletzt aufgrund der Zusammensetzung der israelischen Gruppe ergeben, hat Dvir keineswegs als unangenehm in Erinnerung. »Ganz im Gegenteil – ich hatte so als Jugendlicher die Gelegenheit, auf Englisch über schwierige Themen zu sprechen, sowohl mit Gleichaltrigen als auch mit Politikvertretern. Das hat mir damals schon gefallen und mich in meiner Entwicklung sehr vorangebracht.«

jahresbericht 2020/21 Rückblickend sieht er das Johannes-Rau-Stipendienprogramm als wichtigen Ansporn für sein weiteres Engagement für grenzüberschreitenden Dialog und Frieden. »Das Programm ist zwar kurz, aber es bietet viele Möglichkeiten. Der danach bestehende Kontakt zur Deutschen Botschaft, die uns als Alumni immer wieder einlud, war auch sehr wertvoll für mich.« Dvir entschied sich zu einem Jurastudium, legte seinen Schwerpunkt auf Internationales Recht und ging für ein Auslandsemester auch nach China. Neben seinem Masterstudium an der Hebräischen Universität Jerusalem engagierte er sich unter anderem für das »Public Committee Against Torture«, eine Menschenrechtsorganisation, die sich für israelische und palästinensische Opfer von Folter einsetzt. Durch seine Aktivität beim deutsch-israelischen Zukunftsforum wurde Dvir auf das Projekt »Peace Line« des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) aufmerksam. Dabei besuchen junge Menschen Gedenkstätten und Schauplätze des Zweiten Weltkriegs, kommen miteinander in Austausch und werden zu Botschafterinnen und Botschaftern des Friedens. Die geplante Route entlang der »Peace Line« durch Europa konnte er zwar aufgrund der Coronapandemie nicht bereisen. Dafür aber wurden Dvir und drei weitere Teilnehmerinnen des Projekts vom VDK eingeladen, im Bundestag über ihre Perspektiven zu sprechen. »Überrascht und aufgeregt« sei er nach diesem Telefonat gewesen, erinnert er sich. »Aber es ging auch bei der Rede nicht um mich als Person, das ist eher symbolisch. Im Vordergrund stehen der Gedanke der Versöhnung, Frieden und internationale Zusammenarbeit. Wenn es heute eine Freundschaft zwischen Deutschland und Israel gibt, dann sehe ich nicht ein, warum nicht auch Israel und Palästina irgendwann die besten Freunde sein können«, sagt er. Im Anschluss an die Gedenkstunde zum Volkstrauertag hatten die vier jungen Erwachsenen zudem Gelegenheit, mit den Ehrengästen zu sprechen, die ins Parlament gekommen waren. Die Begegnung mit dem britischen Thronfolger sei beeindruckend gewesen, berichtet Dvir: »Prinz Charles sagte zu mir, ihm habe meine Rede gefallen. Er meinte, es sei manchmal sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, um über so etwas wie den Holocaust zu sprechen, wo Worte eigentlich nicht ausreichen.« Dann fügt er noch lachend hinzu: »Außerdem hat er mir für die Arbeit als Jurist noch alles Gute gewünscht.« Beruflich geht es für den ehemaligen Johannes-Rau-Stipendiaten erst mal in Europa weiter: Anfang 2021 ist Dvir für einen neuen Arbeitsplatz nach Brüssel gezogen. Über »Peace Line« Das Projekt »Peace Line« des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) lädt Menschen zwischen 18 und 26 Jahren dazu ein, zu »Peace Ambassadors« zu werden. In einer internationalen Gruppe besuchen sie Orte wie Verdun, Buchenwald oder den Schauplatz der Leningrader Blockade und diskutieren auf Englisch darüber, wie Geschichte und Gegenwart zusammenhängen. 2020 fand der Austausch online per Videokonferenz statt. Weitere Informationen https://www.peaceline.eu 19 Jugendliche aus Israel und Deutschland sollen sich »kennenlernen, sich gemeinsam mit der Vergangenheit auseinandersetzen und gemeinsam Zukunft suchen«, erklärte Bundespräsident Johannes Rau 2000 in einer Rede vor dem israelischen Parlament. Das Johannes-Rau- Stipendiatenprogramm gibt seitdem jedes Jahr im Herbst 20 Schülerinnen und Schülern aus Israel die Gelegenheit zu einem Besuch in Deutschland. Geplant und durchgeführt wird es vom PAD. Finanzielle Mittel für die Stipendien stellt das Auswärtige Amt bereit. Während des Aufenthalts sind die israelischen Jugendlichen in Gastfamilien untergebracht und nehmen am Unterricht teil. Anschließend verbringen sie gemeinsam mit ihren Gastgeschwistern eine Woche in Berlin. 2019 hatten die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Gelegenheit zu einem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 2020 musste es, bedingt durch die Corona-Pandemie, leider ausfallen. Dafür hat die Deutsche Botschaft Tel Aviv einen Clip mit zahlreichen Ehemaligen produziert. Weitere Informationen https://youtu.be/dzHWxAHYBNM

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